Hochgiftige Ecstasy-Pille in Bern entdeckt

Zum ersten Mal wurde in der Schweiz bei einem mobilen Drogentest in einer Ecstasy-Tablette der gefährliche Inhaltsstoff PMMA nachgewiesen. Der Konsum einer solchen Pille kann tödlich enden.

Zum ersten Mal im «Drug Checking» nachgewiesen: Die hellgrün-gesprenkelte Ecstasy-Pille.

Zum ersten Mal im «Drug Checking» nachgewiesen: Die hellgrün-gesprenkelte Ecstasy-Pille.

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Im Rahmen eines sogenannten Drug Checkings wurde in der Stadt Bern am letzten Freitag eine Ecstasy-Tablette mit dem gefährlichen Inhaltsstoff PMMA (Paramethoxymethamphetamin) geprüft. Es ist das erste Mal, dass diese Substanz bei einem solchen Test in der Schweiz nachgewiesen wurde. PMMA kann – hoch dosiert und in Kombination mit anderen Substanzen – zu einer Vergiftung führen. PMMA wird im Körper zu PMA (Paramethoxyamphetamin) umgewandelt. PMA ist hochgiftig und führt zu einer Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme und mithin zu einer lebensgefährlichen Serotonin-Vergiftung.

«Die Gefahr ist die geringe Wirksamkeit»

Emotionale Effekte bleiben bei der Pille weitgehend aus. Dies führt mitunter dazu, dass die Konsumenten die Wirkung der Tablette als zu schwach empfinden und dann nachkonsumieren. «Die Gefahr ist also die geringe Wirksamkeit der Pille», warnt Alex Bücheli von der Zürcher Jugendberatung Streetwork.

Ein weiteres Problem stelle die Unverträglichkeit der Substanz mit bestimmten Medikamenten dar – darunter befinden sich auch handelsübliche Antidepressiva. «Aber auch die Kombination mit Alkohol kann gefährlich werden», warnt der Experte. In einem Tanzlokal seien die Temperaturen meist hoch. Der Körper erhitze sich und könne sich nicht mehr wirklich abkühlen. Der Alkohol entziehe dem Körper dann noch zusätzliche Flüssigkeit: «Dies kann zu einem Organversagen führen», warnt Bücheli.

Gefährliche Ausnahme

Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der gefundenen Pille um eine gefährliche Ausnahme handelt. Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass die Einnahme von hoch dosierten Ecstasy-Tabletten immer noch das grösste Risiko darstellt. Es ist das erste Mal seit über zehn Jahren, dass vor einer solch gefährlichen Substanz gewarnt werden muss. Das Drug Checking wird in Zürich von der Jugendberatung Streetwork und in Bern von Rave it safe durchgeführt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.06.2012, 15:14 Uhr

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