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«Hitler war ein netter Chef»

Aktualisiert am 05.12.2008

Die letzte Überlebende der Menschen, die Adolf Hitler in seinem Hof in Berchtesgaden dienten, gab ihre Erinnerungen preis. Trotz allem war er in ihren Augen ein charmanter Vorgesetzter.

Filmsequenz mit dem Diktator auf dem Berghof in Berchtesgaden.


Es war im Jahr 1932, als Rosa Mitterer in den Dienst von Adolf Hitler trat: ein 15 Jahres altes Mädchen, das von der Welt noch kaum etwas gesehen hatte und nun in die Nähe der Mächtigen kam, die später als Schreckensgestalten in die Geschichte eingehen sollten. Mit einem Porträt hat das bekannte «Magazin» der «Süddeutschen Zeitung» unlängst in Text und Bild die Erinnerungen einer Frau aufgezeichnet, die heute im Alter von 91 Jahren unauffällig in München lebt.

Hunde füttern, Hausarbeiten, «Fanpost» öffnen

Wie schon der Film «Der Untergang» mit Bruno Ganz nachzeichnete, war Hitler zu seinen Angestellten zuweilen ausnehmend freundlich. Auch Rosa Mitterer, deren Schwester als Köchin in Hitler Residenz in Berchtesgaden diente, bekam dies zu spüren. Er sei sehr nett gewesen, als er ihr zum ersten Mal begegnete, erzählte sie den Münchner Journalisten – nicht zuletzt, weil er auch zu ihrer Schwester ein gutes Verhältnis gehabt habe. Zu dieser Zeit, im Jahr 1932, waren sie die einzigen Dienstmädchen im «Haus Wachenfeld»; erst später kaufte er das Anwesen und liess es zu seiner Bergresidenz umbauen.

Der Alltag der Schwestern wäre banal gewesen, hätten sie nicht dem Diktator gedient. Um sechs Uhr morgens begann für Rosa im Dirndlkleid die Arbeit mit der Fütterung der Schäferhunde Wolf, Muck und Blondi. Neben den üblichen Hausarbeiten betreuten sie auch Hitlers «Fanpost». Zigarren, Blumen und zahllose weitere Geschenke von Anhängern verteilten sie an Bedürftige in der Umgebung. Überhaupt war der gewalttätige Despot in ihren Augen damals kein Schlächter oder auch nur Schlechter, sondern ein Charmeur, von dem nie ein böses Wort zu hören war: «Man kann sagen, was man will, aber zu uns war er ein guter Mensch», sagte Mitterer laut dem Bericht.

Unruhe während der «Nacht der langen Messer»

Ausblenden liessen sich die politischen Vorgänge in Hitlers Heimstatt freilich nicht, wie der Magazinbericht erzählt: Anfang Juli 1934 erfährt Mitterer von ihrer Vorgesetzten, dass ihr Brotgeber während der Nacht auf der Terasse hin- und hergelaufen sei. Bald erfährt sie den Grund. Es war die «Nacht der langen Messer», wie der Volksmund sagte: Hitler hatte nach dem angeblichen «Röhm-Putsch» die Ermordung der SA-Führung einschliesslich des Stabschefs Ernst Röhm und vieler anderer Konkurrenten befohlen.

Angesprochen auf Hitlers zahllose Verbrechen, so berichten die SZ-Journalisten von der Recherche, wich Rosa Mitterer aus und wechselte lieber das Thema. Offenbar fiel es ihr schwer, über diese Dinge zu sprechen. «Du warst halt noch so ein junges Ding», erklärte dafür ihre anwesende Tochter Gisela, «wer nett zu dir war, den mochtest du eben auch.» (raa)

Erstellt: 05.12.2008, 14:11 Uhr

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