Die Schweiz hat eine eigene Wespe

Eine am Greifensee entdeckte Wespe entpuppt sich als neue Art. Sie trägt jetzt den Namen Polistes helveticus.

Gestatten: Die Feldwespe Polistes helveticus. Foto: Christine Dobler Gross

Gestatten: Die Feldwespe Polistes helveticus. Foto: Christine Dobler Gross

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Wer sich mit Wespen beschäftigt, der muss besonders sorgfältig arbeiten. Da gibt es die Faltenwespen. Und deren Unterfamilie sind die Feldwespen, die wiederum weltweit rund 29 Gattungen und 800 Arten aufweisen. Die in der Fachzeitschrift «Zoo Keys» beschriebene neue Art «Polistes helveticus» gehört zur Gattung der Echten Feldwespen (Polistes). Um diese Vielzahl an ­Arten zu unterscheiden, bedarf es nicht nur eines geübten und scharfen Auges für Form und Körper, sondern auch genetischer Analysen. Solche führten die Schweizer Insektenforscher durch – und entdeckten, dass eine Wespenart in der Schweiz seit Jahren den falschen Namen trug.

Die Geschichte beginnt vor sechs Jahren in einem Ried am Greifensee, heisst es in einer Mitteilung des Naturhistorischen Museums. Dort entdeckte Rainer Neumeyer, der Hauptautor, eine Wespenart, die zu keiner der bekannten ­Beschreibungen richtig passte. Gewisse Merkmale hatten etwas von der Gallischen Feldwespe (Polistes gallicus) , die es aber vorzieht, an trockenwarmen Standorten zu nisten. Andere Eigenschaften sprachen eher für die Zierliche Feldwespe (Polistes bischoffi), die in Feuchtgebieten und waldnahen Bio­topen lebt. Der einzige bekannte Ort, an dem beide Wespenarten vorkommen, so schrieben Neumeyer und Kollegen in einem Aufsatz im «Entomo Helvetica» vor drei Jahren, sei allerdings ein Feuchtgebiet nordöstlich von Genf.

Nun hat sich das Geheimnis gelüftet. Bei den neu entdeckten Wespen handelt es sich tatsächlich um eine neue Art. Die Schweiz kommt deshalb unverhofft zu ihrer eigenen Schweizer Wespe, der Polistes helveticus.

Klimawandel sei Dank

Die glückliche Entdeckung schreibt das Naturhistorische Museum im weitesten Sinne dem Klimawandel zu. Die Zierliche Feldwespe habe ihren Lebensraum im Zuge der Erderwärmung von Südeuropa gegen den Norden ausgeweitet – bis nach Mitteleuropa. Sie wurde bereits in den 1930er-Jahren von Wolfgang Weyrauch in Sardinien entdeckt, spätere Funde in Mitteleuropa zählte er auch zu dieser Art. Erst als die Polistes bischoffi auftauchte, so heisst es in der Mitteilung, sei es den Insektenforschern bewusst geworden, dass es hierzulande eine neue Art geben muss.

Die Schweizer Wespenforscher waren aber auch nicht immer gegen Irrtümer gefeit, wie es im «Entomo Helvetica» heisst. So wurde mit dem Namen Gallische Feldwespe zuerst eine andere Art bezeichnet, nämlich die bei uns weitverbreitete Hausfeldwespe. Die Gallische Feldwespe war in der Schweiz lange Zeit nur im Misox und im Tessin bekannt, 1997 wurde sie dann erstmals im Genfer Becken gesichtet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2014, 11:06 Uhr

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