«Wir geben mit Bauchschmerzen Tamiflu»
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 19.11.2009
Trotz Impfung: Die Schweinegrippe bereitet sich rasend schnell aus. (Bild: Keystone)
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In Deutschland hat sich die Zahl der Neuerkrankungen an Schweinegrippe in nur einer Woche fast verdoppelt. Offiziell leiden derzeit fast 76'000 Menschen an der Krankheit, bereits 20 sind an ihr gestorben. Jede Woche kommen 15'000 Erkrankungen dazu.
Im europäischen Schnitt verzeichnet allerdings Grossbritannien mit bisher 140 Toten die meisten Opfer durch Schweinegrippe - wobei die höchste Ansteckungsrate aus Spanien (auf 100'000 Spanier kommen 182 Fälle) und Italien (derzeit 380 Krankheitsfälle je 100'000 Italiener) vermeldet wird.
In Mexiko, wo im April dieses Jahres die weltweite Schweinegrippe-Epidemie ihren Anfang nahm, haben sich im letzten halben Jahr 60'000 Frauen, Männer und Kinder mit dem H1N1-Virus angesteckt, 500 haben die Schweinegrippe nicht überlebt.
Stark betroffen sind auch die USA: Die Zahl der tödlich verlaufenen Schweinegrippe-Infektionen ist dort auf mindestens 4000 gestiegen. Weltweit sind laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts bislang 6593 Menschen an der Schweinegrippe gestorben.
Laut einer Studie der mexikanischen Gesundheitsbehörde IMSS befällt die neue Grippe zwar vor allem junge Menschen, nimmt aber eher bei Senioren einen schweren Verlauf. Auch Neugeborene und Babys unter sieben Lebensmonaten sind gefährdet. Wie bereits berichtet, ist das erste Opfer der Schweinegrippe in der Schweiz ein fünf Monate altes Baby.
Die Schwierigkeit der Dosierung
Erkranke ein Säugling an der Schweinegrippe, stehen die Ärzte vor einem Dilemma, wie der Arzt Reinhard Berner vom Uniklinikum Freiburg (Deutschland) der Zeitung «Mannheimer Morgen» erklärt: «Wir geben mit Bauchschmerzen Tamiflu, obwohl es keine handfesten, belegten Untersuchungen gibt, welche Dosis man einem Neugeborenen oder einem Säugling von drei Monaten geben kann.» Die Säuglinge würden definitiv das allerhöchste Risiko tragen.
Gemäss Angaben des deutschen Robert-Koch-Instituts hat die akute Infektion bei Todesfällen im Verlauf einer Erkrankung einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf. Dies gelte auch und insbesondere bei Patienten mit chronischen Grundkrankheiten, da hier Mechanismen zur Kompensation der Folgen einer Influenza-Erkrankung (zum Beispiel einer akuten Herz-Kreislaufbelastung durch hohes Fieber) in geringerem Mass verfügbar sind.
Oft ist der Nachweis schwierig
Das heisst konkret, dass die Patienten in den allermeisten Fällen nicht an der Grundkrankheit, sondern an den Folgen der Influenza-Erkrankung oder deren Komplikationen (zum Beispiel Lungenentzündung) sterben. Darum kann laut den Experten des Robert-Koch-Institus nicht immer ein kausaler Zusammenhang zwischen Influenza-Infektion und Tod nachgewiesen werden. Aus epidemiologischer Sicht gilt ein Todesfall, bei dem während des Krankheitsverlaufs das Virus nachgewiesen wurde, als sogenannter H1N1-assoziierter Todesfall. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.11.2009, 11:32 Uhr


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