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Wie kommuniziert man richtig in der Sozialhilfe?

Von Peter Schneider. Aktualisiert am 21.12.2011

Wie kann ich als Sozialarbeiterin politisch korrekt kommunizieren?

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Ich arbeite als Sozialarbeiterin und habe es immer wieder mit türkischen Familien zu tun. Sie sind häufig von der Sozialhilfe abhängig, sprechen schlecht Deutsch, und ich habe das Gefühl, sie seien faul und nicht sehr arbeitsfreudig. Wie soll ich damit umgehen? Wie kann ich diesen Umstand so kommunizieren, dass dies politisch korrekt ist?

Liebe Frau M. Das Ihnen auf der Seele liegende Problem dürfte sein bedrückendes Gewicht verlieren, wenn Sie, ich und die übrige Öffentlichkeit von der Auffassung Abschied nehmen könnten, solche Sozialhilfeempfänger seien Fälle, die das System der Sozialhilfe prinzipiell infrage stellen könnten, wenn man geradeaus und ohne verschleiernde Pirouetten über sie sprechen würde. Man muss sich allerdings ebenso von der Vorstellung verabschieden, die Diskussion solcher Verhältnisse sei ein ungeheuer mutiger Tabubruch, zu dem sich nun endlich auch Mitarbeiterinnen aus dem Herzen der Sozialbürokratie genötigt sähen.

Wer denkt, die Sozialhilfe sei vor allem für Menschen gemacht, deren zwinglianisches Arbeits- und Bildungsethos allein durch widrige äussere Umstände leider nicht zum Zuge kommen kann, ist auf einem sehr grundsätzlichen Holzweg. Das Subproletariat besteht nun einmal nicht vor allem aus verhinderten Helden der Arbeit. Sozialarbeit hat es ihrem Wesen nach vor allem mit schwierigen Menschen zu tun. Man kommt nicht weiter, wenn man sich darauf kapriziert, immer wieder neue Fälle von Sozialmissbrauch zu entdecken. Es geht nicht darum, gleichermassen bei jedem Sozialfall höchstpersönlich zu überlegen, ob man ihm als völlig schuldlos in Not Geratenem einen Hunderter in die Hand drücken würde. Es gibt Menschen, denen würde ich gern auch zwei Hunderter geben, und andere, denen ich nicht mal fünfzig Rappen spendieren würde.

Dass beide gleichermassen, und zwar auch in meinem Namen und von meinen Steuern, Sozialhilfe bekommen, dafür stehe ich trotzdem ein. Dass manche von ihnen arbeiten könnten, wenn sie wollten, ist wahrscheinlich kaum zu bestreiten. Aber man sollte auch bedenken, dass der Übergang vom Wollen zum Können komplizierter ist, als wohl jeder sich wünscht. (Das weiss jeder, der versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören, eine Diät zu machen oder auch unangenehme Arbeiten ohne Aufschub zu erledigen.) Selbstverständlich gibt es immer wieder einmal eklatante Missbräuche der Sozialhilfe (so wie es Steuerhinterziehung oder Subventionsbetrug gibt), aber sie sind nicht der Regelfall. Und der Wohlhabende, der meint, er wäre ja dumm, überhaupt noch zu arbeiten, kann es ja mal versuchsweise stattdessen mit der Sozialhilfe probieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2011, 17:06 Uhr

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