Uni und ETH Zürich planen wieder Versuche mit Affen

Nach einem jahrelangen Streit mit Tierschützern wagen die Forscher einen Neuanfang.

Neuer Anlauf: Neurowissenschaftler der ETH und der Universität Zürich wollen wieder Tierversuche mit Primaten.

Neuer Anlauf: Neurowissenschaftler der ETH und der Universität Zürich wollen wieder Tierversuche mit Primaten. Bild: Giorgia Müller

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Seit 2009 gibt es am Institut für Neuroinformatik der Universität und ETH Zürich keine Tierversuche mehr mit Primaten. Dies könnte sich bald ändern. Denn nach einer langen Pause ist nun erstmals wieder ein Gesuch beim Kantonalen Veterinäramt eingereicht worden. Geplant ist, dass mit zwei bis drei Rhesusaffen Versuche zur Erforschung von Gehirnprozessen durchgeführt werden.

«Unsere Fragestellungen haben grosse Relevanz für viele psychische Krankheiten des Menschen», sagt der Neurowissenschaftler Valerio Mante. «Und wir werden auch transparenter kommunizieren, um unseren Kritikern zu zeigen, dass wir das Wohl der Tiere sehr ernst nehmen.»

Mit dem Gesuch begeben sich die Zürcher Forscher auf ein heikles Terrain. Denn aufgrund von Rekursen der Tierversuchskommission des Kantons Zürich wurden im November 2006 zwei umstrittene Versuche mit Rhesusaffen gestoppt. Mit der Begründung, dass die Würde des Tiers bei den Experimenten verletzt sei. Der Streit ging letztlich bis ans Bundesgericht, das Ende 2009 ebenfalls an einem Verbot zur Weiterführung dieser Versuche festhielt.

Eines der strengsten Tierschutzgesetze

Dennoch erhielt der Neuroprothesen-Forscher Hansjörg Scherberger im Jahr 2007 in Zürich noch eine Bewilligung für Versuche mit Rhesusaffen. Noch kurz vor dem Beschluss des Bundesgerichts wechselte er aber ans Deutsche Primatenzentrum und nahm seine Versuchstiere mit. Ähnlich wie seine Kollegen sah er damals die Freiheit der Forschung durch das Verbot als bedroht an. Seit fünf Jahren werden in Zürich ­somit keine derartigen Versuche mehr durchgeführt.

Die Schweiz verfügt über eines der strengsten Tierschutzgesetze. Gesuche für Tierversuche ab einem Schweregrad 1 werden zur Beurteilung an die Kantonale Tierversuchskommission weitergeleitet. Diese besteht neben dem Amt des Präsidiums aus elf Mitgliedern, darunter drei Vertretern von Tierschutzorganisationen. Bewilligt werden die Gesuche vom Kantonalen Veterinäramt. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.09.2014, 23:32 Uhr)

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