Schwieriger Nachweis für Zika-Viren

Das mysteriöse Zika-Virus lässt sich nur eine Woche im Blut detektieren. Danach müssen Experten auf gängige Antikörpertests zurückgreifen, die aber fehleranfällig sind.

Auf der Suche nach Mitteln gegen den Zika-Virus: Ein Forschungslabor in Österreich. Foto: Keystone

Auf der Suche nach Mitteln gegen den Zika-Virus: Ein Forschungslabor in Österreich. Foto: Keystone

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Wunderschöne Strände und viel Sonne — dafür ist die traumhafte Feriendestination Canoa Quebrada im Nordosten Brasiliens bekannt. Doch Anfang Juni vergangenen Jahres kam eine 44-jährige Touristin krank zurück in die Schweiz. Mit Hautausschlag, Fieber, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen und stark angeschwollenen Lymphknoten liess sie sich in der Travel Clinic in Zürich untersuchen. Die erste Blutanalyse wies auf Denguefieber hin, weil entsprechende Antikörper nachgewiesen werden konnten.

«Doch das Ergebnis war falsch positiv», sagt die behandelnde Ärztin, Danielle Gyurech. Denn die Patientin habe sich nicht mit dem Dengue-Virus, sondern mit dem Zika-Virus infiziert, wie sich kurz darauf herausgestellt habe. «Sie war somit die erste Zika-Patientin in der Schweiz», sagt Gyurech, die zusammen mit Kollegen in Zürich und in Deutschland den Fall jetzt im «Swiss Medical Weekly» veröffentlicht hat. Nach etwa zwei Wochen sei die mit dem Zika-Virus infizierte Frau wieder beschwerdefrei gewesen. Inzwischen gibt es in der Schweiz gemäss Angaben des Bundesamts für Gesundheit insgesamt drei Zika-Fälle von Reiserückkehrern.

Dass es überhaupt zu einer Falschanalyse kommen konnte, liegt daran, dass die herkömmlichen Bluttests viel zu ungenau sind. Das Problem ist, dass die Erreger von Dengue, Gelbfieber oder auch Zika alle zu den Flavi-Viren gehören und eng miteinander verwandt sind. Die gegenwärtig verfügbaren Antikörpertests fallen positiv aus, weil es zu Kreuzreaktionen mit Antikörpern gegen andere Flavi-Viren gekommen ist. «Erst ein aufwendiger Neutralisationstest in Speziallabors zeigt, dass es sich wirklich auch um Zika und nicht Dengue handelt», sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, der die Probe aus Zürich nochmals analysiert hat.

Am einfachsten und besten ist es, wenn man das Erbgut der Zika-Viren direkt im Blut nachweisen kann. Dazu benutzen die Experten das PCR-Verfahren, bei dem das Virusgenom vervielfältigt wird und identifiziert werden kann. «Doch eine Woche nach Symptombeginn ist der Erreger meist nicht mehr im Blut detektierbar», sagt der Mediziner Hans H. Hirsch von der Universität Basel. Es gibt für diesen Direktnachweis somit nur ein kurzes Zeitfenster.

Im Urin ist der Nachweis noch ein paar Tage länger möglich. Doch in den Epidemiegebieten sei die Infrastruktur für einen solchen Direktnachweis oft unzureichend, sodass man die Patienten erst viel später mithilfe des herkömmlichen, aber fehleranfälligen Antikörper-tests untersuchen könne, sagt Schmidt-Chanasit. Das Problem sei zudem, dass die Spezialisten etwa in den Diagnose-zentren in Brasilien gar nicht mehr mit der Arbeit nachkämen. Und man die Ergebnisse oft erst nach Wochen habe.

Viren im Speichel

Ursache allen Übels ist zumeist der Stich einer Gelbfiebermücke. Das nur vier bis sieben Millimeter kleine schwarze Wesen mit weisser Zeichnung auf dem Rückenschild gilt als Hauptverursacher, dass sich der Erreger so rasch verbreitet: In mehr als 30 Ländern überträgt die sogenannte Aedes aegypti derzeit das Zika-Virus.

«Der Geruch von Schweiss zieht das Weibchen der Gelbfiebermücke stark an, die das Blut ihrer Opfer für die Bildung der Eier benötigt», sagt der Mückenspezialist Alexander Mathis von der Universität Zürich. Doch es sei keine fliegende Spritze, die sofort Zika-Viren von einer Person auf die andere verbreite. Denn zuerst befallen die Viren die Darmzellen der Mücke, vermehren sich dort, bis die Virenfracht nach ein paar Tagen in die Speicheldrüse der Mücke gelangt und dann wiederum bei der nächsten Blutmahlzeit mit dem Speichel auf einen weiteren Wirt übertragen wird.

Obwohl eine Infektion mit dem Zika-Virus normalerweise einen milden Verlauf hat und in drei von vier Fällen ohne Beschwerden verläuft, rief die Weltgesundheitsorganisation Anfang Februar den globalen Gesundheitsnotstand aus. Denn Ende 2015 kam es in Brasilien erstmals zu einem auffälligen Anstieg von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Epidemie von Infektionen mit dem Zika-Virus stehen.

Seit dem vergangenen Herbst wurden dort fast 5000 Babys mit Verdacht auf eine sogenannte Mikrozephalie und andere neurologische Erkrankungen geboren, von denen aber erst rund 400 Fälle als solche auch bestätigt wurden und nur bei sehr wenigen davon bisher auch eine Zika-Virus-Infektion festgestellt werden konnte.

Momentan lässt sich noch nicht eindeutig belegen, ob tatsächlich immer das Zika-Virus der Auslöser war. Denn auch andere Krankheitserreger wie etwa das Zytomegalie-Virus oder der Parasit für Toxoplasmose können beispielsweise während der Schwangerschaft zu ähnlichen Verkalkungen der Hirngefässe führen und die Entwicklung beim Fötus stören. Dennoch geht Schmidt-Chanasit davon aus, dass das Zika-Szenario sehr wahrscheinlich ist. «Als Vorsichtsmassnahme sollte man deshalb auch lieber keine ungeschützten Flitterwochen in der Karibik verbringen», meint Hirsch.

Weltweit steht Zika jetzt im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. «Es ist erstaunlich, dass unser Bericht über das falsche Testresultat und den ersten Schweizer Zika-Fall vor ein paar Monaten von einem renommierten Journal als zu banal abgewiesen wurde», sagt Gyurech. Erst jetzt sei er auf grosses Interesse gestossen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2016, 21:37 Uhr

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