Forscher auf der Spur von Nahtoderlebnissen

Wieso berichten viele vom Licht am Ende des Tunnels? Wissenschaftler konnten an Ratten nachweisen, dass das Hirn seine Aktivität nach einem Herzstillstand keineswegs einstellt – sondern vielmehr zulegt.

Manche Betroffene sehen sich bei einer Nahtoderfahrung auf dem Operationstisch liegen: Chirurgen bei einer Operation.

Manche Betroffene sehen sich bei einer Nahtoderfahrung auf dem Operationstisch liegen: Chirurgen bei einer Operation. Bild: Reuters

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Die Berichte von Nahtoderlebnissen ähneln sich häufig. Viele Betroffene haben das Gefühl, sie verliessen ihren Körper, und sehen sich dann selber auf dem Krankenbett liegen. Viele andere wiederum berichten von einem langen Tunnel, an dessen Ende das Licht auf sie wartet. Forscher der Universität von Michigan haben nun die Hirnaktivitäten von Ratten gemessen, um dem Phänomen der Nahtoderfahrungen auf die Spur zu kommen, von dem ungefähr jeder fünfte Überlebende eines Herzstillstands berichtet.

«Viele Leute glaubten, was sie sahen, sei der Himmel», sagte die Studienleiterin Jimo Borjigin gegenüber der «Washington Post». «Die Wissenschaft hatte keine überzeugende Alternative zu bieten.» Um die Hirnströme der Ratten während des Herzstillstands zu messen, schlossen die Forscher die Tiere an ein EEG, das mit Elektroden den Fluss elektrischer Spannung misst.

Höher als bei Bewusstsein

Nun könnte man meinen, das Hirn würde sich beim Herzstillstand mangels Sauerstoff sofort abschalten. Dem ist aber nicht so, wie die Forscher bereits vermuteten und nun bestätigen konnten: In den ersten 30 Sekunden des Herzstillstands stieg die Hirnaktivität bei allen neun untersuchten Ratten stark an. Die Forscher erkannten in der Hirnaktivität zudem Muster, die normalerweise bei Bewusstsein auftreten, wozu vor allem ein hohes Mass an Kommunikation zwischen bestimmten Hirnteilen gehört. Teilweise massen die Forscher sogar eine höhere Aktivität als während des normalen Wachzustandes. Dies könnte laut Borjigin erklären, wieso Nahtoderlebnisse als äusserst lebendig und sogar überreal beschrieben werden.

Die Forscher fanden sogar ein Muster in den Hirnaktivitäten, das das grelle Licht erklären könnte, von welchem oft berichtet wird. «Meine These ist, dass während des Nahtodprozesses die visuelle Verarbeitung besonders stark aktiv ist», sagt Borjigin. Doch was ist mit den Berichten von Menschen, sie hätten sich selber auf dem Operationstisch gesehen? Für dieses und weitere Nahtoderlebnisse haben die Forscher noch keine Erklärung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.08.2013, 17:27 Uhr)

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