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Mit künstlicher Intelligenz die Top Ten vorhersagen

Von Katrin Blawat. Aktualisiert am 27.12.2011 8 Kommentare

Forscher von der Universität Bristol haben eine Gleichung entwickelt, mit der sie abschätzen können, ob es ein Song an die Spitze der Hitliste schafft.

Gut tanzbar und laut: Cee-Lo Green, Sänger der Gruppe «Gnarls Barkley», am Jazz Festival in Montreux.

Gut tanzbar und laut: Cee-Lo Green, Sänger der Gruppe «Gnarls Barkley», am Jazz Festival in Montreux.
Bild: Keystone

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Als die amerikanische Band Gnarls Barkley vor fünf Jahren den Song «Crazy» herausbrachte, kam der Erfolg prompt und weltweit. In vielen Ländern Europas, in den USA und in Kanada hielt sich die erste Single der Band wochenlang unter den Top Ten der Charts – unter anderem in Grossbritannien sogar auf Platz eins.

«Kein Wunder», sagt Tijl De Bie, Professor für künstliche Intelligenz an der Universität Bristol. Das Stück sei ein typischer Erfolg der 2000er-Jahre: Unter anderem lässt es sich gut dazu tanzen, ausserdem wurde es mit hohem Lautstärkepegel aufgenommen. De Bie und seine Kollegen stufen «Crazy» daher in die Kategorie «erwartbarer Hit» ein. Zu dieser gehört auch «Pop Ya Collar» aus dem Jahr 2001 des amerikanischen Sängers Usher. Das Geheimnis des Erfolgs: laut und harmonisch simpel. Das reichte, obwohl der Song eigentlich ein unerwarteter Erfolg war, weil er aus einem Album ausgekoppelt wurde, das im Internet durchfiel.

23 Hit-Eigenschaften

Die britischen Wissenschaftler wissen, wovon sie reden. Sie haben eine Gleichung entwickelt, mit der sie abschätzen können, ob es ein Song unter die ersten fünf Plätze der Hitliste schafft oder ewig auf den hinteren Plätzen der britischen Charts vor sich hindümpeln wird. Die Treffsicherheit betrage 60 Prozent, sagten die Forscher, als sie ihr Programm kürzlich auf einem Workshop in Spanien vorstellten.

Bevor sie sich an Prognosen wagten, hatten De Bie und seine Kollegen ihre Computer mit Daten von knapp 6000 Songs der vergangenen 50 Jahre aus den britischen Charts gefüttert. Daraus ermittelten die Forscher 23 Eigenschaften, die über Flop oder Hit entscheiden – zum Beispiel Tempo, Dauer, Lautstärkepegel, wie komplex die Harmonie des Stücks ist und ob sich diese Merkmale während des Songs ändern. Doch erst als De Bie und seine Kollegen auch das Jahrzehnt berücksichtigten, in dem ein Song erschienen war, stimmten ihre Berechnungen und die Wirklichkeit in vielen Fällen überein. «Musikgeschmack verändert sich, deshalb muss sich auch unsere Hit-Potenzial-Gleichung entwickeln», sagt De Bie.

Schwierige 1980er-Jahre

So störte es bis in die 80er-Jahre kaum jemanden, wenn man zu einem Hit schlecht tanzen konnte. Wichtiger war, dass der Song harmonisch einfach konstruiert war – deshalb habe auch T. Rex 1971 mit «Get It On» den Spitzenplatz belegt, so die Forscher. In den 1980er-Jahren galt es als zuverlässiges Erfolgsrezept, langsame Stücke zu spielen, die dafür nicht lange dauerten, wie etwa «If You Don’t Know Me By Now» von Simply Red, das 1989 auf Platz zwei landete.

In den 90er-Jahren änderte sich der Geschmack dann deutlich. Wer jetzt einen Hit landen wollte, musste die Menschen zum Tanzen bringen – das gilt heute noch. Auch ein einfacher Rhythmus wie der Viervierteltakt steigerte in den 1990er-Jahren die Erfolgsaussichten. Was ausserdem immer mehr zählt, ist neben hohem Tempo vor allem die Lautstärke.

«Wearing My Rolex» von Wiley zum Beispiel habe es 2008 vor allem bis auf Platz zwei der britischen Hitliste geschafft, weil es laut sei, so die Forscher. Das Hit-Potenzial der Stücke aus den vergangenen Jahren lässt sich besonders leicht abschätzen: Alles klingt ähnlich, das erleichtert dem Computer die Arbeit. Für die 80er-Jahre hingegen seien Vorhersagen besonders schwierig gewesen. Der Grund: Die späten Siebziger und die frühen Achtziger, so interpretieren die Forscher, sei eine Periode der kreativen und innovativen Pop-Musik gewesen. Für die Neuzugänge der britischen Charts vom 12. Dezember wagten De Bie und sein Team Prognosen. Die Aussichten sind jedoch düster. Demnach wird es keiner der Songs unter die ersten fünf der Hitliste schaffen. Am besten schneidet «Piles Of $$$» von Caged Animals ab – der Song landet im sogenannten Songometer am oberen Ende des letzten Drittels zwischen Hit und Flop. Noch schlechter sieht es bei den aktuellen Neuzugängen der Charts aus. Hier prognostizieren die Forscher nur Flops. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.12.2011, 13:22 Uhr

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8 Kommentare

Ueli Meinhard

28.12.2011, 14:06 Uhr
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Sehr lächerlicher Versuch. a) verändern sich über die Jahrzehnte die Musikgeschmäcker der Zuhörer b) ist die populäre (Pop) Musik besonders stark der kommerziellen Maschinerie unterworfen. Auf den vorderen Rängen landet selbstverständlich nicht bloss Musik mit bestimmten Merkmalen, sondern auch solche die gepusht und intensiv beworben und damit bekannter wird. btw. 60% Trefferquoete... räusper Antworten


Edith Habermann

29.12.2011, 10:17 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Eine Hitparadenplazierung sagt nichts aus über die Qualität der Musik. Oder will jemand im Ernst behaupten. dass der Big Mac die beste Speise der Welt ist? Antworten



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