Gemecker im Garten

Von Renate Sturzenegger. Aktualisiert am 24.03.2009

Wen jemand mit einer ihm gestellten Aufgabe überfordert ist, dann sagt man: Da wurde der Bock zum Gärtner gemacht.

Als Herr Rüedi zum neuen Finanzvorstand gewählt werden soll, wehrt sich Herr Bösch vehement: «Da könnte man ja gleich den Bock zum Gärtner machen.» Eine wenig schmeichelhafte Einschätzung. Herr Bösch ist nämlich der Meinung, dass Herr Rüedi sich keinesfalls für dieses Amt eignet.

Wer sprichwörtlich den Bock zum Gärtner macht, muss damit rechnen, dass der daraus resultierende Schaden grösser als der Nutzen ist. Die Redensart ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Aus Danzig ist folgender Vers überliefert, der es auf den Punkt bringt: «Wer den Bock zum Gärtner setzet, den Hund nach schmehr und die Katze nach bradtwürsten schikket, kriget selten etwas heimb.»

Auf alten Illustrationen ist oft ein aufrecht dargestellter Ziegenbock abgebildet, der im Garten die jungen Triebe der Sträucher frisst. Auch in anderen Sprachen warnt man davor, den Falschen mit einer Aufgabe zu betrauen. Während sich die Franzosen davor hüten, das Schaf in Obhut des Wolfes zu geben (donner la brebis à garder au loup), finden die Engländer wenig Gefallen an der Idee, den Wolf auf die Hammel aufpassen zu lassen (to give a wolf the wether to keep).

Aus dem Leben gegriffen

Die Redensart ist wohl aus dem Alltag heraus entstanden. Es gab immer wieder Gartenbesitzer, die morgens erschüttert vor ihren verwüsteten Beeten standen. Der Übeltäter war schnell ausgemacht: Ein (Reh-)Bock hatte sich nachts über die jungen Triebe und Pflänzchen hergemacht. Da die Verdauung des Tieres tadellos funktionierte, konnte es überführt werden. Denkbar ist auch, dass ein Ziegenbock aus seinem Gehege ausgebrochen war und den Schaden angerichtet hatte.

Übrigens: Ziegen tut man mit dieser Redensart teilweise Unrecht. In Zier- und Gemüsegärten mögen sie Schaden anrichten. In den Bergen aber bewahren sie als Mischfresser, die auch Laub, Rinde und dornige Pflanzen vertilgen, die Alpweiden vor Verbuschung. Diese Tatsache wiederum mag Herrn Bösch zur versöhnlichen Bemerkung veranlasst haben, man solle Herrn Rüedi doch besser das Ressort «Kultur» übertragen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2009, 09:54 Uhr

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