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Sterben die Delfinarien aus?

Von Barbara Reye. Aktualisiert am 19.11.2011 5 Kommentare

Die TV-Sendung «Flipper» aus den 60er-Jahren hat einen Boom an Delfinarien ausgelöst. Doch gehören so intelligente Tiere überhaupt in einen Zoo?

Scheinbares Dauerlächeln: Delfine sind Publikumsmagnete.

Scheinbares Dauerlächeln: Delfine sind Publikumsmagnete.
Bild: Keystone

Delfinarien in Europa

Gemäss einem kürzlich erschienenen Report der englischen Walschutzorganisation WDCS (nicht zu verwechseln mit der deutschen Organisation WDSF) gibt es in der EU noch 34 Delfinarien. In 13 der 27 Mitgliedsstaaten werden keine Delfine in Gefangenschaft gehalten, so in Österreich und Ungarn. In Zypern und Slowenien ist die Haltung von Walen zu kommerziellen Zwecken gänzlich verboten. Speziell ist die Situation in Grossbritannien, wo bis Ende der 1980er-Jahre rund drei Dutzend Delfinarien um die Gunst des Publikums buhlten. Nach einer Verschärfung der Bewilligungsstandards schlossen alle Delfinarien ihre Türen. In Deutschland haben seit 1991 sechs Delfinarien aufgegeben. Heute gibt es noch Delfinzoos in Duisburg, Nürnberg und Münster, das jedoch 2012 auch geschlossen werden soll. Neue Delfinarien sind seit 2000 vor allem in Feriendestinationen Süd- und Osteuropas, vor allem auch in der Türkei, entstanden. (mma)

Delfine in freier Wildnis

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Seit Jahren kämpfen Tierschützer für die Schliessung von Delfinarien. Mit Erfolg: In Grossbritannien gibt es keine Delfinshows mehr und in Deutschland derzeit nur noch drei Standorte, an denen dressierte Tümmler zu sehen sind. Ende nächsten Jahres sind es nur noch zwei, wenn auch die vier Delfine aus dem Allwetterzoo Münster im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms abgegeben werden. Denn in Münster fehlen die Investitionsmittel für eine Modernisierung der über 37 Jahre alten Anlage. Künftig sollen dort Seelöwen das Delfin-Programm ersetzen.

Im Kreuzfeuer der Kritik steht auch der Schweizer Bodensee-Freizeitpark Connyland. Nach dem Tod des 8-jährigen Delfins Shadow, der aus eigener Zucht stammte, ist innerhalb von einer Woche nun auch der etwa 30-jährige Chelmers gestorben, der ein Wildfang war und 1987 aus Florida importiert wurde. «Wir wissen noch nicht, ob die zwei Fälle einen Zusammenhang haben oder zufällig kurz hintereinander passiert sind», sagt der Kantonstierarzt Paul Witzig. Man müsse jetzt erst einmal abwarten, was die histologischen und weitergehenden Untersuchungen der Kadaver ergeben würden. Doch dies sei recht aufwendig und brauche Zeit.

Herkunft der Delfine

Sind Delfinarien ein Auslaufmodell? Nicht mehr zeitgemäss? «Es kommt immer ganz darauf an, wie die Delfine gehalten werden und wo sie ursprünglich herkommen», sagt die Delfinforscherin Nicole Czech-Damal von der Universität Hamburg. Ob sie also bereits in Gefangenschaft geboren seien oder es sich um Wildfänge handle. Sie könne deshalb immer beide Seiten verstehen und sei nicht so radikal wie manche Tierschützer, erklärt die Hamburger Zoologin. Denn Delfinarien könnten die Besucher auch für das Thema sensibilisieren, sodass letztlich mehr für die Arterhaltung und auch gegen die Massenabschlachtungen von Delfinen wie etwa in Japan getan werden könne.

Delfine sind ein Publikumsmagnet, da sie aufgrund ihrer angehobenen Mundwinkel scheinbar immer lächeln. «Auch noch wenn sie leiden oder sterben», sagt Michael Krützen von der Universität Zürich, der Delfine in der Shark Bay, 900 Kilometer nördlich von Australien, in freier Wildnis erforscht. Deshalb würden viele Besucher in Delfinarien irrtümlicherweise meinen, dass es den Tieren in den engen Becken gut gehe. Was ein Trugschluss sei.

Intelligente Meeressäuger

Erst im vergangenen Jahr hat die Verhaltensbiologin Lori Marino von der Emory University in Atlanta an der Jahrestagung der amerikanischen Wissenschaftstagung (AAAS) in San Diego betont, dass es für Tiere mit so hohen kognitiven Fähigkeiten vermutlich gesundheitsschädlich sei, wenn sie in Gefangenschaft gehalten werden. Gemessen an ihrer Körpergrösse haben Delfine etwas weniger Hirnmasse als der Mensch. Dafür ist das Gehirn aber stärker gefaltet und hat eine grössere Oberfläche. Das Hirn der Delfine ist fünfmal grösser, als es im Vergleich zu ihrer Körpergrösse zu erwarten wäre. Beim Menschen ist es siebenmal grösser.

«Die Tiere dürften deshalb auch nicht einfach in Tiershows vermarktet und zu diesen Zwecken gefangen werden», sagt Michael Krützen. Denn sie seien nicht nur äusserst clever, sondern haben auch Kultur. Zusammen mit australischen Kollegen habe er beobachtet, wie einige Delfine für die Futtersuche Werkzeuge verwenden.

Dazu lösen sie Schwämme vom Meeresboden ab und stülpen diese über ihre Schnauze. Die Schwämme dienen ihnen als eine Art Handschuh, um ihre Schnauze bei der Futtersuche im Boden gut zu schützen. Interessant ist, dass dies ein von der Delfinmutter erlerntes Verhalten ist. Die Kälber eignen es sich erst im Alter von ungefähr drei Jahren an.

Ein sechster Sinn

Doch Delfine, von denen es insgesamt 40 Arten gibt, haben offenbar noch mehr Tricks parat. So hat die Hamburger Forscherin herausgefunden, dass der Guyana-Delfin, der flache Küstenregionen und Flussdeltas Südamerikas bewohnt, einen sechsten Sinn hat. «Er hat an seiner Schnauze Elektrorezeptoren, die sich aus den Follikeln von Barthaaren entwickelt haben», sagt Nicole Czech-Damal. Damit könne er auch noch im Sand vergrabene Beutetiere am Meeresgrund aufspüren und die durch Bewegung erzeugten elektrischen Felder wahrnehmen. Dies sei erstaunlich, da man bisher immer angenommen habe, dass Delfine nur mithilfe der Echo-Ortung ihre Beute finden würden.

Delfine verblüffen die Forscher immer wieder. Denn sie haben ähnlich wie Menschen sehr komplexe soziale Netzwerke. «Sie erkennen ihre Freunde, kümmern sich um diese sowie auch um ihre Familienangehörigen», sagt Michael Krützen. Dennoch seien es weiterhin Raubtiere, und sie bekämpfen sich auch untereinander. «Sie können sich beissen, unter Wasser drücken und verscheuchen», sagt der Zürcher Forscher. Deshalb sei es auch nicht artgerecht, in einem Delfinarium wildfremde Tiere in einem Becken zusammenzupferchen und auf die Sozialstruktur keine Rücksicht zu nehmen. Denn Delfine könnten sich dort nicht mehr auf natürliche Art und Weise aus dem Weg gehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.11.2011, 11:00 Uhr

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5 Kommentare

Eugen Fischer

19.11.2011, 15:03 Uhr
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Ein Aquarium kann nie und nimmer ein Meer ausmachen. Es wäre wahrscheinlich gleich, wie wenn man einen Menschen auf ca. 2 m2 zur Verfügung stellen würde. Die Entrüstung wäre sofort ausgesprochen, doch leider können die Tiere nicht ihre Rechte einbringen. Aber denken wir haben bereits ca. 150'000 Arten von Animal ausgerottet. Welch ein Irronie der Menschen, die sich doch so wissend ins Zeug bringen Antworten


Ursula Jungo

19.11.2011, 16:54 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Im Meer hat es genug Platz für die Delphine,man muss nur die Japaner von diesen Bezirken fernhalten!Auf dem Land wird es immer schwieriger für die Tiere noch frei sein zu können,hat bald keinen Platz mehr für die Tiere,der Mensch braucht alles für sich und zerstört noch sehr viel davon! Antworten



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