Fledermaus fliegt und läuft flink auf allen vieren
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Einheimische Fledermäuse sehen
Vom Freitag, 28. August, bis Sonntag, 30. August, findet auch in der Schweiz die «Europäische Nacht der Fledermäuse» statt. Eine auf Füssen und Flügeln laufende Fledermaus sucht man hierzulande zwar vergebens, doch in über 30 Veranstaltungen werden Biologen und Fledermausschützer über ebenso interessante Besonderheiten der 30 heimischen Arten berichten. Neben nächtlichen Exkursionen werden auch Ausstellungen, Informationsstände und zahlreiche weitere Aktionen angeboten.
Fledermäuse sind als hervorragende Flieger bekannt. Doch nicht alle Vertreter ihrer Art verzichten deshalb aufs Gehen. Die Kleine Neuseelandfledermaus Mystacina tuberculata zum Beispiel läuft ähnlich häufig auf allen vieren in ihre Erdhöhle, wie sie dorthin fliegt, beobachteten Forscher. Bisher dachten Evolutionsbiologen, das höchstens 15 Gramm schwere Tier hätte sich durch diesen für Fledermäuse aussergewöhnlichen Vierbeiner-Gang an das besondere Ökosystem in Neuseeland angepasst. Bis vor tausend Jahren haben dort keine Säugetiere gelebt, die am Boden ihrer Beute nachstellen.
Wie vor 20 Millionen Jahren
Diese Theorie entkräften jetzt Suzanne Hand und ihre Kollegen von der University of New South Wales in Sydney. Die Wissenschaftler haben Überreste einer Fledermausart gefunden, die sich vor 20 Millionen Jahren genau wie ihre heute lebende neuseeländische Verwandte durch den Regenwald Australiens bewegte («BMC Evolutionary Biology», online). Damals gab es in Australien durchaus Säugetiere, die am Boden nach Beute suchten.
Genau wie die Neuseelandfledermaus konnte auch dieser frühere Verwandte seine Flügel offensichtlich sehr geschickt als Vorderbeine einsetzen, zeigen die kürzlich entdeckten Fossilien.
Anders als bei anderen Fledermäusen wächst auch aus dem Daumen eine Kralle, mit der die Fledermaus den Griff des als Vorderbein dienenden Flügels erheblich verbessert. Ähnlich wie bei Geckofüssen haben auch die Fledermaus-Sohlen tiefe Falten. Damit optimieren sie die Bodenhaftung. Mit diesen Anpassungen wieselt die Neuseelandfledermaus ähnlich flink wie eine echte Maus über den Boden.
Die Flügel sind am Boden geschützt
Seine Flügel rollt das Tier am Boden in eine lederne Membran ein und schützt so die empfindlichen Flughäute vor Verletzungen. Sind sie ausgerollt, fliegt die Fledermaus ähnlich geschickt wie alle anderen rund 900 Fledermaus- und 200 Flughund-Arten wenige Meter über dem Boden durch den Regenwald. Weshalb ihre Vorfahren in Australien und die heute stark gefährdete Neuseelandfledermaus sich zusätzlich zu einem geschickten Bodenjäger entwickelt haben, der Insekten fängt oder sich an Früchten und Vogeleiern labt, ist seit dem Fossilfund in Australien noch rätselhafter als zuvor. Ein Mangel an Bodenfeinden kann jedenfalls nicht der Grund gewesen sein. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.08.2009, 08:29 Uhr







