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Grabstätte der Todgeweihten

Zerschlagene Schädel und Spuren von Raubtierbissen: Archäologen glauben, dass nahe York der besterhaltene Friedhof für Schaukämpfer des römischen Reichs liegen könnte.

1/5 Akribische Geduldsarbeit: Michael Wysocki gehört zu den Wissenschaftlern, die aus den menschlichen Überresten Schlüsse auf die Vergangenheit ziehen.
Channel 4 / Daily Mail

   

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Wie die römischen Gladiatoren kämpften

Wie die römischen Gladiatoren kämpften
Die antiken Kämpfer mussten in unterschiedlichen Rollen gegeneinander antreten – oft bis zum tödlichen Ende

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Die Grabungsstätte südwestlich von York gilt derzeit als interessantester Arbeitsplatz, den Grossbritannien für Archäologen zu bieten hat. Rund achtzig Skelette wurden dort in den vergangenen zehn Jahren gefunden. Zunächst war angenommen worden, dass es sich um Soldaten handelte, die nach 200 nach Christus hingerichtet worden waren. Doch in letzter Zeit haben Spezialisten des York Archaeological Trust laut Berichten in der britischen Presse Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Männer Opfer eines blutrünstigen Spektakels waren.

Nämlich Gladiatoren, die über das Mittelmeer nach Grossbritannien gebracht wurden, um dort zu kämpfen – in einem Amphitheater, das in dieser Gegend allerdings noch nicht entdeckt wurde. Dass die Gladiatoren-Vermutung derzeit trotzdem die wichtigste Theorie der Forscher zu dem Massengrab ist, liegt unter anderem an einer Auffälligkeit: Bei rund der Hälfte der Skelette ist der rechte Arm bis zu 1,8 Zentimeter länger als der linke, wie die Zeitung «Independent» schreibt. Ein Hinweis darauf, dass die Männer in jungen Jahren intensiv mit der Rechten trainierten: Eine solche Asymmetrie kann nur entstehen, bevor das Wachstum des Skeletts beendet ist.

Verwundung durch ein grosses Raubtier

Wie die Zeitung «Telegraph» berichtet, ist ein besonders klarer Fingerzeig auf Gladiatorenkämpfe laut Kurt Hunter-Mann, einem Fachmann des York Archaeological Trust, eine gewaltige Narbe, die vom Biss eines Raubtiers stammen muss – etwa eines Löwen, Tigers oder Bären. Für eine solche Verletzung im Grossbritannien jener Zeit gibt es kaum eine andere Erklärung als jene Schaukämpfe, bei denen die Gladiatoren sich gegen solche Raubtiere verteidigen mussten.

Zudem liessen sich beim Grossteil der Männer, deren Leichname untersucht wurden, Verwundungen nachweisen, wie sie Gladiatoren einander zufügten. Manche wurden schliesslich durch einen Hammerschlag auf den Schädel getötet – eine Art «Gnadenstoss», für den sich auch auf einem Gladiatorenfriedhof im türkischen Ephesus Belege fanden. Viele andere Männer ereilte der Tod allerdings, indem sie geköpft wurden – ein verwirrendes Detail, denn dass Gladiatoren einem unterlegenen Gegner den Kopf abschlugen, wurde bisher nirgends nachgewiesen.

Endgültiger Nachweis steht noch aus

Der britische TV-Sender Channel 4 wird am kommenden Montag ausführlich über die Ausgrabungen berichten. Ob sich die Vermutung der Forscher, dass es sich um einen Kämpfer-Friedhof handelt, erhärten wird, bleibt abzuwarten. Dass die Gebeine von hingerichteten Kriminellen stammen, glauben die britischen Forscher jedenfalls nicht: Trotz ihres schrecklichen Todes wurden sie in der Zeit vom späten ersten bis zum vierten Jahrhundert nach Christus mit einem gewissen Respekt beerdigt. Vierzehn von ihnen wurden sogar nützliche Beigaben mit ins Grab gelegt, schreibt «The Independent» – in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der nächsten Welt.

Erstellt: 07.06.2010, 16:08 Uhr

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2 Kommentare

Stefan Studer

07.06.2010, 16:55 Uhr
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Im keltischen Kulturraum war das Abschlagen des Kopfes eines getöteten Gegners ein verbreiteter Brauch. Es ist denkbar, dass die lokalen Bräuche hier die Ursache für diesen Befund sind, der sonst im Imperium nicht belegt werden kann. Antworten


Roland Moser

07.06.2010, 16:27 Uhr
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Hat man den römischen Invasor mit einem Teil seiner Unkultur konfrontiert? Die Toten sind vielleicht Römer, welche von den Einheimischen gefangen wurden, und danach gegen sich selbst kämpfen "durften". Wie es die Römer so gerne mit anderen gemacht haben, "durften" sie es nun auch selbst! Zu ihrer eigenen grossen Freude natürlich! Sonst hätten sie es von den anderen ja auch nicht gewollt! Antworten



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