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Mit 45 ein perfekt getimtes Kind?

Interview: Denise Jeitziner. Aktualisiert am 30.06.2010

Irgendwann beginnt sie zu ticken, die biologische Uhr. Bloss für wie lange? Dies beantwortet nun eine Studie, die den Menopausen-Start voraussagt. Humbug oder Chance? Der Leiter der Frauenklinik Baden nimmt Stellung.

Bald könnte bestimmt werden, bis wann die biologische Uhr tickt: schwangere Frau.

Bald könnte bestimmt werden, bis wann die biologische Uhr tickt: schwangere Frau.
Bild: Reuters

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Dr. Prof. Michael Hohl ist Chefarzt der Frauenklinik des Kantonsspitals Baden.

Die neue Studie

266 Frauen zwischen 20 und 49 Jahren haben iranische Forscher während zwölf Jahren untersucht. Im Abstand von drei Jahren wurden ihnen Blutproben entnommen. Daraufhin wurde per mathematischem Modell bestimmt, wann genau die Menopause eintreten würde.

Bei den 63 Frauen, die während der Laufzeit der Studie die Wechseljahre erreichten, stimmten die Prognose und der tatsächliche Beginn der Menopause verblüffend gut überein, bis auf vier Monate genau. Daneben lagen die Forscher bloss bei einer sehr wenigen Frauen, im schlechtesten Fall drei bis vier Jahre.

Möglich macht es das Anti-Müller-Hormon AMH, das die Aktivität der Eierstöcke anzeigt. «Je höher die AMH-Konzentration im Blut, desto später kommen die Wechseljahre», sagte die iranische Forscherin Fahimeh Ramezani Tehrani am Ärztekongress, der diesen Montag in Rom stattfand.

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Michael Hohl, eine neue iranische Studie besagt, dass der Start der Menopause mittels Bluttest vorausgesagt werden kann. Dieser misst die Konzentration des Hormons AMH. Wird man diesen Test bald beim Frauenarzt machen können?
Wir setzen die AMH-Bestimmung bereits heute bei Frauen mit Kinderwunsch ein. Denn die Eierstockreserve lässt sich dank dem AMH-Hormon relativ gut einschätzen. Neu an der Studie ist, dass man schon bei jungen Frauen feststellen kann, wann die Menopause eintritt, beziehungsweise, wie lange sie schwanger werden können. Das ist ein total aktuelles Thema. Denn viele Frauen verschieben ihren Kinderwunsch auf Ende Dreissig, Anfang Vierzig.

Könnte eine Frau ihre Familienplanung auf Mitte 40 verschieben, die dank diesem Test erfährt, dass ihre Menopause erst mit 57 eintritt?
Das würde ich nicht zu behaupten wagen. Dazu ist Zahl der Testpersonen zu gering. Die mathematische Formel aus der iranischen Studie müsste nun bei einer viel grösseren Anzahl von Frauen angewendet werden. Doch Mathematik ist nicht Biologie und es kann immer Ausreisser geben. Man wird immer nur von Wahrscheinlichkeiten sprechen können.

Welche Vorteile könnte die Studie bringen?
Sollte die mathematische Formel bestätigt werden können, hat die Studie ganz klar Potenzial, besonders im Bereich der Vorsorge. Unsere Beratertätigkeit könnte stark erleichtert werden. Hat eine Frau relativ niedrige AMH-Werte, könnten wir ihr empfehlen, nicht zu lange zu warten, wenn sie noch Kinder bekommen möchte.

Bei welchen Frauen würde eine Menopausen-Bestimmung Sinn machen?
Bei jüngeren, also bei 30- bis 35-Jährigen. Wenn Frauen fünf bis zehn Jahre vorher wüssten, bis wann sie Kinder bekommen können, könnte das Vieles erleichtern. Man muss jedoch klar festhalten, dass nun nicht jede Frau zum Arzt rennen soll, um ihren AMH-Wert bestimmen zu lassen. Die Studie ist erst der Anfang. Sie hat als erste den mathematischen Zusammenhang von AMH-Wert und Eintritt der Menopause bestimmt. Für alles Weitere brauchen wir noch mehr Daten.

Wann sind diese zu erwarten?
In ein, zwei Jahren. Der nächste Schritt wird sein, das Ende der natürlichen Gebärfähigkeit genauer zu bestimmen.

Wollen denn Frauen heutzutage vermehrt wissen, bis wann sie schwanger werden können?
Nein. Wir erleben eher, dass Frauen dieses Thema verdrängen. Vor ein paar Jahren hat man amerikanische Akademikerinnen zu ihrer Fruchtbarkeit befragt. Diese hatten völlig unrealistische Vorstellungen. Sie haben gedacht, mit 40 sei alles noch völlig okay.

Lässt sich aus dem Beginn der Menopause das Ende der Gebärfähigkeit schliessen?
Die Menopause beginnt durchschnittlich bei 52 Jahren mit Abweichungen von etwa 5 Jahren. Es ist jedoch die absolute Ausnahme, dass man mit 45 noch schwanger werden kann.

Würde ein Menopausen-Test die Diskussion um die biologische Uhr überflüssig machen, von der man nie genau weiss, wie lange sie schlagen wird?
Nein, denn die AMH-Werte können völlig normal sein und später kann irgend ein Ereignis eintreten, das eine Schwangerschaft schliesslich doch verunmöglicht. Man kann dank Bluttest jedoch einschätzen, ob das Fenster noch gross genug ist oder schon am Zugehen ist. Wenn eine Frau weiss, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, schwanger zu werden, überlegt sie sich die Sache konkreter. Das könnte die Familienplanung entscheidend verändern.

Könnten sich Frauen, denen eine späte Menopause vorausgesagt wird, bezüglich Fruchtbarkeit in falscher Sicherheit wiegen?
Das glaube ich nicht. Aus einem hohem AMH-Wert kann man nicht allzu viel ableiten. Dafür wissen wir noch zu wenig und auch die neue Studie ändert daran nichts. Der Test könnte aber vor allem für diejenigen Frauen hilfreich sein, die einen tiefen AMH-Wert haben und bei denen die Menopause verfrüht eintreten könnte.

Die Wissenschaft ist kurz davor, den Eintritt der Menopause voraussehen zu können. Werden wir bald das Ende unseres Lebens bestimmen können?
Nein, das denke ich nicht. Ich sehe die Sache eher aus der Sicht der Fortpflanzungsmedizin. Es ist ein echtes Problem unserer Gesellschaft, dass der Kinderwunsch derart nach hinten verschoben wird, dass er mit der Natur kollidiert. In diesem Sinne ist die Bestimmung der Menopause positiv. So werden sich vielleicht mehr Frauen bewusst, dass die Fruchtbarkeit früher absinkt, als sie meinen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.06.2010, 06:53 Uhr

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