Wissen

Eingeschränkte Sicht

Wer das Offensichtliche nicht erkennt, der scheint ein Brett vor dem Kopf zu haben und wird töricht genannt oder gar «dumm wie ein Ochse».

Herr Kiener rauft sich die Haare. Seit über einer Stunde sucht er vergeblich nach dem Fehler in seiner Buchhaltung. Schliesslich gibt er es auf und sagt: «Ich versuche es morgen wieder. Heute habe ich ein Brett vor dem Kopf.»

Aus der Landwirtschaft

Die Redensart, die auch als Synonym für «einfältig», «beschränkt», «begriffsstutzig» oder «engstirnig sein» gilt, stammt aus der Landwirtschaft. Sie entstand aus dem Umgang mit Ochsen, und die müssen ja ohnehin schon ihren Kopf hinhalten, wenn es darum geht, einen Mitmenschen zu beschimpfen. Da die Arbeitstiere oft störrisch waren und nicht brav in der Spur liefen, schnallten die Bauern ihnen ein Brettchen über den Kopf. Wie die Scheuklappen beim Pferd schränkte dieses das Gesichtsfeld ein und sorgte für einen reibungslosen Ablauf beim Pflügen.

Mit dem Brett ist aber auch das Joch gemeint. Noch vor dem Widerristjoch, das grossen Zugtieren über den Nacken gelegt wurde, war bei Hornträgern das Kopfjoch in Gebrauch. An dem zwischen den Hörnern befestigten Brett wurde eine Deichsel angehängt, mit der Pflüge oder Karren gezogen wurden. Da die Ochsen sich unter der Last kaum bewegen konnten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Weg nach vorne unter die Füsse zu nehmen.

Nur nicht ablenken lassen

Dermassen unterjocht und ihres eigenen Willens beraubt, standen sie ziemlich dumm da und sahen nicht, was links und rechts von ihnen passierte. Ganz genauso wie bornierte Leute, die das Naheliegende nicht sehen und von den Engländern deshalb «Blockheads» genannt werden. Allerdings gibt es eine ähnliche Redensart, die genau das Gegenteil bedeutet. So heisst es in Norddeutschland zum Beispiel: «Er kann dör’n Brett kücken.» Sagt man von jemandem, er sehe durch ein eichenes Brett hindurch, so ist das ein Kompliment und will heissen: Der ist sehr klug. Zumindest wenn man den ironischen Zusatz «wenn ein Loch darin ist» weglässt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2009, 09:54 Uhr

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