Herzen brechen nicht nur im Roman
Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 13.02.2012 1 Kommentar
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Der Valentinstag kann Menschen, die an Liebeskummer leiden, den Rest geben. All die Menschen, die morgen wieder mit Blumen durch die Gegend hasten, lassen einen nur noch deutlicher spüren, dass zu Hause niemand mehr mit Rosen wartet oder sich darüber freut. Stattdessen schmerzt die Leere nur noch mehr.
Wer Liebeskummer als Leiden lebensunerfahrener Teenager abtut, irrt. Diejenigen, die vom Herzschmerz getroffen werden, leiden unabhängig vom Alter Qualen. So wie Barbara, 40, (Angaben von der Redaktion geändert), die sagt: «Ich fühle mich unendlich niedergeschlagen und kann nicht mehr schlafen.» Die Werberin beendete vor kurzem schweren Herzens ihre langjährige Beziehung, weil ihr Partner fremdging. Früher habe sie nie allein getrunken, doch jetzt verspüre sie unbändige Lust nach Alkohol. In der nächsten Woche zieht sie in ihre neue Wohnung. «Dort wird mich die Traurigkeit erst recht überfallen», sagt sie.
Krank vor Liebeskummer
Vielleicht hat Barbara Glück, und es bleibt bei diesen Symptomen. Andere rasen vor Wut über den erlittenen Verlust oder zerfallen förmlich zu einem Häufchen Elend. «Dauert der Zustand der völligen Niedergeschlagenheit, begleitet von psychosomatischen Symptomen wie Schlaf- und Appetitlosigkeit, Bauch- und Kopfschmerzen, über einen Monat an, ist fachliche Hilfe nötig», sagt Gregor Hasler, Chefarzt für Sozialpsychiatrie bei den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern. Liebeskummer könne sich zu einer Depression entwickeln. «Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen ist das der Fall.»
Bei einer Minderheit wirkt sich der Verlust der geliebten Person sogar dahingehend aus, dass sie zu Stalkern der Verflossenen werden, sie in extremen Fällen ermorden oder Hand an sich selbst legen. Mit rund 200 Menschen pro Jahr, die den Selbstmordversuch überleben, hat Professor Konrad Michel von der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie am Inselspital zu tun. Seine Beobachtung: «Bei deutlich mehr als der Hälfte der Fälle waren Beziehungsprobleme Auslöser der suizidalen Krisen.» Meist handle es sich dabei um Personen, die Probleme mit sich hätten und in der Vergangenheit oft Erfahrungen mit Beziehungsabbrüchen oder Trennungen gemacht haben. Und bei denen Liebesleid der berühmte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. «Stalking oder Selbstmord – derart extreme Reaktionen auf Liebeskummer zeigen meist Menschen, die schlecht sozial integriert sind oder ein geringes Selbstwertgefühl haben», stellt sein Kollege Hasler fest. «Sie schämen sich, wenn sie verlassen werden.» Scham sei ein Gefühl, das man nur schlecht aushalten könne.
Man kann vor Gram sterben
Als in den 80er Jahren japanische Forscher berichteten, dass rund ein Prozent aller vermeintlichen Herzinfarkte emotionale Herzerkrankungen seien, wurden sie belächelt. Mittlerweile belegen Studien, dass der Körper nach einem emotionalen Trauma wie Tod einer geliebten Person oder Trennung, derart mit Stresshormonen überschwemmt wird, dass es tatsächlich zu herzinfarktähnlichen Beschwerden kommen kann. Dieses Phänomen wird als Broken-Heart-Syndrom bezeichnet. «Adrenalin lähmt in diesen Fällen förmlich den Herzmuskel», lautet die These des US-Forschers Ilan Wittstein, der eine Studie dazu durchführte.
Pro Jahr erlebt Bernhard Meier, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital, etwa zehn Fälle von Broken-Heart-Syndrom. «Das Verhältnis Frauen zu Männern beträgt dabei 3 zu 1», sagt Meier. In den meisten Fällen habe ein tragisches emotionales Ereignis, etwa der Tod des Partners, zu dieser Stressreaktion geführt. «Bei manchen Patienten ist der Adrenalinspiegel im Blut derart hoch, dass sie daran sterben könnten», so Meier. Wird jemand mit Anzeichen wie Kurzatmigkeit und Anzeichen auf Herzversagen ins Spital eingeliefert, bringt erst eine Katheteruntersuchung des Herzens endgültige Klarheit. Meier behandelt dann mit Betablockern und herzunterstützenden Mitteln. Nach etwa zwei Tagen geht es den meisten besser. «Wer aber einmal eine Stress-Kardiomyopathie erlebt hat, ist erhöht rückfallgefährdet.»
Liebeskummer ist eine Sucht
Warum setzt uns der Verlust von Liebe so zu? «Wir sind soziale Wesen», erklärt Psychiater Hasler. «Deshalb spielen Beziehungen für unser Empfinden eine enorme Rolle. Werden wir verlassen, trifft uns das auch extrem in unserer Weiblich- oder Männlichkeit und stellt sie infrage.» Dazu kommt noch, dass Liebe und Liebeskummer mit einer Art Sucht vergleichbar sind. Es waren erneut US-Wissenschaftler, die mit Probanden, die kurz zuvor verlassen worden waren und stark darunter litten, eine Untersuchung durchführten. Sie legten den Teilnehmern Bilder des ehemaligen Partners vor und stellten fest, dass bei ihnen Areale im Gehirn aktiv wurden, die für Suchtverhalten verantwortlich sind.
«Liebeskranke sind wie Drogensüchtige», beobachtet auch Mona Gross-Pfeiffer, die als Einzige Liebeskummer-Coaching in der Schweiz anbietet. Deshalb rät die Medizinerin und Schmerztherapeutin aus Teufen AR ihren Klienten zum kalten Entzug: keine SMS mehr an die Verflossenen zu schicken und möglichst nicht mehr an sie zu denken.
«Liebeskummer fällt je nach Persönlichkeit und Erfahrungen anders aus, aber wer verlassen wurde, dessen Selbstwertgefühl ist am Boden», sagt sie. Die Ärztin spricht aus Erfahrung, ging doch auch ihre Beziehung nach 33 gemeinsamen Jahren in die Brüche. Es sei in dieser Situation wichtig, sich selbst etwas Gutes zu tun und Raum für positive Erlebnisse zu schaffen. Selbst wenn es nur ein Kinobesuch ist. Habe sich der Zustand stabilisiert, müsse man lernen, sich nicht als Opfer zu begreifen. «Das lähmt nur und hält davon ab, sich neu zu orientieren», so Gross-Pfeiffer. Ihr Fazit nach 2 Jahren Coaching: «Liebeskummer ist keine Kleinigkeit, die sich spätestens nach drei Monaten erledigt hat.» Er müsse bewusst verarbeitet werden, sonst mache er auf Dauer krank oder führe zu Schlimmerem. (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.02.2012, 13:25 Uhr
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1 Kommentar
jeder kennt liebeskummer. sicher muss ihn nicht jeder bewusst verarbeiten, bei den meisten vergeht er sicherlich spätestens nach einem halben jahr. es gibt genug neue studien die zeigen, dass der mensch nach rund 6 monaten wieder den gewohnten glücks-zustand erlangt, egal ob es ein lottogewinn oder ein todesfall war
. nicht jedes schlimme gefühl ist therapiebedürftig.
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