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«Elefanten haben Sinn für Humor»

Von Monica Müller. Aktualisiert am 20.02.2012 6 Kommentare

Carlo Cathomen ist Elefantenpfleger im Zürcher Zoo. Er kann sich keinen besseren Job vorstellen. Seine Elefanten verstehen 15 Kommandos, wollen aber nicht immer gehorchen.

«Sie mögen es nicht, wenn man mit ihnen schimpft»: Carlo Cathomen braucht viel Feingefühl im Umgang mit seinen Dickhäutern.

«Sie mögen es nicht, wenn man mit ihnen schimpft»: Carlo Cathomen braucht viel Feingefühl im Umgang mit seinen Dickhäutern.
Bild: Tom Kawara

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Herr Cathomen, was gefällt Ihnen an Elefanten?
Elefanten sind grosse Tiere, mit einem feinen Gespür und einem Sinn für Humor. Sie wissen genau, was sie dürfen und was nicht und loten stets spielerisch die Grenzen aus. Spüren sie, dass wir angeschlagen oder müde sind, nützen sie das sofort aus. Sie stellen sich zu nahe an uns, heben den Fuss, als wollten sie uns treten, oder tasten uns mit ihren Rüsseln nach Essbarem ab, rupfen am Schal.

Sind Sie als Pfleger der Chef der Elefanten oder eher ein Kollege?
Der Umgang ist kollegial, aber die Elefanten müssen uns folgen, sonst wird es gefährlich. Mit unseren 80 Kilos sind wir ihren bis zu 5000 Kilos klar unterlegen.

Wie setzen Sie sich durch?
Mit bestimmtem Auftreten und der Stimme. Elefanten mögen es nicht, wenn man laut wird. Schimpft man mit ihnen, wissen sie: Jetzt gilt es Ernst. Wie bei der Kindererziehung muss man immer konsequent sein.

Welche Eigenschaften muss ein Elefantenpfleger mitbringen?
Er muss sich mit Mimik und Körpersprache subtil durchsetzen und nach Bedarf auch dominant auftreten können. Es braucht Feingefühl und eine gute Beobachtungsgabe. Denn Elefanten sind vordergründig robust und zeigen lange nicht, wenn ihnen etwas fehlt. Ruhig und ausgeglichen sein ist auch wichtig, nervöse Menschen irritieren Elefanten. Schliesslich müssen Pfleger auch körperlich fit sein, wir wischen, misten und putzen viel.

Wie lange beschäftigen Sie sich im Alltag tatsächlich mit den Elefanten?
Schon zwei, drei Stunden. Maxi, Druk, Indi, Chandra, Ceyla und Farha befolgen etwa 15 Kommandos, wie «down» (runter), «here» (hierhin), «push» (stossen, «go on» (weitergehen), «diuk» (Kopf neigen) oder «Nase weg» (Rüssel weg). Die Kommandos helfen uns, sie zu waschen, ihre Füsse zu pflegen, ihre Zähne zu kontrollieren, sie zu füttern und ins Aussengehege zu lotsen.

Wie sind Sie Elefantenpfleger geworden?
Nach der Schule brach ich eine Lehre bei der Rhätischen Bahn ab – das war überhaupt nicht mein Ding. Ich wollte beruflich mit der Natur zu tun haben und kam so auf die Idee, Tierpfleger in einem Zoo zu werden. Man riet mir, Bauer zu lernen, um meine Berufschancen zu verbessern. Doch ich hatte Glück und konnte beim privaten Walter Zoo in Gossau eine Lehrstelle antreten. Ich betreute Schimpansen, Huftiere, Raubtiere und Reptilien und wusste: Hier bin ich am richtigen Ort. Seit 20 Jahren bin ich nun Tierpfleger im Zoo Zürich.

Wurden Sie gleich bei den Elefanten eingeteilt?
Nein, Tierpfleger arbeiten erst immer in verschiedenen Revieren. Dann zeigt sich, ob jemand eher der Reptilien- oder Raubtiertyp ist. Bei den Elefanten hat es mich gleich gepackt! Früher spielte ich immer wieder einmal mit dem Gedanken, etwas ganz anderes zu machen. Seit ich Elefantenpfleger bin, habe ich meinen Traumjob gefunden. Ich kann mir gut vorstellen, mit den Elefanten in Pension zu gehen. Jeder Tag ist anders.

Welche Anekdote werden Sie noch im Altersheim erzählen?
Als Chandra noch ein ganz kleiner Elefant war, fiel sie in den Graben im Aussengehege. Sie lag mit dem Kopf nach unten da und schaffte es nicht, mit Schwung aufzustehen. Wir versuchten, sie aufzustellen, doch mit ihren über 100 Kilos war das nicht so einfach. Plötzlich stand ihre Mutter Indi neben uns. Sie war, auf ihren Rüssel abgestützt, in den Graben hinuntergeklettert, um ihrer Kleinen zu helfen. Mit dem Kommando «push» gaben wir Indi Anweisungen, und so gelang es uns schliesslich gemeinsam, Chandra wieder auf die Beine zu stellen. Das war Teamwork! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.02.2012, 18:17 Uhr

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6 Kommentare

Angela Nussbaumer

21.02.2012, 09:26 Uhr
Melden 50 Empfehlung

Wunderbar! Es gibt auch schöne Geschchten/Berichte im Tagi. Immer mal wieder.
Merci villmal.
Antworten


Gerda Schuurman

21.02.2012, 10:13 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Schöner, sympathischer, zufriedener Mann. Da haben sowohl er als auch die Elefanten Glück gehabt. Antworten



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