21'000 Briten fordern eine Entschuldigung für das Rechengenie

Alan Turing knackte den Nazi-Geheimcode Enigma. 1952 wurde der Homosexuelle zwangskastriert – und nahm sich das Leben. Jetzt soll London den Mathematiker rehabilitieren, fordert eine Online-Petition.

In der Kunst bereits rehabilitiert: Die National Portrait Gallery zeigt das bekannteste Porträt Turings noch bis zum 18. Oktober.

http://www.npg.org.uk

Auf der Webseite des britischen Premierministers fordert eine Petition die Regierung auf, sie solle das Unrecht anerkennen, das dem 1954 verstorbenen Alan Turing widerfahren sei. Auch eine offizielle Entschuldigung seitens des Premierministers fordert der Text. 21'000 Menschen haben ihn bereits unterschrieben.

Turing hatte im Zweiten Weltkrieg den Enigma-Code geknackt, mit dem die Nazis ihre Botschaften verschleierten. 1952 wurde er wegen seiner Homosexualität verfolgt und entging einer Verurteilung nur, weil er sich chemisch kastrieren liess. Zwei Jahre später nahm sich Turing mithilfe eines Zyanid-getränkten Apfels das Leben. Er war 41 Jahre alt.

«Ich verlange eine Entschuldigung»

Online gestellt hat die Petition der Computerspezialist John Graham-Cumming. Er sei fast verrückt geworden über die Art und Weise, wie sich sein Land an einen Menschen erinnere, der eigentlich als nationaler Held gefeiert werden sollte, wird Graham-Cumming auf CNN zitiert. Die Regierung solle «die tragischen Konsequenzen der Vorurteile erkennen, die das Leben und die Karriere dieses Mannes zunichte machten», heisst es im Petitionstext.

Die geforderte Entschuldigung halte er zwar für unwahrscheinlich, wie Graham-Cumming gegenüber der BBC sagte, da keine Familienmitglieder von Turing mehr am Leben seien. Es gehe ihm jedoch um einen symbolischen Akt: «Das Wichtigste ist, dass die Menschen von Alan Turing hören und verstehen, was für einen enormen Einfluss er auf die moderne Welt hatte.» Turing gilt neben seiner Leistung im Zweiten Weltkrieg bis heute als einer der wichtigsten Theoretiker der Computerwissenschaften.

Auf der Webseite des Premierministers können Briten jederzeit Online-Petitionen platzieren. Dabei müssen diese gewissen Regeln entsprechen, dürfen insbesondere nicht ehrverletzend oder lügnerisch sein. Die so genannten «E-petitions» begründen keine rechtliche Bindung, sondern dienen der Regierung als Inspiration für politische Ideen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2009, 09:58 Uhr

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