Brutaler Kampf: Fischer setzen Sprengsätze gegen Delfine ein

Delfine werden immer frecher und stehlen den Fischern gar die Beute von der Angelrute. Die Männer an den südlichen US-Küsten verlieren die Geduld und vertreiben die Meeressäuger mit Rohrbomben.

Freche Tümmler: Die Fischer verlieren die Geduld.

Freche Tümmler: Die Fischer verlieren die Geduld.
Bild: Keystone

Werden immer brutaler: Genervte Fischer an den südlichen US-Küsten.

Werden immer brutaler: Genervte Fischer an den südlichen US-Küsten. (Bild: Keystone)

Die aus der Fernsehserie «Flipper» bekannten Grossen Tümmler sind vielerorts so zutraulich oder, wie die Fischer sagen, so frech geworden, dass sie ihnen ihre Beute sogar von der Angelrute herunterreissen. Die Fischer wehren sich zum Teil mit brutaler Gewalt. Es häufen sich Berichte über den Einsatz von Sprengsätzen und Schusswaffen - allen Tierschutzgesetzen zum Trotz.

«Die Fischer sind tatsächlich so sehr über die Delfine verärgert, dass sie mitunter auf sie schiessen», sagt Bob Zales vom Nationalen Verband der Bootsverleiher. Er fischt schon seit mehr als 40 Jahren vor den Küsten Floridas, doch noch nie gab es nach seinen Worten so grosse Probleme mit den Meeressäugern wie in jüngster Zeit. Die ärgerliche Reaktion der Fischer kann Zales gut verstehen. Vor allem Freizeitangler müssten schliesslich hunderte Dollar für ihren Bootstrip bezahlen.

Ein Kapitän aus Florida wurde unlängst zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er selbstgebaute Rohrbomben auf die gesetzlich geschützten Grossen Tümmler geworfen hatte. Ob dabei tatsächlich Tiere zu Schaden gekommen waren, war nicht nachzuweisen, spielte bei dem Prozess aber auch keine Rolle. Zwei Kapitäne aus Florida und Alabama räumten in einem weiteren Prozess ein, auf Delfine im Golf von Mexiko geschossen zu haben. Sie erhielten eine Bewährungsstrafe sowie eine Geldbusse von je 1000 Dollar.

Angelhaken als gefährliches Spiel

Warum die Grossen Tümmler den Fischern derart auf die Pelle rücken, führen Umweltschützer vor allem darauf zurück, dass sie sich an den Menschen gewöhnt haben. So fahren immer mehr Ausflugsboote in ihr Revier, wie Stacey Hortsman vom Fischereidienst der Nationalen Behörde für Ozeanographie (NOAA) in St. Petersburg in Florida erläutert. Und weil die Touristen auf solchen Trips die Delfine ganz aus der Nähe sehen wollten, würden ihnen Fische zugeworfen, um sie anzulocken. Auch Fische am Angelhaken wirkten auf die Meeressäuger also wie eine Aufforderung zum Spiel.

Für Zales vom Verband der Bootsverleiher liegt das Problem vor allem in den gesetzlichen Vorschriften für den Fischfang. Um das Überfischen von Arten wie dem Roten Schnapper zu verhindern, sind kommerzielle Fischer sowie private Angler verpflichtet, zu kleine Exemplare sofort wieder ins Meer zurückzuwerfen. Und genau darauf warten die Delfine, wie Zales betont: «Sie wissen, dass sie auf diese Weise eine freie Mahlzeit bekommen.»

Dabei birgt das Spiel mit den Fischern für die Delfine grosse Gefahren in sich. Allein vor der Küste Floridas sind seit 2005 mindestens 46 Grosse Tümmler umgekommen, weil sie Angelhaken verschluckt oder sich in Netzen verfangen hatten. Und hinzu kommt die wachsende Gewalt. Nahe San Diego in Kalifornien wurden schon 2007 vier tote Delfine mit Schusswunden angeschwemmt - ein trauriger Beleg für den ungleichen Kampf auf hoher See.

Vermutlich hohe Dunkelziffer der getöteten Tiere

Wie viele Meeressäuger tatsächlich von rabiaten Fischern getötet werden, lässt sich schwer feststellen, wie Tierschützer hervorheben. Die Auseinandersetzungen fänden zumeist 30 bis 50 Kilometer von den Küsten entfernt statt. Wenn ein Delfin in den dortigen tiefen Gewässern umkomme, werde er niemals an Land angeschwemmt. Es gebe also eine hohe Dunkelziffer, vermutet Allan Coker von der Nationalen Behörde für Ozeanographie.

Der Delfin-Experte Randall Wells vom Mote-Labor für Marineforschungen in Sarasota ruft kommerzielle Fischer, Freizeitangler und Touristen gleichermassen dazu auf, niemals Fische ins Wasser werfen, wenn sich Delfine in der Nähe befinden. Dies könnte sich jedoch als schwierig erweisen, da das Gesetz genau dies vorschreibt, wenn zu kleine Tiere gefangen wurden. Hier gelte es, eine Lösung zu finden, betont Wells. Dazu aber müssten die verschiedenen Fischereiverbände und -behörden endlich an einem Strang ziehen. (bru/ap)

Erstellt: 17.07.2009, 16:43 Uhr

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