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Das perfekte Chaos

Wenn unbeschreibliches Durcheinander herrscht, spricht man von einem Tohuwabohu.

Als Herr Bänziger, von Beruf Hausmann, ins Kinderzimmer trat, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen. «Was für ein Tohuwabohu», stöhnte er und verdonnerte seine Sprösslinge zum Aufräumen. Wenigstens ansatzweise sollten sie das Zimmer in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen.

Grüner Streifen mit Schlamm

Paradoxerweise ist es gerade der Urzustand der Erde, der zum umgangssprachlichen Ausdruck «Tohuwabohu» geführt hat. In den hebräischen Schriften zur Schöpfungsgeschichte wird dieser als «tohu wa-bohu» bezeichnet. Später wurde diese Zuordnung präzisiert: «Tohu» war ein grüner Streifen, der die ganze Welt umgab und in Finsternis hüllte. «Bohu» hiess der schlammige Abgrund.

Martin Luther übersetzte «tohu wa-bohu» mit den Adjektiven «wüst und leer». Deswegen heisst es in der Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1,2: «Die Erde war aber wüst und öde, und Finsternis lag über der Urflut». In den düsteren Anfangstagen von Mutter Erde war also noch keine Ordnung zu erkennen. In Anlehnung ans Hebräische setzte sich im Laufe der Jahre der lautmalerische Ausdruck «Tohuwabohu» im Alltag durch. Er steht für einen Wirrwarr, wo kein Ding an seinem Platz ist. In der französischen Sprache bedeutet «tohu-bohu» zusätzlich auch Spektakel. Und auch wir verwenden den Begriff ja nicht nur für ein räumliches, sondern auch für ein akustisches Durcheinander.

Gähnende Leere

Dieselbe Bedeutung wie «Towuhabohu» hat «Chaos». Das Wort leitet sich vom altgriechischen Verb für «klaffen» zusammen, was eher auf einen leeren Raum schliessen lässt. Als Chaos, also als gähnende Leere, bezeichnete denn auch der griechische Dichter Hesiod (um 700 v. Chr.) den Urzustand der Welt: «Zuerst entstand das Chaos und später die Erde.» In der Mathematik übrigens ist ein chaotisches System eines, dessen Entwicklung sich nicht voraussagen lässt. Obwohl es dabei um etwas anderes geht, passt diese Definition sowohl zur Welt wie auch zum Kinderzimmer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.05.2009, 17:10 Uhr

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