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Der Stammbaum des Lebens über 3,5 Milliarden Jahre

Dass alle Lebewesen die gleichen Vorfahren haben, wusste schon Charles Darwin. Zu seinem 200. Geburtstag veranstalten die Uni Zürich und die ETH eine Zeitreise durch die Evolution.

Würde heuer 200 Jahre alt: Charles Darwin.

Würde heuer 200 Jahre alt: Charles Darwin. (Bild: Keystone)

Auf einmal kam Leben auf unseren Planeten. Scheinbar aus dem Nichts tauchten vor rund 3,5 Milliarden Jahren die ersten bakterienähnlichen Meeresbewohner auf. «Ihr fossiles organisches Material ist der bisher älteste Beleg für Leben», sagt der Paläontologe Heinz Furrer von der Universität Zürich. Erst viel später, kurz vor Beginn des Kambriums, entwickelten sich unzählige mehrzellige Lebewesen und auch die ersten Vertreter der heutigen Tierstämme. Ein weiterer wichtiger Schritt der Evolution habe auch im Devon stattgefunden, als der Lurch Ichthyostega das Wasser verliess und an Land ging.

Auf den verschlungenen Pfaden der Evolution sind durch die Jahrmillionen fantastische Geschöpfe entstanden. Und jedes ist auf seine Art ganz besonders – wie etwa der gepanzerte Trilobit, der herzförmige Seeigel, der gefürchtete Tyrannosaurus rex oder der filigrane Delfin. «Man glaubt es kaum, aber alle Lebewesen haben gemeinsame Vorfahren», sagt Heinz Furrer. Der britische Naturforscher Charles Darwin hat dies bereits vor 150 Jahren postuliert und einen Baum des Lebens skizziert, dessen Zweige eine gemeinsame Wurzel haben, die nach heutigen Erkenntnissen beinahe vier Milliarden Jahre zurückreicht.

Auf Darwins Spuren

Wie viele Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen es in diesem verzweigten Baum des Lebens gibt, weiss bis heute immer noch niemand genau. «Schätzungen gehen von rund zehn Millionen Organismen aus», sagt der Zoologe Ulrich Reyer von der Universität Zürich, der zusammen mit seinem Kollegen Paul Schmid-Hempel von der ETH Zürich in einem grossen Team die heutige Ausstellung zum Darwin-Jubiläum in der Halle des Hauptbahnhofs Zürich organisiert hat.

Auf der Erde gab es in den verschiedenen Zeitaltern zum Teil extreme Bedingungen für Lebewesen. So spuckten Vulkane Feuer, Eiszeiten herrschten, und Kontinente drifteten. Dies führte zu einem ständigen Wandel, in dem neue Arten entstanden und andere ausstarben. Das Verschwinden der Dinosaurier, Flugsaurier und Meeressaurier vor 65 Millionen Jahren war das letzte grosse Massenaussterben. «Dadurch haben andere Gruppen profitiert, die zuvor im Schatten der Riesen ihr Dasein fristeten», sagt Heinz Furrer. Insbesondere Säugetiere auf dem Land und im Wasser oder Vögel in der Luft.

Zähne des Archaeopteryx

Doch wie lässt sich im verzweigten Baum des Lebens erklären, wer überhaupt mit wem verwandt ist – etwa Vögel und Dinosaurier? Um dieses Rätsel zu lösen, suchen Forscher nach charakteristischen gemeinsamen Merkmalen. Zum Beispiel hat das Skelett des ausgestorbenen Urvogels Archaeopteryx Zähne und eine lange Schwanzwirbelsäule wie ein Saurier, während sein fossil erhaltenes Federkleid ein typisches Kennzeichen der Vögel ist.

Des Weiteren kann neben den wichtigen paläontologischen und genetischen Untersuchungen auch die Embryonalentwicklung auf eine gemeinsame Abstammung deuten. «Der menschliche Embryo ähnelt zunächst einer Fischlarve, später einem Reptilienembryo und danach dem Embryo anderer Säugetierarten», erklärt Ulrich Reyer. Dies weise auf eine Verwandtschaft aller Wirbeltiere hin.

Erfolgreichstes Lebewesen

Der gewaltige Stammbaum des Lebens macht deutlich, dass auch der Mensch nur auf einer Spitze eines Astes sitzt. Noch nie sei ein Lebewesen so erfolgreich gewesen und habe den Planeten mit all seinem Schaffen so beherrscht, gleichzeitig sich aber auch selbst mit Atomwaffen, Umweltverschmutzung oder zusätzlichem Treibhauseffekt stark gefährdet, betont Heinz Furrer. Er hoffe, dass der Mensch in Zukunft gescheit genug sei, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Denn die Geschichte der Evolution zeige, dass keine Art eine zweite Chance bekomme.

Baum des Lebens: Vielfalt und Einheit. Ausstellung zum Darwin-Jahr 2009 in der Halle des Hauptbahnhofs Zürich vom 4. bis 6. September, mit vielen Exponaten, Videos, Vorführungen, lebendigen Tieren oder auch Dinosaurierskeletten. Eintritt frei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2009, 22:22 Uhr

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9 Kommentare

Alf Red

10.02.2010, 13:06 Uhr
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Der Glaube fängt da an, wo das Wissen aufhört Antworten


Marco Keller

10.02.2010, 12:16 Uhr
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@Gafner, leider reicht es nicht allen, nur zu glauben und zu hoffen. Ich würde mein Leben nie jemanden anvertrauen, bei dem ich nichtmal weiss, ob er existiert. Wissen ist Macht und seelig sind die geistig armen.... Antworten


Gafner Stephan

10.02.2010, 06:45 Uhr
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Ich bin froh, dass ich der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1,1-2.25) entnehmen kann und glauben darf, dass ich und meine Lieben von Gott erschaffen wurden und nicht vom Affen abstamme. Antworten


Matthias Meier

04.09.2009, 16:57 Uhr
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@Markus Niederberger: Darwin formulierte das in "On the Origin of Species" schon genauso - nachzulesen auf verschiedensten Seiten im Netz. @Peter Zurbrügg: Godwins' Law schon im fünften Kommentar erfüllt, Respekt! Die Evolutionstheorie ist wohl eine der wichtigsten und für unser Weltbild weitreichendsten wissenschaftlichen Entdeckungen aller Zeiten, da ist es natürlich, dass sie angegriffen wird. Antworten


Peter Zurbrügg

04.09.2009, 13:27 Uhr
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Im Gegensatz zu den an die Wissenschaft Gläubigen unkritischen Kommentarschreiber, weiss die Kluge Denkelite der Welt, dass sie nichts weiss... Man denke nur an das Dritte Reich, wo Tausende der Wissenschaftler die Rassenlehre, übrigens in Anlehnung an Darwin, als alleinige Wahrheit verkündeten. Antworten


Gianni Dal Pont

04.09.2009, 10:21 Uhr
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...und wir Stimmen im Jahr 2009 über eine Minarett-?nitiative ab , unvollstellbar....... Antworten


Markus Niederberger

04.09.2009, 10:12 Uhr
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Ich bin alles andere als ein Kreationist. Trotzdem empfinde ich die Formulierung; "Dass alle Lebewesen die gleichen Vorfahren haben, wusste schon Charles Darwin." extrem provokant. Darwin selbst hätte sie wohl kaum so formuliert; so weit war das Wissen damals nicht. Es ist aber ein deutlicher Hinweis darauf, wie unreflektiert wissenschaftliche Theorien weitergegegeben und akzeptiert werden. Antworten


Adrian Kohler

04.09.2009, 09:48 Uhr
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@Rolf Buholzer: Sie sprechen mir aus dem Herzen. Hoffen wir mal, dass die Gläubigen am Freitag auch zu einer Jesus-Party müssen. Es ist mir ein Rätsel, wie man trotz erdrückenden Beweisen und Indizien gegen die Evolutionstheorie argumentieren kann. Benutzt den "gottgegebenen" Menschenverstand!! Antworten


Rolf Buholzer

04.09.2009, 07:03 Uhr
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Es ist Freitag und der Artikel ist genau die richtige Einladung an alle Forums-Trolle. Ich schätze, die Kommentare für diesen Artikel werden geradezu explodieren. Die Kreationisten spitzen bestimmt schon ihre Stifte und werden uns mit ihrem Gedöns "beglücken"... Antworten



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