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«Mehlwürmer in Schoko-Pralinen sind fein»

Die Biologin Claudia Hoffmann sagt, warum sie essbare Insekten für das Steak der Zukunft hält und Larven sehr schmackhaft sein können.

Wahre Proteinbomben: Der Verzehr von Insekten wird in der Schweiz zum Thema.

Wahre Proteinbomben: Der Verzehr von Insekten wird in der Schweiz zum Thema. Bild: Keystone

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Ist es nicht ekelig, frittierte ­Mehlwürmer, geröstete Heugümper oder marinierte Mottenlarven zu essen?
Am Anfang hat es mich etwas Überwindung gekostet, danach gewöhnt man sich aber schnell daran. Mehlwürmer in Schokolade als Pralinen sind zum Beispiel sehr fein und haben einen nussigen Geschmack. Bei Heuschrecken kann man nicht alles essen, sondern entfernt die Flügel und auch die Beine mit ihren Widerhaken, die einem sonst im Hals stecken bleiben können. Gegrillte Heuschrecken sind recht knackig, schmecken aber eher neutral, vielleicht ein bisschen nach Poulet und Chips.

Kann man in der Schweiz essbare Insekten kaufen?
Obwohl man sie eigentlich auch hier im Zoogeschäft erhalten könnte, sollte man aus hygienischen Gründen lieber solche für den menschlichen Konsum besorgen, etwa aus Holland. Vor kurzem habe ich mir gefriergetrocknete Insekten, darunter Termiten, Seidenraupen­lar­ven, Riesenwanzen sowie Junikäfer, aus Thailand bestellt, die kamen aber nicht durch den Schweizer Zoll. So habe ich nur ein leeres Paket erhalten.

Ist das Essen von Insekten in der Schweiz verboten?
Nein, das darf man. Doch es ist nicht ­erlaubt, sie als Lebensmittel anzubieten oder zu verkaufen. Das ist eigenartig, da man hier zum Beispiel Murmeltiere oder Seegurken essen darf. Denn sie stehen im Gegensatz zu Insekten auf der Liste der Lebensmittelverordnung. Als diese erstellt wurde, hat noch niemand daran gedacht, dass man auch Insekten essen könnte. Um sie im Restaurant anzu­bieten, braucht es deshalb bei uns eine ­Sondergenehmigung.

Warum sollten die Sechsbeiner überhaupt auf unseren Tellern landen?
Zum einen sind viele Insekten lecker und auch noch wahre Proteinbomben. Sie enthalten so viel Eiweiss wie ein Steak. Zum anderen ist ihre Aufzucht wesentlich umweltfreundlicher als die Produktion von Fleisch. Weil Insekten Kaltblüter sind, ist ihre Umwandlungsrate von Futter zu Fleisch deutlich grösser als bei Tieren aus konventioneller Viehhaltung. Im Durchschnitt können Insekten zwei Kilogramm Futter in ein Kilogramm Insektenmasse umwandeln. Rinder benötigen dagegen acht Kilogramm, um ein Kilogramm Körpermasse zu produzieren. Und Mehlwürmer produzieren zum Beispiel 10- bis 100-mal weniger Treibhausgase pro ­Kilogramm Körpermasse als Schweine.

Was fressen gezüchtete Insekten?
Es kommt ganz drauf an. Heuschrecken fressen beispielsweise Gräser. Sie können sich aber auch von Bioabfällen wie Gemüse- oder Früchteschalen ernähren. Dies spart Ressourcen und ist somit noch umweltfreundlicher. Einen Tag vor dem Einfrieren der Tiere erhalten die Heuschrecken kein Futter mehr, damit ihr Darm vollständig leer ist. Mehlwürmer, die im Prinzip Käfer im Larven­stadium sind, ernähren sich vorwiegend von ­Körnern und Getreide.

Essbare Insekten, 3. 11., Uni Zürich. Der Anlass ist ausgebucht. Am 4. 11. sind die Vorträge auf tagesanzeiger.ch zu sehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.11.2014, 08:36 Uhr

Claudia Hoffmann

Die Biologin und Gründerin des Vereins Insectissimo hat mit Marcelo Sánchez von der Uni Zürich die Veranstaltung «Essbare Insekten» organisiert.

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