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Das All ist voller Erden

Von Patrick Illinger. Aktualisiert am 14.01.2012 40 Kommentare

In der Milchstrasse gibt es viel mehr Planetensysteme als bisher angenommen. Das haben Astronomen jetzt herausgefunden.

«Sterne mit Planeten sind die Regel, nicht die Ausnahme»: Die Milchstrasse über dem Säntis.

«Sterne mit Planeten sind die Regel, nicht die Ausnahme»: Die Milchstrasse über dem Säntis.
Bild: Keystone

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Sechs Jahre lang hat eine internationale Gruppe von Astronomen intensiv in den Weltraum geblickt. In jeder klaren Nacht haben die Himmelsforscher 100 Millionen Sterne beobachtet. Sobald einer der vielen Leuchtpunkte am Firmament an Helligkeit zunahm, richteten die Astronomen grosse Teleskope auf den betreffenden Stern, um die verräterische Lichtschwankung präzise zu vermessen.

Mithilfe dieser kosmischen Massenüberwachung sind die Forscher nun zu einer erstaunlichen Erkenntnis gelangt: Es gibt in der Milchstrasse offenbar viel mehr Planetensysteme, als bisher angenommen wurde. «Sterne mit Planeten scheinen in unserer Galaxie die Regel zu sein und nicht die Ausnahme», schreiben 42 Astronomen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Nature» (Bd. 481, S. 167, 2012), unter ihnen drei Experten der Europäischen Südsternwarte Eso. Gemäss ihrer Analyse kreisen in der Milchstrasse um jeden Stern durchschnittlich 1,6 Planeten in einer Entfernung zwischen einem halben und dem zehnfachen Erde-Sonne-Abstand. Ausserdem haben die Astronomen aus den Daten des «Planet»-Projekts ermittelt, dass kleinere, mithin auch erdähnliche Planeten häufiger sind als schwere Gasbälle vom Format des Jupiter.

Mit Einsteins Methoden

Seit 1995 haben Astronomen mehr als 700 extrasolare Planeten entdeckt, sogenannte Exoplaneten. Bei einigen dieser Himmelskörper konnten sogar Details vermessen werden, etwa die Zusammensetzung der Atmosphäre. Doch eine grundlegende Frage blieb dabei offen: Wie häufig sind Planeten im All? Scharen nur wenige Sterne Begleiter um sich? Oder sind Planeten eher die Normalität in der Galaxis? Eindeutig Letzteres, sagen die Astronomen nun.

Solche Exoplaneten sind fast nie direkt mit Teleskopen zu sehen. Die meisten wurden bisher entdeckt, weil ihre Muttersterne am Nachthimmel aufgrund der Schwerkraft des um sie kreisenden Planeten leicht vibrieren. Oder man beobachtete die leicht absinkende Leuchtstärke der Sterne, sobald ein Planet ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis an ihnen vorüberzog. Für die aktuellen Messungen haben die Astronomen sich jedoch eines anderen Werkzeugs bedient. Sie nutzten einen Effekt, mit dem im Jahre 1919 die Allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins experimentell bestätigt worden war.

Gemäss Einsteins Gleichungen verbiegen schwere Objekte wie Sterne die Raumzeit, sodass sogar Lichtstrahlen gekrümmt werden, sobald sie in die Nähe eines massiven Körpers geraten. Diese seinerzeit gewagte Vorhersage wurde schliesslich auf spektakuläre Weise bestätigt. Man fand Sterne, deren Licht auf dem Weg zur Erde von einem dazwischenliegenden Stern abgelenkt wurde. Dieser Effekt kann so weit gehen, dass das Schwerefeld eines Sterns auf das Licht eines dahinterliegenden Sterns wie eine optische Linse wirkt. Von einer Gravitationslinse sprechen Physiker in diesem Fall. Mithilfe dieses Phänomens haben die Astronomen nun Sterne gesucht, bei denen sich von hinten kommendes Licht auf je zwei Seiten unterschiedlich stark krümmt. Dies deutet auf das zusätzliche Schwerkraftfeld eines Planeten hin, der die normalerweise symmetrische Gravitationslinse des Muttersterns leicht verformt.

Keplers exotische Entdeckung

Mit dieser Suchmethode findet man nicht viele Exoplaneten, aber sie ist besonders geeignet, um Planeten in einem mittleren Abstand vom Zentralstern zu entdecken – also in der «habitablen Zone» eines Sterns. Damit bezeichnen Astronomen einen Abstandsbereich vom Mutterstern, in dem es weder zu heiss noch zu kalt ist für biologische Moleküle oder gar Organismen. Allerdings, und darauf weisen die Autoren der neuen Studie ausdrücklich hin, sei die nun gemessene grosse Häufigkeit von Planeten im All noch kein hinreichender Nachweis ausserirdischen Lebens. Damit biologische Moleküle entstehen und ein Evolutionsprozess in Gang kommt, müssen noch viele weitere Faktoren stimmen. Zum Beispiel brauchen kleine Planeten Schutz von einem grossen Bruderplaneten, so wie Jupiter, der über Milliarden Jahre hinweg dank seiner Schwerkraft vagabundierende Kometen und Asteroiden von der Erde fernhält.

Dennoch: Die Produktionsrate von Planeten in der Milchstrasse ist offenbar enorm. Das zeigen auch neue Daten des Weltraumteleskops Kepler, das derzeit auf der Suche nach fernen Planeten durch das All fliegt: Soeben hat der Späher zwei Planeten entdeckt, die um ein Doppelstern-Paar kreisen. Auch solche exotische Planetensysteme dürften demnach weit häufiger sein, als es mancher Himmelsforscher noch vor nicht langer Zeit für möglich gehalten hätte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.01.2012, 14:39 Uhr

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40 Kommentare

Walter Wunderli

14.01.2012, 18:40 Uhr
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Es gibt sicher tausende Planeten mit intelligentem Leben ;-), bei den Menschen habe ich meine Zweifel. Antworten


Jutta Maier

14.01.2012, 20:24 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Dass es habitable Planeten im Weltall gibt, steht eigentlich ausser Frage. Dass irgenwo anders auch Leben möglich ist, eigentlich auch. Die Frage ist vielmehr, ob dieses Leben in etwa zeitgleich mit uns existieren konnte. Immerhin ist unsere Spezies erst seit etwa 40'000 Jahren marginal ansprechbar. Ein kleines Hüsteln im Vergleich zum Existenzzeitraum des Weltalls. Antworten



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