Die Mücken gewinnen den Malaria-Krieg
Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit findet ein «Krieg» statt. Der Schauplatz der Tragödie ist die Region entlang der Grenze von Thailand und Kambodscha. Der Gegner der Menschen ist ein Moskito. Ein Insekt, das mit seinen Stichen Malaria überträgt. Wenn die Welt nichts unternimmt, droht eine humanitäre Katastrophe mit Millionen von Toten. Der Malariaerreger bedroht insbesondere die Schwächsten: die Armen, die Kinder und die schwangeren Frauen.
Mit drastischen Worten beschreibt eine Reportage, die in der britischen Zeitung «The Independent» erschienen ist, die Gefahr, welche die Malaria für die Menschen in Asien darstellt. Bereits jetzt stirbt alle 30 Sekunden ein Mensch an der Krankheit.
Resistenzen gegen wichtigstes Medikament
Eben dachte man, die Krankheit einst ausradieren zu können. In der Bekämpfung verzeichnete man schöne Erfolge, vor allem in Afrika, wo die Ansteckungsraten teilweise halbiert wurden. Nun stösst der Kampf gegen die Malaria - nach Aids und Tuberkulose der drittgrösste Killer der Welt - aber auf neue Schwierigkeiten. Dies zeigen neuere Forschungsarbeiten. Das beunruhigende Fazit lautet: Malariaerreger in Asien zeigen zunehmende Restistenzen gegenüber dem derzeit wichtigsten Medikament Artemisinin.
«Während die neuen Therapien in Südasien noch äusserst wirksam sind, zeigt sich im Westen Thailands schon eine deutliche Abnahme ihrer Wirksamkeit und in Kambodscha echte Resistenz», stellte ein Forscher fest. Neuere Studien zeigen auch, dass eine Kombination von Artemisinin mit anderen Medikamenten die Entwicklung von Resistenzen verhindern oder zumindest verzögern kann. Diese Annahmen erwiesen sich in der Realität aber als zu optimistisch.
Bedeutende Erfolge erst im Labor
Im Kampf gegen die Malaria vermelden Forscher immer wieder Erfolge, die in den betroffenen Regionen Hoffnung verbreiten. So wollen australische Wissenschafter einen Parasiten, der die Lebenszeit von Insekten verkürzt, auf Moskitos ansetzen und damit die Verbreitung von Malaria eindämmen. Weltweit wird auch an neuen, wirksameren Arzneien gearbeitet. Eine neue Art von Medikamenten soll es dem Malariaerreger erschweren, Resistenzen zu bilden: Das zeigt eine US-Studie, an der auch das Basler Tropeninstitut beteiligt war. Dabei soll das Medikament in der Lage sein, den Malariaerreger auf verschiedene Arten anzugreifen.
Das Problem bei all diesen Entdeckungen ist: Sie stecken noch in der Experimentierphase, können also noch nicht grossflächig und kostengünstig im Kampf gegen die Malaria eingesetzt werden. Bis betroffene Regionen wie im Grenzgebiet Kambodscha-Thailand die notwendige Hilfe bekommen, wird es wohl viel zu lange dauern. (vin)
Erstellt: 12.08.2009, 17:57 Uhr







