Bis zu 98 Prozent weniger Schadstoffe in Ostdeutschland
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So sank die Luftbelastung mit Schwefeldioxid auf nur noch zwei Prozent des Werts von 1990, wie aus den neuesten Daten des Umweltbundesamts hervorgeht. Der Quecksilber-Gehalt in der Elbe verringerte sich um 90 Prozent. Auch insgesamt habe Deutschland Erfolge vorzuweisen, vor allem beim Klimaschutz, sagte UBA-Chef Jochen Flasbarth am Mittwoch.
Dennoch bleiben aus seiner Sicht grosse Aufgaben. «Vor allem bei der Energieeffizienz und der Resourcenschonung, im Verkehrssektor und bei der Verminderung der Umweltbelastung mit Stickstoff muss noch mehr passieren», mahnte Flasbarth. Beim Energiesparen und der sparsamen Nutzung von Rohstoffen komme Deutschland zu langsam voran.
Blei im Blut verrät die Herkunft
Hintergrund der drastischen Veränderung in den neuen Ländern ist der Zusammenbruch der Industrie, doch gab es auch erhebliche Investitionen zum Beispiel in Kläranlagen. Damit hätten viele Flüsse - unter anderen die Elbe - nach Jahrzehnten sogar wieder Badequalität, sagte Flasbarth. Insgesamt ging der Schadstoffgehalt in Flüssen um 90 Prozent zurück. Den Rückgang beim Stickoxid bezifferte er auf 56 Prozent, die Belastung mit Staub verringerte sich um 98 Prozent.
«Das ist eine Qualitätsverbesserung, die nicht marginal ist, die enorm ist», sagte der Experte. Auch beim Bleigehalt im Trinkwasser gebe es erhebliche Fortschritte, weil in vielen Häusern alte Bleirohre durch ungefährliches modernes Material ersetzt wurden. Trotzdem sei die Herkunft von Kindern aus Ost- und aus Westdeutschland immer noch aufgrund des Bleigehalts im Blut eindeutig zu bestimmen.
Klimaziel 2020 in Gefahr
Bundesweit sieht das Umweltbundesamt, das seit 25 Jahren Umweltdaten erhebt, ebenfalls deutliche Erfolge. So ging der Ausstoss von Treibhausgasen von 1990 bis 2007 um 22,4 Prozent zurück. 2008 sei eine weitere Reduzierung zu verzeichnen, sagte Flasbarth, ohne bereits endgültige Zahlen nennen zu können. Damit hat Deutschland seine Pflichten aus dem Kyoto-Protokoll von 1997 übererfüllt. Dort hatte man eine Minderung um 21 Prozent zugesagt.
Allerdings gilt bereits ein neues Ziel: eine Minderung von 40 Prozent bis 2020. Hierfür reichen die bislang beschlossenen Massnahmen laut Flasbarth noch keineswegs aus. Sie brächten bis 2020 nur 32 Prozent Minderung - noch deutlich weniger als die von der Regierung angenommen 36 Prozentpunkte. Doch sei bis 2020 auch noch etwas Zeit zum Nachsteuern, sagte der Experte.
Güter nicht auf der Schiene
Beim Ausbau von erneuerbaren Energien liegt Deutschland aus Sicht des UBA auf Kurs. Von heute sieben Prozent Anteil beim Primärenergieverbrauch und 15 Prozent beim Stromverbrauch könne man auf die bis 2020 angestrebten zehn beziehungsweise 30 Prozent kommen. Einen Rückstand sehen die Experten dagegen beim Bemühen, bis 2020 die Energieproduktivität gegenüber 1990 zu verdoppeln. In den 18 Jahren bis 2008 erhöhte sie sich nur um 40,7 Prozent.
Besonderen Handlungsbedarf sieht er darin, den Flächenverbrauch einzudämmen. Mit 96 Hektar pro Tag liegt man immer noch dramatisch über dem Zielwert von 30 Hektar. Ein Hektar entspricht in etwa der Grösse eines Fussballplatzes.
Auch der Güterverkehr macht den Umweltexperten Kopfzerbrechen. Die Verlagerung auf Schiene und Binnenschiffe sei nicht gelungen. Gut 71 Prozent der Güter wurden 2007 noch in Lastwagen transportiert. Ginge es so weiter, würde das Ziel der Bundesregierung verfehlt, bis 2015 die Anteile für die Bahn auf 25 Prozent und für Binnenschiffe auf 14 Prozent zu steigern. (sam/ap)
Erstellt: 02.12.2009, 18:18 Uhr
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