Farbiger Gesang des Zwergwales
Der Finnwal stöhnt, der Buckelwal pfeift, und der Zwergwal pocht. Dessen Gesang hört nur ein empfindliches menschliches Ohr. Es sind niederfrequente Schwingungen – hundert oder zweihundert Hertz.
Der Zwergwal singt psychedelisch – den Eindruck vermittelt uns zumindest Mark Fischer. Er hat den Gesang eines Balaenoptera acutorostrata mithilfe der Mathematik zu einer pulsierenden Sonne mit flammendem Zentrum transformiert. Bei Fischer werden Wale zu Künstlern. Ob Finnwal, Buckelwal oder Killerwal – alle produzieren ein eigenes, charakteristisches Ornament, abhängig von den unterschiedlichen Frequenzen ihres Gesanges.
Was die Werke über den Charakter der Säugetiere aussagen, sei dem Betrachter überlassen. Sicher ist beim Nördlichen Zwergwal: Die Töne stammen von einem Männchen während der Paarungszeit. Die Weibchen hören sie unter Wasser auf lange Distanz.
Vielleicht bleiben in ferner Zukunft nur noch diese «Kunstwerke» als Erinnerung an den verhältnismässig kleinen Wal übrig. Der Feind des Zwergwales ist der Mensch. Für Japaner, Norweger und Isländer ist die Jagd nach dem sieben bis zehn Meter langen Säuger ein einträgliches Geschäft. Sie wird betrieben trotz internationalem Moratorium gegen den kommerziellen Walfang.
Der Gesang ist für die Wale überlebenswichtig. Die Säuger kommunizieren und orientieren sich auf diese Weise, weil sie im dunklen Ozean nicht gut sehen. Doch immer wieder stranden Wale. Manche Forscher glauben, Ortungssysteme von Schiffen störten den betörenden Gesang der Tiere. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.07.2009, 08:43 Uhr
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