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Ist die Tante schuld?

Wer Fisimatenten macht, sorgt mit fadenscheinigen Ausflüchten für unnötige Verzögerung. Die Herkunft des Wortes wird meist falsch gedeutet.

Es ist halb neun Uhr. Doch just beim Gutenachtkuss kommen dem kleinen Nico immer allerhand wichtige Fragen in den Sinn. Er ist ein Meister darin, das Lichterlöschen noch eine Weile hinauszuzögern. Seine Mutter aber durchschaut ihn und sagt: «Keine Fisimatenten jetzt; morgen ist auch noch ein Tag.»

Das seltsame Wort entstand im 15. Jahrhundert und ist eine Mischung aus Latein und Französisch. «Visae patentes», so hiess in alter Zeit ein ordnungsgemäss geprüftes Patent. Da die Ausstellung eines solchen schon damals viel Zeit in Anspruch nahm, assoziierte man damit bald einmal viele überflüssige Schwierigkeiten und gebrauchte das Wort scherzhaft auch in diesem Sinne. Im 17. Jahrhundert verschmolz es mit einem altfranzösischen Ausdruck. «Visement» stand zunächst für Aussehen und Einteilung eines Wappens, später wurde das Wort für unnötigen und unverständlichen Zierrat oder auch Ornamente verwendet. Aus Visement wurde schliesslich Visamente, was dem heutigen Fisimatenten schon recht ähnlich war.

Wörter wie dieses, das sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert hat, werden in der Regel nicht mehr verstanden. Die volksetymologische Deutung ist zwar oft amüsant, aber zumeist an den Haaren herbeigezogen. So auch im Fall von «Fisimatenten». In Mainz beispielsweise beruft man sich auf Offiziere, die sich die Revolutionskriege mit Damenbesuch in ihrem Zelt versüssten. Diese sollen sie mit den Worten «Visitez ma tente» eingeladen haben. Andernorts musste die Ausrede verspäteter Passanten gegenüber den gestrengen Ordnungshütern herhalten. Sie schoben kurzerhand ihre Tante vor und erklärten unschuldig: «Je viens de visiter ma tante.» Klein Nico jedenfalls kugelt sich immer vor Lachen, wenn er das ulkige Wort «Fisimatenten» hört. Darauf schläft er zufrieden ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.07.2009, 10:18 Uhr

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1 Kommentar

Ronnie König

15.07.2009, 13:56 Uhr
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In der Schweiz mag das ein seltener Ausdruck sein, aber in Deutschland bis in die 80er Jahre häufig in Gebrauch. Daher ist mir die Bedeutung klar, denn ein mancher fragt, was ein Wort bedeutet, wenn er nix versteht. Und was die Geschichten angeht, so liebt genau dies der Mensch. Es gäbe unzählige Beispiele für dergleichen. Antworten



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