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Eine saubere Sache

Wer etwas aus der Welt schafft und Dinge klärt, der macht reinen Tisch. Die Metapher bezog sich ursprünglich auf eine Schreibtafel.

Seit dem denkwürdigen Streit vom letzten Wochenende hat Marlene nicht mehr mit ihrem Freund Tom gesprochen. Das liegt ihr auf dem Magen, und so greift sie endlich zum Telefon, um eine Aussprache herbeizuführen. Sie möchte die Sache nicht einfach unter den Tisch kehren, also so tun, als ob nichts gewesen wäre, sondern darüber reden. Wer eine unangenehme Angelegenheit klärt, macht sprichwörtlich reinen Tisch.

Schreibtafeln als Ursprung

Heutzutage kann die Redensart durchaus wörtlich aufgefasst werden und sich auf den Arbeitsalltag beziehen. Welch gutes Gefühl, wenn der Schreibtisch von Aktenstapeln befreit ist, die Werkzeuge von der Werkbank weggeräumt sind. Ursprünglich war aber das Aufräumen im übertragenen Sinn gemeint. Dem geflügelten Wort liegt eine Lehnübersetzung aus dem Latein zugrunde, das ebenfalls bekannte «Tabula rasa», das übersetzt «abgeschabte Tafel» heisst.

Als Papier und Stift noch darauf warteten, erfunden zu werden, benutzten die Römer Schreibtafeln. In einen hölzernen Rahmen liess man Wachs ein, in das man anschliessend mit einem Griffel die Schriftzeichen ritzte. War die Tafel vollgeschrieben, so glättete man den weichen Untergrund wieder, um die Schreibtafel erneut verwenden zu können. Man begann nochmals von vorne.

Die Liebeskunst als Vorlage

Dieses Bild hatte wohl der römische Dichter Ovid vor Augen, der den Ausdruck «tabellae rasae» in seiner berühmten «Ars Amandi» verwendete. Dabei handelte es sich um das damalige Standardwerk über die Kunst des Liebens. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Redensart in die Umgangssprache einfloss. Auch ohne das dreibändige Werk gelesen zu haben, weiss jeder, dass zur Liebe hin und wieder ein Streit gehört. Vor allem, wenn man Tisch und Bett teilt, bleibt dann nur eines übrig: reinen Tisch zu machen und die leidige Sache aus der Welt zu schaffen. Anschliessend kann man sich gemeinsam die «Ars Amandi» zu Gemüte führen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2009, 08:54 Uhr

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