«Das Café zum Weissen Hai»

Mitten im Ozean haben Forscher den Ort entdeckt, an dem sich die Raubtiere zu tausenden treffen. Obwohl das Tier eigentlich ein Einzelgänger ist.

Er lauert vor der Küste Kaliforniens: Ein Weisser Hai.

Er lauert vor der Küste Kaliforniens: Ein Weisser Hai.
Bild: Keystone

Jagdgebiete des Weissen Hais auf der Karte der Forscher: Rechts zu sehen ist die Küste von Kalifornien.

Jagdgebiete des Weissen Hais auf der Karte der Forscher: Rechts zu sehen ist die Küste von Kalifornien.

In der Mitte liegt das Wintergebiet: Zugrouten des Weissen Hais.

In der Mitte liegt das Wintergebiet: Zugrouten des Weissen Hais.

Zwischen Mexiko und Hawaii gibt es einen festen Treffpunkt, an dem sich viele der Tiere im Winter einfinden. Das berichten US-Forscher im Fachmagazin «Proceedings of The Royal Society B». Sie nennen den Ort «Das Café zum Weissen Hai».

Bislang war relativ wenig bekannt über das Wanderverhalten der Weissen Haie. Die Forscher der Universität von Stanford verfolgten nun aber zehn Jahre lang die Wege von fast 100 Haien mit Hilfe elektronischer Sender und den Tieren entnommener Gewebeproben.

Bei den erforschten Weissen Haien handelt es sich um die Angehörigen einer ganz eigenen Population, die im Ostpazifik leben. Die einzigen beiden bislang bekannten Populationen sind vor der Küste Südafrikas und zwischen Australien und Neuseeland heimisch.

Im Herbst vor Kalifornien, im Sommer vor Hawaii

Bislang wurde angenommen, die Weissen Haie würden ohne festes Ziel die Ozeane auf der Suche nach Nahrung durchqueren. Die nun untersuchte Population im Ostpazifik folgt aber festen Routen und auch festen Zeitplänen.

So suchen die Tiere, die bis zu sechs Meter lang und drei Tonnen schwer werden können, zwischen August und Dezember vor der Küste Kaliforniens nach ihrer Beute, vor allem Robben und Seelöwen. Ab Januar machen sie sich auf den 4000 Kilometer langen Weg gen Westen vor die Küste Hawaiis, wo sie von April bis Juli in grosser Zahl zu finden sind.

Das Liebesleben erblüht

Einige der Reisenden - vor allem Männchen - legen aber auf halber Strecke eine Pause ein und verweilen einige Zeit in einem Gebiet, das die Forscher als «Café zum Weissen Hai» bezeichnen. Dort schauen dann auch Hai-Weibchen vorbei; die Forscher vermuten, dass tief im Meer das Liebesleben erblüht.

Ein Drittel aller im offenen Meer lebenden Haiarten, unter ihnen die Weissen Haie (Carcharodon carcharias) und die Hammerhaie, sind laut Umweltschützern wegen der Überfischung vom Aussterben bedroht. Weltweit werden jedes Jahr rund 100 Millionen Haie gefangen, häufig als Beifang in der industriellen Thunfisch-Fischerei. (oku/sda)

Erstellt: 05.11.2009, 10:34 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Wissen

Die Top-Themen im

Neu: Alle Dossiers auf einen Blick

Lernpower

Heute vor...

Leser fragen

Todgeweihte Paradiese

Wenn die Pollen fliegen




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten