Krebs bald häufigste Todesursache in der Schweiz

Aktualisiert am 19.02.2010

Krebs wird 2010 die weltweit häufigste Todesursache sein. In der Schweiz erkrankt jeder dritte Mensch an einem Tumor. Der Präsident der Krebsliga Schweiz fordert Massnahmen wie sie England eingeführt hat.

«Seit den 1980er-Jahren hat sich bei uns am Spital die Zahl dieser Erkrankungen vervierfacht»: Krebsspezialist.

«Seit den 1980er-Jahren hat sich bei uns am Spital die Zahl dieser Erkrankungen vervierfacht»: Krebsspezialist.
Bild: Keystone

2010 übersteigt die Zahl der Krebs-Toten laut einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals jene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. «In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Todesfälle mehr als verdoppeln», erklärt Professor Thomas Cerny, Präsident der Krebsliga Schweiz. Auch in der Schweiz werde Krebs zur häufigsten Todesursache, doch erst in drei bis fünf Jahren, so Cerny. Pro Jahr sterben in unserem Land rund 15'000 Menschen an Krebs. Dem stehen rund 35'000 Neuerkrankungen gegenüber.

Die Zunahme der Krebsfälle geht auch auf ein altes Laster zurück - das Rauchen. Vor allem bei Männern ist der Lungenkrebs neben Prostata-Tumoren für die meisten Todesfälle verantwortlich.Aber auch bei Frauen stellt der Onkologe eine Zunahme der Lungenkrebsfälle fest. «Seit den 1980er-Jahren hat sich bei uns am Spital die Zahl dieser Erkrankungen vervierfacht», sagt der Chefarzt Onkologie/Hämatologie am Kantonsspital St. Gallen. Es sei nicht einfach, das Sterben einer jungen Frau mit kleinen Kindern mitanzusehen.

Vorbild England – «Laisser-faire» in Frankreich

Die Ausbildungszeit in Manchester war für Thomas Cerny prägend. Nach dem zweiten Weltkrieg sei in England sehr viel geraucht worden, sagt er. Am Onkologiezentrum in Manchester wurden pro Jahr 1500 Lungenkrebs-Fälle behandelt. In England wird seit den 1950er-Jahren mit hohen Tabakpreisen und Rauchverboten eine strikte Antirauch-Politik verfolgt, die Raucherquote sinkt seither stetig. Auch bei der Sterblichkeit sind Erfolge erzielt worden. 1950 starben in England von 100'000 Männern 18 an Lungenkrebs, im Jahr 2000 waren es noch vier.

In Frankreich mit seiner «Laisser-faire»-Mentalität zeige die Kurve dagegen stark nach oben: 1950 starben vier von 100'000 Männern an Lungenkrebs, 2000 waren es bereits 17. In der Schweiz kämpft die Krebsliga zusammen mit der Lungenliga aktuell auch für den Schutz vor Passivrauchen. Viel wichtiger sei aber, junge Menschen vor dem Einstieg ins Rauchen zu schützen, sagt Cerny.

Eine Alterserkrankung

Die Zunahme der Krebserkrankungen gehe auch auf die Alterung der Gesellschaft zurück. «Krebs ist vor allem eine Alterserkrankung», sagt Cerny. Zwei Drittel der Krebserkrankungen treten nach dem 60. Lebensjahr auf. Dank neuer Möglichkeiten der Früherkennung und modernen Medikamenten sei Krebs immer besser behandelbar. Mit gezielter Prävention will die Krebsliga die Tumorerkrankungen noch stärker vermeiden.

Bei Frauen ist Brustkrebs die häufigste und gefürchtetste Krebsart. Die Krebsliga trug massgeblich dazu bei, dass die Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs im Kanton St. Gallen eingeführt wird. «Wir rollen die Deutschschweiz von Osten her auf», sagt Thomas Cerny.

Kampf um Spendengelder

Das Präsidium der Krebsliga Schweiz gibt er im April ab. Seit Ende 2009 steht der passionierte Musikfan auch dem Stiftungsrat der Krebsforschung Schweiz vor. Jährlich unterstützen die beiden Organisationen die Forschung mit rund 10 Millionen Franken. Krebsforschung und Krebsliga kämpfen bei der Beschaffung von Spendengeldern gegen eine starke ausländische Konkurrenz. Dabei gebe es auch immer wieder unseriöse Gruppen, sagt der 57-Jährige. «Tue Gutes und rede darüber», sagt Cerny und wirbt auch mit seinem Gesicht für die Anliegen der Krebsorganisationen. «Wir müssen neue Wege in der Mittelbeschaffung gehen, dazu gehört auch die Medialisierung der Medizin.»

Die Krebsforschung zähle zu den innovativsten Gebieten der medizinischen Forschung. In den letzten 12 Jahren sind über 30 neue Krebs-Medikamente auf den Markt gekommen. Dank den Fortschritten der Medizin und modernen Behandlungsmethoden kann heute gut die Hälfte der Erkrankten geheilt werden. Von den Nichtgeheilten leben mehr als die Hälfte noch fünf Jahre und mehr.

Bei allen Themen der Krebsbekämpfung strebt Cerny eine nationale Strategie an. Eine Neuauflage des nationalen Krebsbekämpfungs- Programms steht kurz bevor. Das neue Präventionsgesetz für eine verbesserte Steuerung der Massnahmen bei Vorsorge und Früherkennung wird nächstens von den eidgenössischen Räten behandelt. «Lungenkrebs ist ein vom Menschen gemachter Krebs», sagt Cerny. 90 Prozent der Fälle wären zu vermeiden. Wirksame Politik könne mehr Leben retten als die beste Onkologie, das beweise das Beispiel von England. (sam/sda)

Erstellt: 19.02.2010, 10:59 Uhr

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