Studie: Alkohol ist gefährlicher als Heroin
Von Maria Cheng, DAPD. Aktualisiert am 01.11.2010 6 Kommentare
Alkohol ist laut einer neuen Studie weitaus gefährlicher als Heroin oder Crack. Die Experten untersuchten verschiedene Drogen auf ihre Zerstörungskraft für den Körper und die Gesellschaft. Zwar stellten sich Heroin, Crack und Metamphetamine als die tödlichsten Rauschgifte heraus.
Doch sobald die Wissenschaftler die sozialen Auswirkungen miteinbezogen, führte Alkohol die Rangliste der gefährlichsten Drogen an, gefolgt von Heroin und Crack. Marihuana, Ecstasy und LSD schätzen die Forscher als deutlich weniger zerstörerisch ein.
Trinken führt öfter zu Gesetzesverstössen
Die Experten halten Alkohol für so gefährlich, weil er weitverbreitet ist und sich nicht nur auf die Konsumenten, sondern besonders stark auch auf ihr Umfeld auswirkt. Die Studie wurde von dem britischen Zentrum für Kriminalitäts- und Justizstudien CCJS in Auftrag gegeben, am Montag erschienen die Ergebnisse in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift «Lancet».
«Denken Sie nur mal, was (durch Alkohol) bei jedem Fussballspiel passiert», sagt Wim van den Brink, Professor für Psychiatrie und Sucht an der Amsterdamer Universität, der einen Kommentar zu der «Lancet»-Studie mitverfasste. Exzessives Drinken schädigt demnach fast das gesamte Organsystem. Alkoholmissbrauch steht in Zusammenhang mit höheren Todesraten. Ausserdem spielt er bei Gesetzesverstössen häufiger eine Rolle als die meisten anderen Drogen einschliesslich Heroin.
«Alkohol ist zu tief in unserer Kultur verwurzelt»
Experten raten dennoch nicht dazu, Alkohol einfach zu verbieten. Leslie King, einer der Autoren der Studie und Berater am Europäischen Beobachtungszentrum für Drogen, warnt sogar davor: Eine Prohibition, wie sie einst in den USA galt, sei kein Ausweg. «Alkohol ist zu sehr in unserer Kultur verwurzelt, er kann nicht einfach entfernt werden», sagt King. Er rät dazu, gezielt die Vieltrinker ins Visier zu nehmen, nicht die Mehrheit der Leute, die es bei einem oder zwei Bier bewenden lassen. Regierungen sollten die Preise für Alkohol anheben und mehr Aufklärung betreiben.
Die Fachleute sprechen auch eine brisante Frage an: die rechtliche Einordnung der verschiedenen Drogen. Grossbritannien verschärfte zum Beispiel im vergangenen Jahr die Strafen für den Besitz von Marihuana. Einer der bis dahin wichtigsten Berater der damaligen Regierung, David Nutt, wurde nach seiner Kritik an dem Schritt entlassen. Nun schaltete er sich als Hauptautor der Drogen-Studie wieder in die Debatte ein, stellt die Studie doch in Frage, wieso Alkohol allgemein anerkannt, Marihuana jedoch fast überall verboten ist.
«Was Regierungen für illegal erklären, hat nicht immer auf Wissenschaft gestützt», sagt auch van den Brink. Einnahmen aus Steuern - etwa auf Tabak und Alkohol - könnten die Überlegungen der Regierung beeinflussen, wie die verschiedenen Substanzen gesetzlich behandelt würden. Eines stehe aber fest, sagt der Experte: «Legale Drogen verursachen mindestens so viel Schaden wie illegale.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.11.2010, 11:40 Uhr







