30 Menschen pro Tag vergiften sich mit Medikamenten

Über 11'000 Menschen suchten letztes Jahr bei der Schweizer Giftberatungsstelle Hilfe, weil sie Medikamente falsch eingenommen hatten. Fast die Hälfte der Fälle betraf Kinder.

Nachlässige Aufbewahrung ist gefährlich: Recycling alter Medikamente in der Firma EcoServe aus Zürich. (13.6.2013)

Nachlässige Aufbewahrung ist gefährlich: Recycling alter Medikamente in der Firma EcoServe aus Zürich. (13.6.2013) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Giftberatungsstelle erhielt im letzten Jahr so viele Anrufe wie noch nie. 38'396 Hilfesuchende wählten die Notfallnummer 145. Rund sieben von zehn Anrufen betrafen Vergiftungen mit Medikamenten oder Haushaltsprodukten.

In absoluten Zahlen gingen 2015 über 11'000 Anrufe allein wegen Medikamentenvergiftungen ein, wie die nationale Beratungsstelle Tox Info Suisse mitteilte. Das seien auffallend viele. Täglich vergifteten sich in der Schweiz 30 Personen mit Medikamenten. Fast die Hälfte davon seien Kinder, die meisten im Vorschulalter.

Knapp zwei Drittel der Medikamentenvergiftungen geschehen unfallmässig, unbeabsichtigt und versehentlich, schreibt die Giftberatungsstelle. «Verursacht werden solche Unfälle durch unsorgfältigen Gebrauch oder nachlässige Aufbewahrung.» Ein Drittel der Vergiftungen sind dagegen beabsichtigt, vor allem als Suizidversuche.

Elf Tote

Da Medikamente hochwirksame Substanzen sind, verlaufen solche Vergiftungen überdurchschnittlich schwer. Mindestens elf Menschen seien im vergangenen Jahr in der Schweiz an einer Vergiftung gestorben, sagte Tox-Info-Suisse-Direktor Hugo Kupferschmidt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Zahl der Todesfälle bewege sich damit etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Die meisten tödlichen Fälle seien auf Medikamentenvergiftungen zurückzuführen. Weitere Details zu den Verläufen würden Mitte Jahr bekanntgegeben.

Kontinuierliche Zunahme von Fällen

Insgesamt nahm die Zahl der Beratungen zu Vergiftungen in den vergangenen 50 Jahren kontinuierlich zu – von 2000 auf über 38'000. Im Jahr 2015 erfolgten über 90 Prozent der Anfragen aufgrund eines Giftkontakts, während weniger als zehn Prozent präventive Anrufe waren.

Die Notfallberatung, die neu auch via App erreichbar ist, steht Patienten sowie Ärzten kostenlos rund um die Uhr zur Verfügung. In knapp zwei Dritteln der Fälle werden die Betroffenen oder ihre Angehörigen direkt beraten. (ij/sda)

(Erstellt: 05.01.2016, 15:00 Uhr)

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