600 Franken fürs eigene Todesjahr
Von Laurent Grabet, Le Matin. Aktualisiert am 03.08.2011 49 Kommentare
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Stylianos Antonarakis, Chef der genmedizinischen Abteilung des Genfer Universitätsspitals.
Interview mit Stylianos Antonarakis
Kennen Sie den Test?
Ja. Genauso wie Maria Blasco, die ihn erfunden hat und die als Referenz bezüglich Telomeren gilt. Ihr Test ist der erste, der auf der Proportion von kurzen Telomeren basiert, einer der wichtigsten Kriterien. Es handelt sich um eines der genausten Forschungsinstrumente. Alle europäischen Medien haben übrigens darüber berichtet, als es erfunden wurde.
Glauben Sie an die Zuverlässigkeit dieses Tests?
Ja, wenn er als Forschungsinstrument verwendet wird, aber nicht, wenn er auf die Bevölkerung angewendet werden soll. Denn die Resultate beziehen sich nicht auf eine genügend grosse Anzahl Menschen und bestätigen sich auch nicht langfristig. Mathematisch gesehen, sind 500 getestete Personen zu wenig. Man müsste zehnmal mehr Menschen untersuchen, um glaubwürdige Resultate zu erhalten. Im Moment sind diese Schlussfolgerungen, die ihnen ein Alter von 17 Jahren zuschreiben, obwohl Sie 35 sind, schon ein bisschen zufällig. Dies denken übrigens auch medizinische Fachleute. Hinzu kommt auch, dass die Grösse dieser Telomere nicht das einzig ausschlaggebende Kriterium für das Alter ist.
Was würden Sie jenen sagen, die sich trotzdem testen lassen wollen ?
Wenn sie 500 Euro zum Ausgeben haben, würde ich ihnen raten, sich eher eine Woche Ferien in der Sonne zu gönnen.
Wird eine Telomeranalyse eines Tages so normal sein wie ein Cholesterintest?
Vielleicht, aber dies ist noch nicht bestätigt, da es bald andere DNA-Tests geben wird, die uns noch mehr Informationen liefern werden.
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Ich dachte eigentlich, dass ich 35 Jahre alt bin. Das war ein Irrtum. Biologisch gesehen, bin ich erst 17 Jahre alt! Ein neuer DNA-Test, dessen Resultate ich gerade mit grossem Entzücken zur Kenntnis nehme, bestätigt es schwarz auf weiss, zwischen zwei statischen Kurven und einem mikroskopischen Foto meiner Chromosomen. Die direkte Konsequenz von dieser tollen Neuigkeit: Statistisch gesehen, werde ich ungefähr im Jahre 2071 sterben. Das heisst, im respektablen Alter von 96 Jahren.
Wann werde ich sterben? Seit einigen Monaten kann «Life Length» jedem eine einigermassen glaubwürdige wissenschaftliche Antwort zu dieser beängstigenden Existenzfrage liefern. Diese Antwort kostet 500 Euro (ungefähr 600 Schweizer Franken). Für die Tageszeitung «Le Matin» mache ich mich daran. Die spanische Firma mit Sitz in Madrid untersuchte dazu 200'000 Chromosomen aus einer Stichprobe von gefrorenem Blut, das einige Tage zuvor in einem Paket geliefert wurde.
Bald eine ganz banale Untersuchung ?
An beiden Enden der Chromosomen befinden sich DNA-Endstücke, die sogenannten Telomere. Je mehr sich die Zellen erneuern, desto kürzer werden diese Telomere. Der Körper wird immer schwächer, bis er schliesslich stirbt. Meine Telomere haben eine durchschnittliche Länge von 8,17 Kilobasen, wobei nur 13,8 % von ihnen als kurz betrachtet werden. Ich freue mich, dies zu hören. Aber was bedeutet das?
«Das ist sehr wenig», erklärt mir Stephen Matlin, CEO der Firma. «Es ist eines der besten Resultate, das wir je gesehen haben.» Dies beruhigt mich sehr und meine Kollegen auch – die ihr Todesdatum auf keinen Fall wissen möchten, sich aber, aus unerklärlichen Gründen, stark für mein Todesdatum interessieren.
«Studien haben bewiesen, dass Menschen, die mit kürzeren Telomeren geboren wurden, eher an altersbedingten Krankheiten leiden und sich dadurch ihre Lebenserwartung verkürzt», erklärt Maria Blasco, Wissenschaftlerin bei «Life Length». Die 46-jährige Forscherin führt seit 2007 den Test dieser Telomere durch. Seit kurzem ist sie auch beim spanischen Zentrum für Krebsforschung ganz vorne mit dabei, was ihr Vorgesetzter immer gern betont.
Bis jetzt wurden von «Life Length» über 500 Analysen durchgeführt. Jedes Mal wurden die Ergebnisse mit bereits existierenden Resultaten einer Datenbank verglichen. Wie die anderen, so werden auch meine Ergebnisse diese Datenbank bereichern. Dadurch werden diese immer genauer. «Solche Vergleiche ermöglichen es herauszufinden, ob der untersuchte Patient kürzere Telomere hat, als es für sein Alter üblich wäre. Dies würde bedeuten, dass der Patient schneller altert», erklärt Maria Blasco. Sie selbst macht bei dieser Untersuchung alle drei Monate mit und prognostiziert, dass solche Analysen schon bald so banal sein werden wie die Untersuchung des Cholesterinwerts.
Die Lebenshygiene noch einmal überdenken
Dieser Test ermittelt das biologische Alter des Patienten. Das heisst, das Alter seines Organismus. Der Organismus kann jünger sein als das Alter, welches in den Identitätspapieren vermerkt ist, wenn der Patient eine gute Lebenshygiene und ein gutes genetisches Erbe hat, was bei mir der Fall zu sein scheint. Oder, im Gegenteil, der Organismus kann älter sein, wenn der Patient krank oder gestresst ist, wenn er raucht, trinkt, Drogen konsumiert oder zu wenig Bewegung hat. Diese Ergebnisse erlauben es auch, altersbedingte Krankheiten schon früh zu erkennen. Was tut man, wenn die Telomere kürzer als normal sind? Abgesehen von einer besseren Lebenshygiene oder mit der Meditation zu beginnen, kann man nicht viel dagegen tun! Aber dies könnte sich ändern, denn neue Medikamente sollten in fünf bis zehn Jahren auf dem Markt sein, meint Maria Blasco. «Mehrere Firmen arbeiten jetzt schon an telomeraktivierenden Substanzen», erklärt sie uns.
Das Problem ist im Moment die Demokratisierung von solchen Tests, die einige Firmen und Versicherer dazu bringen könnte, die Länge der Telomere ihrer Mitarbeiter oder Kunden zu testen, bevor sie diese anstellen oder versichern. Dieses Risiko ist nicht ganz ohne Konsequenzen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.08.2011, 11:15 Uhr
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49 Kommentare
Heute wird es mit dem üblichen Gesülze: "Früherkennung von Krankheiten" verkauft. Später wird es knallhart werden. Da es sich um den höchsten angebetenen Wert der heutigen Gesellschaft handelt - dem Geld - werden Versicherungen, Krankenkassen oder Finanzinstitute unweigerlich und eiskalt den Test einfordern um zu bestimmen, ob sich eine Investition in einen Menschen lohnt oder nicht. Mir graut. Antworten
Für was braucht man das Todesjahr zu wissen, wenn vorher Uriella's UFO's kommen und uns mitnehmen? Ich schlage vor, dass man solche Artikel wie den obigen in einer neuen Spalte "Unseriöse Wissenschaft" unterbringt, es ist jetzt bei weitem nicht der einzige Artikel für diese Spalte die in den letzten paar Wochen im TA erschienen sind. Antworten
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