Antibabypille birgt auch tödliche Risiken
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 29.05.2009
Der Bericht über Celine wühlte wohl jeden auf, der am Donnerstag die TV-Sendung «10 vor 10» verfolgte. Nach der Einnahme der Antibabypille Yasmin verbringt die bald 18-jährige Schweizerin ihr Leben gelähmt im Rollstuhl und in einer Rehabilitationsklinik.
Die Empfängnisverhütung mit der Pille kann aber auch zum Tod führen. Recherchen des «Tages-Anzeigers» zeigen, dass in der Schweiz zwischen 1990 und heute mindestens fünf Frauen nach der Einnahme von Antibabypillen starben. Die fünf Verstorbenen nahmen fünf unterschiedliche gängige Präparate zur Empfängnisverhütung ein, wie das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic am Freitag auf Anfrage erklärte. Rudolf Stoller, der bei Swissmedic die Abteilung Arzneimittelsicherheit leitet, betonte: «Die fünf seit 1990 gemeldeten Todesfälle unter hormonalen Kontrazeptiva in der Schweiz betrafen nicht das Medikament Yasmin.»
Risiko Alter und Übergewicht
Wie die minderjährige Celine erlitten jene vier verstorbenen Frauen, zu denen Swissmedic detaillierte Angaben hat, Lungenembolien. Bei allen Erwachsenen lagen Risikofaktoren für Schädigungen vor – bei zwei von ihnen gar eine Kombination mehrerer. Zwei der Verstorbenen waren übergewichtig, zwei im Alter zwischen 35 und 40 Jahren. Eine Frau war gar über 45 und hatte Krampfadern, eine weitere war erblich vorbelastet und Raucherin. Der Fall Celine zeigt, dass es auch jüngere Frauen treffen kann.
Celine war 16 Jahre alt, kerngesund, schlank und erblich nicht vorbelastet, als sie erstmals die Pille schluckte. Felix Rüegg, der Anwalt der Familie des am ganzen Körper geschädigten Teenagers, sagt: «Mir sind drei weitere Fälle junger Frauen im Alter zwischen 15 und 20 bekannt, bei denen sich nach Einnahme von Yasmin schwere Komplikationen in Form einer beidseitigen Lungenembolie einstellten und die deshalb hospitalisiert werden mussten.» «10 vor 10» dokumentierte am Freitag den Fall einer begabten Nachwuchstriathletin, bei der sich nach der Einnahme von Yasmin ebenfalls die Blutgefässe der Lunge verstopften. Schwere Folgeschäden blieben aus, doch ihre Sportart kann die junge Frau nie mehr ausüben.
«Keine Wellness-Präparate»
Fachleute betonen trotzdem, das Risiko solch schwerer Komplikationen durch die Pille sei äusserst gering. Bei Schwangerschaften sei die Wahrscheinlichkeit von Lungenembolien höher. Rudolf Stoller, Leiter Arzneimittelsicherheit bei Swissmedic, stellt aber fest, dass in der Bevölkerung das Bewusstsein abgenommen habe, «dass hormonelle Verhütungsmittel schwer wiegende unerwünschte Wirkungen haben können». Der Anwalt von Celines Familie findet, dass Risiken und Nebenwirkungen von Antibabypillen generell unterschätzt werden: «Das sind keine Wellness-Präparate, sondern starke Medikamente, die auch Lähmungen oder gar den Tod auslösen können.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.05.2009, 21:45 Uhr










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