Die Botanikerin, welche die Welt als Mann verkleidet umsegelte
Ehre, wem Ehre gebührt: Jeanne Baret war nicht nur die Geliebte eines prominenten Forschers, sondern auch eine exzellente Botanikerin. (Bild: PD)
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Die Französin Jeanne Baret (1740–1807) hat von 1766 bis 1769 als vermutlich erste Frau die Welt umsegelt. Als Mann verkleidet erforschte die Botanikerin die Natur, denn Frauen waren auf solchen Expeditionen unerwünscht. Trotz ihrer Leistungen wurde ihre Arbeit bislang nicht offiziell gewürdigt. Das hat sich geändert: Knapp 250 Jahre nach dem Antritt ihrer Reise ist jetzt eine Kletterpflanze nach ihr benannt.
Solanum baretiae – so heisst die Kletterpflanze, die im Süden Ecuadors und im Norden Perus wächst. Der Biologe Eric Tepe, der an den Universitäten in Utah und Cincinnati forscht, benannte die neu entdeckte Art nach der französischen Botanikerin. Veröffentlicht hat er den Namen und weitere Details zu seiner Entdeckung im Journal «Phytokeys». Solanum bezeichnet die Gattung der Nachtschattengewächse, zu der etwa 1500 Arten gehören – darunter auch Kartoffeln und Tomaten. Die Früchte der nun entdeckten Spezies Baretiae sind gelb, ihre Blütenblätter strahlen in Violett, Gelb oder Weiss und können verschiedene Formen annehmen, wie Tepe in dem Journal schreibt.
Mutter der Bougainvillea
Dieser Reichtum an Varianten inspirierte ihn dazu, die Pflanze nach der ebenfalls sehr vielseitigen Forscherin Jeanne Baret zu benennen. Wie die Pflanze habe die Französin gegen alle Widerstände zahlreiche Gegensätze in sich vereint, so Tepe: Als Frau musste sie sich als Mann verkleiden, als Botanikerin begab sie sich auf ein von Männern dominiertes Terrain, und als Frau der Arbeiterklasse reiste sie weiter als viele Adelige zur damaligen Zeit.
1766 begleitete Baret den bekannten Botaniker Philibert Commerçon auf der ersten Weltumseglung unter französischer Flagge. Die Besatzung durfte nichts von ihrer wahren Identität erfahren. Vermutlich kannte Commerçon die junge Frau aber schon vor der Expedition. Die beiden sollen ein Paar gewesen sein.
Mehr als die Geliebte des Forschers
Die Forschergruppe sammelte mehr als sechstausend Pflanzen an ihren exotischen Zielen: Rio de Janeiro, Tahiti, Mauritius, Madagaskar und mehrere Orte an der südamerikanischen Magellanstrasse. Mehr als siebzig Pflanzen wurden nach Commerçon benannt, aber bislang erinnerte keine einzige an Baret. Dabei war sie als exzellente Botanikerin viel mehr als bloss die Geliebte des prominenten Forschers.
Als Commerçon erkrankte, übernahm sie die Verantwortung für die Sammlungen. Ihr gelang die bekannteste der zahlreichen Entdeckungen: eine Kletterpflanze, die nach dem Kommandanten der Flotte, Louis Antoine de Bougainville, benannt ist. Commerçon selbst wollte einer Gattung aus Madagaskar den Namen Baretia geben – zu Ehren seiner Freundin. Doch er starb, bevor es dazu kam. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.01.2012, 08:55 Uhr
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