Was ist ein «Backfisch»?
Von Renate Sturzenegger. Aktualisiert am 09.06.2009
Grossmutter Huber stöbert gemeinsam mit ihrer Enkelin auf dem Estrich und stösst dabei auf ihr ehemaliges Lieblingsbuch: «Trotzkopf». «Das ist ein richtiger Backfischroman», strahlt sie. Ihre Enkelin zuckt nur mit den Schultern
«Backfische» nannte man bis ins letzte Jahrhundert Mädchen im Teenageralter. Das war nicht unbedingt schmeichelhaft gemeint, hiess man so doch junge Damen, die als schwärmerisch und unreif betrachtet wurden. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Fischerei, wo er mehrere Bedeutungen hat. Fische, die zu klein waren, um mit Gewinn auf dem Markt verkauft werden zu können, wurden oft über die Back, einen Aufbau auf dem Vorschiff, ins Meer zurückgeworfen. Im Englischen nannte man diesen Beifang deshalb «backfish». Behielt man die winzigen Makrelen, Heringe und Flundern, dann eigneten sich die kleinen Meerestiere nicht zum Kochen, sondern höchsten zum Backen.
Im Gegensatz zu den bedauernswerten Jungfischen landeten die Mädchen zwar nicht in der Pfanne, schienen aber ebenfalls nicht ausgereift. Sie benahmen sich albern und waren, verglichen mit den Erwachsenen, sprunghaft.
Auch Studienanfänger wurden in früheren Zeiten als Backfische bezeichnet; der Begriff tauchte erstmals um 1550 auf. Im Volksmund setzte sich aber der weibliche Backfisch als Synonym für weibliche Teenager durch und führte zu Sprüchen wie «Mit dreizehn Jahren und zwei Wochen da ist der Backfisch ausgekrochen. Mit siebzehn Jahren, zehn Sekunden da ist der Backfisch schon verschwunden.»
In Norddeutschland übrigens verheisst «He kreeg Backfisch» nichts Gutes: Man muss mit einer Ohrfeige rechnen. Davor war wohl auch kein Backfisch gefeit. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.06.2009, 13:52 Uhr










Die Welt in Bildern
































