Her mit dem Besteck!
Bei einem Klassentreffen unterhalten sich zwei ehemalige Schulkameraden. Fragt der eine: «Sag, hast du nochmal was von unserem ehemaligen Mathelehrer Müller gehört?» Antwortet der andere: «Ich glaube, der hat schon lange den Löffel abgegeben.»
Wenn ein Mensch den Löffel abgegeben hat, dann ist er verstorben. Die Redensart, die auf den ersten Blick pietätlos daherkommt, spiegelt die Lebenswirklichkeit im Mittelalter wider. Damals ass die normale Bevölkerung häufig Brei, der aus gekochten Pflanzenteilen und Getreide bestand. Dieses Mus gab auch dem Gemüse den Namen. Das Essen wurde in einer Schüssel auf den Tisch gestellt und alle Anwesenden bedienten sich. Dabei benutzten alle einen eigenen Löffel, der meist aus Holz geschnitzt war. Wer gestorben war, nutzte sein Essbesteck nicht mehr. Es wurde der Tradition entsprechend an die nächsten Nachkommen weitervererbt.
Eine andere Deutungsvariante geht davon aus, dass es sich bei dem sprichwörtlichen Löffel eigentlich um eine Art Schöpfkelle handelte, mit der die Dame des Hauses das Essen zubereitete. Dieses Gerät hing an einer Kordel an ihrem Gewand und markierte so auch ihren gesellschaftlichen Stand. Wenn sie starb, gab sie eben diesen Löffel ab.
Reiche haben Gold im Mund
Apropos Löffel. Wer mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt kommt, hat wohlhabende Eltern. Während sich das gemeine Volk nur Holzlöffel leisten konnte, benutzten die Adligen auch Silberoder gar Goldlöffel zum Essen. Die renommierten Auktionshäuser wissen, dass man heutzutage für antike Löffel aus massivem Silber oder Gold einen sehr guten Preis erzielen kann. Der symbolische Wert dieser Stücke ist erheblich.
Wer die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, ist davon überzeugt, über alle Massen schlau zu sein. Da man aber Bildung nicht wie Brei konsumieren kann, wird schnell klar, dass der vermeintlich Weise allenfalls über Bauernschläue verfügt. Echte Bildung kann nicht konsumiert werden. Sie muss über die Jahre hinweg wachsen. (bhl)
Erstellt: 01.09.2009, 09:43 Uhr










Die Welt in Bildern































