Linkshänder können mehr
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 14.08.2009 11 Kommentare
Der 13. August wurde vom Linkshänder Dean R. Campbell als «Internationaler Linkshändertag» ins Leben gerufen – im Jahr 1976, zu einer Zeit also, als Werbung für die Betroffenen noch bitter nötig war. Spätestens mit Beginn der Schulzeit begannen die Schikanen. Zahllose Kinder wurden «auf rechts» umerzogen – mit schwerwiegenden Folgen, wie man heute weiss.
Schlechte Schulleistungen, psychische Probleme oder Sprachstörungen waren bei Ex-Linkshändern häufig zu beobachten – wie schon im 19. Jahrhundert im Fall des berühmten Schriftstellers Lewis Caroll («Alice im Wunderland»), der wegen seines Stotterns nicht Prediger werden konnte.
Eher kreativ als rational
Heutzutage lässt man die Linkshänder in den meisten Ländern mit Recht gewähren, weil dieses Dasein grosse Vorteile hat. Unter den zehn bis fünfzehn Prozent Linkshändern in der Bevölkerung sind häufiger besonders kreative Menschen, so glauben viele Wissenschaftler, während Rechtshänder im allgemeinen eher rational vorgehen.
Auch bei der Intelligenz wird ein leichter Vorteil nicht ausgeschlossen – zumindest in der Spitzengruppe: Mathematiktests in den USA ergaben, dass unter den besten 0,1 Prozent ein grösserer Anteil Linkshänder zu finden ist als in der Gesamtbevölkerung. Ein weiteres Detail zur Intelligenz, das viele Menschen verblüfft: Linkshänder können spontan Spiegelschrift schreiben – doch Rechtshänder nicht.
Warum man links-gerichtet ist
Die wahrscheinlichste Ursache für die Händigkeit ist laut der Wissenschaft eine «Lateralisation» des menschlichen Gehirns. Während bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte dominiert, verhält es sich bei den Linkshändern gerade umgekehrt. Doch warum, ist unter Forschern noch umstritten.
Manche Wissenschaftler glauben, es gebe keine genetischen Ursachen. Doch im Sommer 2007 berichteten Mitarbeiter der Universität Oxford von einem ersten Hinweis: Sie hätten LLRRTM1 entdeckt – ein Gen für die Händigkeit, weil es mithelfe zu kontrollieren, welche Hirnregionen welche Aufgaben übernehmen.
Handfeste Vorteile im Sport
Eine überraschende Einsicht war im Jahr 2004 im Fachmagazin «Proceedings of the Royal Society» zu lesen. Forscher der Universität von Montpellier hatten bei den Dioula in Burkina Faso, den Inuit in Kanada und anderen Völkern, die isoliert leben, die Linkshänder gezählt. Heraus kam, dass der Anteil in kriegerischen Kulturen deutlich höher war als in friedlichen Gesellschaften, in denen nur wenige Morde verübt wurden – vermutlich wegen des Vorteils, so die Wissenschaftler, den die Linkshändigkeit bei Zweikämpfen bringe.
Diese These untermauerten die Forscher auch mit Resultaten aus dem Leistungssport. Bei den Sportarten Boxen oder Fechten ist der Anteil der Linkshänder unter den Erfolgreichen überdurchschnittlich hoch – vermutlich, weil diese Eigenschaft vor allem auf kurze Distanz zum Tragen komme, erklärten die Forscher.
Erfolgreich von rechts auf links
Während der Einfluss der Händigkeit beim Tennis geringer ist, kommt er beim schnellen Tischtennis trotz des grösseren Abstands offenbar noch zum Tragen. Der deutsche Europameister Timo Boll ist jedenfalls ebenso ein Linkshänder wie der Schwede Stellan Bengtsson, der im Jahr 1971 im japanischen Nagoya den Weltmeistertitel errang.
Rund zehn Jahre später sah ein Knabe namens Torben Wosik dem Sportstar fasziniert bei einem Wettkampf zu und zog daraus einen intelligenten Schluss: Trotz aller Schwierigkeiten stellte er sein Spiel auf die Linke um, obwohl er ein geborener Rechtshänder war – und wurde Vize-Europameister und zweimal deutscher Meister. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.08.2009, 08:52 Uhr
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11 Kommentare
1. Als Linkshänder glaube ich nicht, dass diese Eigenschaft mehr Kreativität oder Intelligenz beinhaltet, so verführerisch es auch tönt. Vielmehr glaube ich, dass man durch das von Geburt an aufgenötigte Training, sich in einer rechtshändigen Welt zurechtfinden zu müssen, befähigt wird, bestimmte motorische und kognitive Fähigkeiten stärker zu entwickeln, also eher mal "um die Ecke" denken muss Antworten
Der Vorteil von Linkshaendern bei Zweikampfsportarten wie Fechten und Boxen beruht aus meiner Sicht auf der ungleichen Haeufigkeit von Links- bzw Rechtshaendigkeit. Ein Linkshaender hat viel oefter die Gelegenheit gegen einen Rechtshaender zu trainieren als umgekehrt da es viel mehr rechtshaendige Gegner gibt. Er ist darum besser auf diese Situation vorbereitet. Antworten









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