Leichnam einer «Königin der Herzen» geborgen
Heirateten im Alter von 17 Jahren: Skulpturen des Herrscherpaars Otto und Editha in der Kapelle im Magdeburger Dom.
Sehr starkes Indiz: Ein Teil der Inschrift im Deckel des «Editha-Sarges». (Bild: Keystone)
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Laut einer Inschrift auf dem Sarg handelt es sich um Königin Editha, die in der Zeit von 910 bis 946 nach Christus lebte und die erste Gemahlin von Otto dem Grossen war, der den Grundstein zum Heiligen römischen Reich deutscher Nation legte.
Überraschung im Magdeburger Dom
Archäologen hatten den Sarg Mitte November im Zuge der Forschungsgrabungen im Magdeburger Dom entdeckt. Er wurde in einem Sarkopharg gefunden, der zuvor für ein «Scheingrab» gehalten worden war. Der Kenotaph war im Jahre 1510 errichtet worden und befindet sich im Chorumgang des gotischen Doms, wenige Meter vom Grabmal Ottos des Grossen entfernt.
Bei den Grabungen unter dem Kenotaph wurden bedeutende Mauerreste eines Vorgängerbaus des Magdeburger Doms gefunden. Um sie näher in Augenschein nehmen zu können, musste der aus Sandstein gebaute Sarkophag verschoben werden. Zuvor war mit einer Kamerafahrt festgestellt worden, dass der Behälter nicht leer ist.
Als der mehr als eine Tonne schwere Deckel des Sarkophags schliesslich mit einem Kran angehoben wurde, kam darunter eine etwa 70 Zentimeter grosse Bleikiste zum Vorschein. Sie enthält laut einer Inschrift die umgebetteten Gebeine der Königin Editha.
Archäologen vom Fund hellauf begeistert
Ob die Gebeine tatsächlich die sterblichen Überreste Königin Edithas sind, soll nun wissenschaftlich belegt werden. Mit C14-, DNA-, Sauerstoff-, Strontium- und Stickstoff-Untersuchungen wollen die Archäologen das Geheimnis lüften. Mit diesen Verfahren kann nachgewiesen werden, wie alt die verstorbene Person war oder welchem Geschlecht sie angehörte.
Grabungsleiter Rainer Kuhn bezeichnete die Entdeckung des Königsgrabes als Fund ersten Ranges, der die Wissenschaft noch Jahre beschäftigen wird. «Es ist ein grosser Tag für die Mittelalter-Forschung», sagte er. Landesarchäologe Harald Meller sprach gar von einem der bedeutendsten Funde der Mittelalter-Archäologie der zurückliegenden Jahrzehnte.
Der Bleisarg war unter strengster Geheimhaltung geborgen worden; anschliessend wurde er in das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle gebracht. Erste Sichtungen und Röntgenuntersuchungen ergaben, dass sich darin neben Gebeinen ein Leinentuch und weitere Textilien befinden.
Mit modernen wissenschaftlichen Methoden lässt sich feststellen, ob die Person jemals Wasser in England getrunken hat und längere Zeit in Mitteldeutschland lebte. Diese Untersuchungen sollen in Mainz durchgeführt werden und etwa anderthalb Jahre in Anspruch nehmen.
Jung verstorbene «Königin der Herzen»
Königin Editha entstammte einem englischen Königsgeschlecht. Sie heiratete 929 Otto I. und herrschte gemeinsam mit ihm. Otto schenkte ihr als hochzeitliche «Morgengabe» die Stadt Magdeburg, seine Lieblingsresidenz.
Editha wurde vor allem wegen ihrer Grosszügigkeit gegenüber armen Menschen geehrt. Sie starb im Alter von nur 36 Jahren und wurde im Mauritiuskloster zu Magdeburg beigesetzt. Aus den Urkunden jener Zeit geht hervor, dass ihr Leichnam mindestens vier Mal umgebettet wurde. (raa/ap/)
Erstellt: 28.01.2009, 16:32 Uhr


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