Eingeschränkte Sicht

Von Renate Sturzenegger. Aktualisiert am 04.08.2009

Mit dem Ausruf «toi, toi, toi!» wünscht man sich Glück für eine schwierige Aufgabe. Die scheinbar sinnlosen Silben beruhen auf einem Abwehrzauber.

Als Moritz sich mit weichen Knien auf den Weg zur Fahrprüfung macht, ruft ihm seine Schwester aufmunternd nach: «Toi, toi, toi!» Sie will ihm damit Mut machen und wünscht ihm alles Gute, damit er den Test bestehen möge. Die bekannte Formel ist den meisten geläufig und wird heutzutage ausschliesslich im Sinne von «Viel Glück, machs gut!» gebraucht.

Bekannt geworden ist sie durch zwei Schlager in den Dreissiger- und Vierzigerjahren. Sowohl Marcellus Schiffer als auch Willy Rosen gebrauchten allerdings die ehemals vollständige Wendung. Diese hiess «unberufen, toi, toi, toi!» und hängt wie so viele sprichwörtliche Redensarten mit einem alten Volksglauben zusammen. Wünschte man jemandem Glück, so setzte man schnell ein «unberufen» hinzu. Die bösen Geister wollte man damit nämlich nicht auf sich aufmerksam machen und schon gar nicht herbeirufen.

Dreimaliges Ausspucken

Nachdruck verlieh man der Schutzhandlung durch dreimaliges Klopfen auf Holz und den lautmalerischen Ausruf «toi, toi, toi!», der für dreimaliges Ausspucken stand. Wer auf den Boden spuckte, wollte weder seine Verachtung zeigen noch seine Coolness beweisen, sondern der Speichel galt als unheilbannend. Deshalb wurde auch der Spielwürfel, der gewinnen sollte, bespuckt. Genauso das erste eingenommene Geldstück; weitere sollten ihm dann folgen.

Andere Quellen wiederum sind der Meinung, man habe ursprünglich «teu, teu, teu!» gerufen, was eine dreimalige Abkürzung für Teufel gewesen sei.

Mittlerweile wird der gute Wunsch unabhängig von «unberufen» gebraucht. Dieses Wort stammte nämlich aus dem jüdischen Sprachschatz und wurde deshalb als Kennwort während des Zweiten Weltkriegs tunlichst vermieden. Der Schlagerkomponist Willy Rosen aber schrieb noch im KZ eines seiner letzten Lieder, wo es unter anderem heisst: «… Drum bitt’ ich dich, Fortuna, bleib mir treu, / unberufen, unberufen, toi, toi, toi!» Für ihn hat sich die Glücksformel leider nicht bewährt. Er starb 1944 in Auschwitz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2009, 10:08 Uhr

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