«Von diesen Mädchen bin ich echt beeindruckt»

Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete über die Rorschacher Schülerinnen, die sich 1942 mit dem Bundesrat anlegten. Der Lokalhistoriker Otmar Elsener liefert weitere Hintergründe und spricht über den Mut der Mädchen.

«So etwas sollte man nie vergessen»: Lokalhistoriker Otmar Elsener über die Schweizer Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg.
Video: Jan Derrer

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Tagesanzeiger.ch/Newsnet traf Otmar Elsener im Rorschacher Schulhaus, wo die 22 Mädchen zur Schule gingen, die 1942 den Brief von Rorschach schrieben (siehe Interview mit der ehemaligen Schülerin Rosmarie De Lucca). Auch Arbeitersohn Elsener war ab 1947 an dieser Schule. Im Videointerview blickt er zurück und fordert eindringlich, dass auch die nächste Generation den Holocaust nicht vergessen darf.

Otmar Elsener hat die Kriegszeit als Bub miterlebt. Sein Bruder besuchte die Rorschacher Sekundarschule zur gleichen Zeit wie die 14-jährige Heidi Weber, die hinter der Briefaktion stand. Vom Brief erfuhr Elsener jedoch erst Jahre später. Denn die Behörden verlangten von allen Verhörten Stillschweigen. Angeregt von seinem Bruder begann Elsener zu recherchieren und veröffentlichte die Geschichte der mutigen Mädchen in seinem Buch «Geschichten aus Rorschach».

Die Wut des Bundesrats

Im August 1942 schloss der Bundesrat die Grenzen für jüdische Flüchtlinge. 22 Mädchen der Sekundarklasse 2c wollten das nicht hinnehmen. In einem Brief an den Bundesrat forderten sie, die Grenzen wieder aufzumachen. Bundesrat Eduard von Steiger von der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB, die spätere SVP) fühlte sich durch den Brief provoziert und schrieb eine wütende Antwort. Er ordnete zudem ein Verhör der Schülerinnen und der Lehrerschaft an.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 06.02.2013, 16:26 Uhr)

Interview mit Rosmarie De Lucca (85), die den Brief von Rorschach unterschrieben hat. (Video: Jan Derrer)

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