Die Römer kannten die Gesetze aus dem Effeff

Von Bettina Hübschen-Leinenbach. Aktualisiert am 14.04.2009

Ein Mensch, der sich auf einem Gebiet besonders gut auskennt, beherrscht die Materie aus dem Effeff. Eine seltsame Redensart von den Römern.

Ursina entspannte sich. Sie hatte den ganzen Nachmittag gelernt. Jetzt, da sie die Vokabeln aus dem Effeff beherrschte, konnte die Prüfung ruhig kommen.

Wen sich jemand besonders gut mit einem Thema auskennt oder eine Fertigkeit vollendet beherrscht, dann sagt man: Er kann das aus dem Effeff. Um diese Redewendung verstehen zu können, muss man in die Vergangenheit gehen. Um das Jahr 500 nach Christus erlebte das römische Rechtssystem eine letzte Blütezeit. Damals wurden die fünfzig wichtigsten Werke verschiedener Rechtsgelehrter zusammengefasst. Diese Sammlung nannte man Pandekten. Wer die Pandekten als Quelle zitierte, tat dies, wenn es schnell gehen musste, mit dem griechischen Buchstaben Pi (p). Wurde die Abkürzung in der Eile hingekritzelt, sah das wie ein «ff» aus.

Da viele europäische Rechtssysteme auf dem römischen Recht fussen, lasen die Gelehrten späterer Jahrhunderte immer wieder in den alten Schriften. Und dabei stiessen sie in den Gesetzeskommentaren auch auf das Effeff.

Wissenschaftler, die sich mit der Entstehung der Redensarten beschäftigen, gehen davon aus, dass sich so die folgende Annahme festsetzte: Wer sämtliche Passagen der Pandekten kannte und dies mit dem Vermerk Effeff eindrucksvoll belegte, war offenbar ein gelehrter Mensch. Wer also etwas aus dem Effeff kann, ist ein Meister in seinem Fach. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.04.2009, 10:17 Uhr

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