Tierische Untermieter lieben den Sommer

Von Raphael Hegglin. Aktualisiert am 13.07.2009 3 Kommentare

Die gute Stube ist jetzt wieder häufiger die Verkehrsachse von Spinnen, Schaben und anderen Tierchen. Je nachdem sollte man bei einem Befall Profis rufen.

«Insekten sind quasi die Putztruppe der Natur.» Biologin Gabi Müller von der städtischen Beratungsstelle.

Dominique Meienberg

Der Mistkäfer ist in den Augen seiner Mutter eine Schönheit, besagt ein Sprichwort. Dasselbe gilt wohl für Schaben, Milben und Wanzen. Und die gedeihen dieser Tage gut: Ist es draussen warm, so kreucht und fleucht es wieder – nicht nur draussen, sondern bisweilen auch in Wohnräumen. Hier sorgen die Tierchen mitunter für Ekel oder gar Entsetzen.

So häufen sich zurzeit bei der Biologin Gabi Müller Anfragen besorgter Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher. Gabi Müller ist Mitarbeiterin der städtischen Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung beim Umwelt- und Gesundheitsschutz. Dass Schädlingsmeldungen im Sommer zunehmen, liegt nicht nur an den lauen Sommertagen, sondern auch an der Reisezeit. «Aus einem im Koffer eingeschleppten Kakerlakenweibchen kann bald eine ganze Kolonie werden», so Müller. Probleme bereiten im Moment auch unfreiwillig importierte Bettwanzen. Durch die erhöhte Mobilität beschränkt sich deren Lebensraum längst nicht mehr nur auf die Tropen.

Die meisten sind nützlich

Biologin Müller betont, dass nicht jeder Eindringling im Wohnzimmer die Gesundheit gefährdet. «Insekten sind grundsätzlich wichtige Nützlinge, die Putztruppe der Natur sozusagen», sagt sie und zeigt auf die Insekten-Kästen in ihrem Büro. In Reih und Glied sind Dutzende von einheimischen und eingeschleppten Insekten und Spinnentieren aufgespiesst, von der winzigen Zecke bis zur daumengrossen Schabe. Jedes Tier ist mit einem grünen, gelben oder roten Punkt gekennzeichnet. Nur ein roter Punkt stehe für Tiere, die in jedem Fall unerwünscht seien, erklärt Müller. Davon sind nur wenige zu sehen.

Gelb wiederum stehe für Nützlinge, die unter gewissen Voraussetzungen zum Problem werden können. Beispielsweise Hornissen: «Ein grosses Hornissenvolk ist überaus nützlich. Es kann täglich bis zu 500 Gramm Insekten erbeuten, das sind Tausende von Insekten.» Problematisch werde es nur, wenn sich ein Volk auf dem Balkon oder im Rollladenkasten einnistet.

Eklig aber harmlos

Die meisten Tiere – Maikäfer, Spinnen, Waldschaben beispielsweise – sind mit einem grünen Punkt versehen, also harmlos. Was nicht heisst, dass sie nicht ebenfalls für Ekel sorgen können. Auch wenn die meisten Tierchen unbedenklich sind: «Wer nicht sicher ist, sollte durch Profis abklären lassen, um welche Tiere es sich handelt», sagt Müller. In ihren über 50 Merkblättern listet die Beratungsstelle auch einige Arten als Hygiene-Schädlinge auf. Diese können Lebensmittel, Tapeten und Holzmöbel befallen oder als Parasiten Blut saugen und Krankheiten übertragen.

Bei Verdacht auf Schädlingsbefall sollte man sofort handeln. Wer zu lange wartet, könnte sich sonst mit einer regelrechten Plage konfrontiert sehen. «Wir haben schon Wohnungen gesehen, in denen es geradezu gewimmelt hat von Kakerlaken», erzählt Müller. Dies sei aber meist nur der Fall, wenn zu lange nichts unternommen würde. Viele Leute schämen sich, wenn sie Schädlinge in der Wohnung haben. Zu Unrecht, sagt die Biologin. Selbst Spitäler, der Inbegriff klinischer Hygiene, seien nicht gegen sie gefeit. Liegt ein Schädlingsbefall vor, dann hilft meist nur professionelle Schädlingsbekämpfung.

Keine unnötige Insektiziden

Eine seriöse Firma behandelt Wohnungen allerdings nur, wenn der vermutete Schädling auch tatsächlich gefunden wird. Müller rät davon ab, auf eigene Faust Insektizide zu versprühen: «Meist gelingt es nicht, alle Schädlinge zu vernichten und man versprüht nur unnötig Gift.» Das könne mitunter auch gesundheitsschädlich sein. Da Hygieneschädlinge eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen, kann die Behörde deren Bekämpfung sogar anordnen. In Miethäusern, wenn mehr als eine Wohnung betroffen ist, muss der Vermieter eine Schädlingsbekämpfungsfirma aufbieten.

Vorbeugen ist allerdings besser als heilen. Müller rät, die Koffer nach den Ferien auf dem Balkon auszupacken und zu lüften. So werden mitgereiste Tiere nicht in die Wohnung eingeschleppt. Neben den üblichen Hygienemassnahmen sollten zudem Lebensmittel möglichst in verschlossenen Behältern aufbewahrt werden, damit die kleinen Krabbelviecher für sich und ihren Nachwuchs keine Nahrung finden.

Den kostenlosen Service der städtischen Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung können nur Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher in Anspruch nehmen. Weitere Infos auf dem Merkblatt «Institute, welche Insektenbestimmungen durchführen»: www.stadt-zuerich.ch/ schaedlingsbekaempfung

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2009, 09:45 Uhr

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3 Kommentare

Adrian Müller

13.07.2009, 10:51 Uhr
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Bitte werfen Sie nicht Spinnen und Schaben in den gleichen Topf. Die Spinne ist ein äusserst nützlicher Vertilger von Ungeziefer aller Art. Die Schaben, welche in Häuser eindringen und Esswaren befallen, gehören zum übelsten Ungeziefer überhaupt. Übrigens, wenn keine Spinnen existieren würden, wäre der Himmel im Sommer schwarz vor Insekten. Antworten


Ronnie König

13.07.2009, 15:38 Uhr
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Spinnen und Schaben sind Überlebenskünstler. Seit mehr als 200Mio. Jahren schon. Diesen Kampf können wir führen, aber niemals gewinnen. Schaben trotzen sogar Atombomben. Die Spinnen sind auf ein erträgliches Mass geschrumpft, sonst würden sie uns als Nahrung betrachten. Die Waldschabe kommt auf Besuch, ist aber unschädlich. Hatte schon Bücherskorpione! Antworten



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