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Gott schlägt Darwin

Von Oliver Hochadel. Aktualisiert am 07.02.2009 13 Kommentare

Weltweit gesehen ist die Evolutionstheorie von Charles Darwin nicht mehrheitsfähig: Kreationisten und Muslime sind stärker.

150 Jahre Evolutionstheorie: Zahlreiche Museen weltweit widmen Charles Darwin dieses Jahr Ausstellungen. Hier ein Plakat des Natural History Museum in London.

150 Jahre Evolutionstheorie: Zahlreiche Museen weltweit widmen Charles Darwin dieses Jahr Ausstellungen. Hier ein Plakat des Natural History Museum in London.
Bild: Keystone

Umfrage

Lehnen Sie die Evolutionstheorie aus religiösen Gründen ab?

Ja

 
17.6%

Nein

 
82.4%

1873 Stimmen


Für Biologen ist die Evolution eine umfassend bewiesene Tatsache. Die überwältigende Mehrheit ihrer Mitbürger sieht dies – global betrachtet – anders.

Verlässliche Umfragen gibt es für die westliche Welt: Jon D.Miller, Eugenie C.Scott und Shinji Okamoto verglichen im August 2006 die Akzeptanz der Evolutionstheorie in 32 europäischen Ländern, Japan und den USA. In diesem Ranking kam die Schweiz auf Platz 22 (62 Prozent Darwin-Akzeptanz), vor der Slowakei, aber hinter Malta.

Mehr Darwin-Skeptiker im Osten – und in den USA

Die Studie zeigt ein West-Ost-Gefälle. In Westeuropa akzeptieren 69 Prozent die Evolutionstheorie, in Osteuropa sind es lediglich 60 Prozent. Der Kommunismus scheiterte auch bei seinem Versuch, die Menschen mit seiner materialistischen Weltanschauung zu beglücken. Nach 1989 strömten bibeltreue Evangelikale nach Osteuropa, aber auch die orthodoxe und die katholische Kirche stiessen in das ideologische Vakuum vor.

In erster Linie politisch motiviert ist auch die schärfer werdende Auseinandersetzung zwischen Islamisten und Laizisten in der Türkei. Als schrillster Gegner des Darwinismus hat sich der muslimische Erzkreationist Adnan Oktar etabliert. Er schiebt der Evolutionslehre gar die Schuld am Terrorismus zu. In der Studie von Miller landete die Türkei auf dem letzten, die USA auf dem vorletzten Platz.

Für den US-Wissenschaftshistoriker Ronald Numbers sind die Vereinigten Staaten das Mutterland und der erfolgreiche Exporteur des Kreationismus. Genährt vom Umfeld evangelikaler Kirchen, haben sich dort zahlreiche schlagkräftige Organisationen gebildet, die längst über die Landesgrenzen hinaus wirken. Neu ist die enorme Politisierung: Die Korrelation zwischen Kreationisten und der Anhängerschaft der Republikanischen Partei ist sehr hoch.

Viele traditionelle Christen in Afrika

Zum subsaharischen Afrika liegen kaum Untersuchungen vor. Ronald Numbers glaubt aber, dass das traditionelle Christentum in Afrika so stark und folglich die Evolutionstheorie so schwach sei, dass sich den Kreationisten neuer Prägung kaum Angriffsmöglichkeiten böten.

In Ostasien beantwortet die grosse Mehrheit die Frage, ob Menschen sich aus anderen, früher existierenden Spezies entwickelt hätten, mit ja. In einer Umfrage von 2001 waren dies in Japan 78, in China 70 und in Südkorea 64 Prozent. Dies könnte daran liegen, dass es in Ostasien keine indigenen religiösen Traditionen gibt, die der Evolution feindlich gegenüberstünden, so Glenn Branch vom National Center for Science Education im kalifornischen Oakland.

In Ägypten stützen nur 8 Prozent Darwin

Zur islamischen Welt liegen nur wenige verlässliche Untersuchungen vor. Das liegt auch an praktischen Gründen, etwa der Übersetzung der Fragebögen. In Bahasa (Indonesien) gibt es verschiedene Begriffe für «Vorfahr», «Evolution» hat atheistische Konnotationen. Ein unvorsichtig gewählter Begriff kann die religiöse Empfindlichkeit mancher Muslime verletzen, etwa wenn man nach der «wissenschaftlichen Verlässlichkeit» des Korans fragt.

Einige Zahlen gibt es aber: in Ägypten bejahten nur 8 Prozent die Frage, ob sie mit der Evolutionstheorie übereinstimmten, in Malaysia 11 und in Pakistan 14 Prozent.

Der Kreationismus wird exportiert

Wie wird es weitergehen? In Nordamerika und Europa, ist die Lage einigermassen stabil. Anders in Südamerika, Afrika und weiten Teilen Asiens: Die Bevölkerung dort ist wenig säkularisiert, offen für Wunder und Zeichen, erklärt Glenn Branch. Nicht nur die Wirtschaft globalisiert sich, auch der Kreationismus. Evangelikales Christentum und Islam ziehen an einem Strang. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2009, 09:09 Uhr

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13 Kommentare

Andi Wegmann

10.02.2009, 10:52 Uhr
Melden

Wie wäre es, eine Umfrage mit mehr Auswahlkriterien zur Verfügung zu stellen? Ich lehne die Evolutionstheorie, so wie sie heute gelehrt wird, nicht aus religiösen Gründen ab, sondern weil sie schlicht unvollständig und grösstenteils nicht bewiesen ist. Sie ist und bleibt eine Theorie, und doch wird sie wie ein Dogma gelehrt - obwohl es wissenschaftliche Funde gibt, die gegen sie sprechen. Antworten


Achim Stösser

09.02.2009, 19:32 Uhr
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Wird Zeit, aus dem Mittelalter auszubrechen ... erscheckend, wenn Länder, in denen "nur" 30-40% die Erde für eine Scheibe halten (im übertragenen Sinn) als "fortschrittlich" gelten. Zum Darwin-Jahr gibt es eine Aufklärungskampagne: "Darwin-Tag im Darwin-Jahr", http://antitheismus.de Antworten



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