Vergifteter Bio-Lachs

Untersuchungen verschiedener Lachszuchten in Frankreich zeigen: Herkömmlich gezüchtete Fische enthalten weniger Giftstoffe als Bio-Lachs.

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So stellt man sich eine Bio-Lachszucht wohl nicht vor: Ein Metallbecken mit langem Kunststoffrohr, Massenimpfungen im Lastwagen-Anhänger und Verarbeitung am Laufband mit Tausenden Fischen. Doch genau das haben Journalisten der französischen Sendung «Thalassa» von France 3 in Zusammenarbeit mit dem gleichnamigen Magazin bei ihren Recherchen vorgefunden, wie «24 Heures» schreibt.

Ein Teil der Untersuchung sticht besonders ins Auge: Eine Analyse eines unabhängigen Labors hat im fertigen Bio-Lachs in Frankreich mehr Schwermetalle wie Quecksilber und krebserregendes PCB gefunden als in herkömmlich gezüchtetem Lachs.

Das Bio-Futter ist das Problem

Die Giftstoffe seien paradoxerweise gerade wegen der Konditionen des Bio-Labels erhöht, erklärt «24 Heures» dazu. So sei die Nahrung in herkömmlichen Lachszuchten hauptsächlich pflanzenbasiert, während die Nahrung in Bio-Zuchten hauptsächlich aus Ölen und Teilen kleinerer Fische bestehe.

Diese würden zwar aus nachhaltigem Fischfang stammen, aber aus dem Meer – und die Meere selbst sind heutzutage verschmutzt. «Die Verschmutzung steigt so die Nahrungskette hoch und landet auf dem Teller», fasst die Zeitung zusammen.

Noch keine Analyse in der Schweiz geplant

«Es ist offensichtlich, dass dies im totalen Widerspruch zu den Marketing-Operationen steht, die lebende Fische in einem natürlichen und idyllischen Ökosystem präsentieren», sagt dazu die Verantwortliche für Ernährung beim Konsumentenschutz der Romandie, Barbara Pfenniger. Dass Bio-Lachse in Zuchten herangezogen werden, überrascht Pfenniger aber nicht, zumal die Fische erst ab einer gewissen Grösse überhaupt in einer «natürlicheren» Farm im Ozean gehalten werden können.

Die Schweizer Konsumentenschützerin erinnert zugleich an eine Analyse von geräuchertem Lachs im Schweizer Markt, bei der bloss ein Produkt mit einem fraglichen PCB-Gehalt gefunden wurde. Vor rund einem Jahr fand der «Kassensturz» hingegen das in der Landwirtschaft verbotene Pestizid Ethoxyquin in 14 von 15 Proben. Auch diese Chemikalie, vermutet der «Kassensturz», könnte aus dem Fischfutter stammen.

Die französische Untersuchung zeige, so Pfenniger, dass eine Analyse von frischem Lachs in der Schweiz nötig ist. Der Westschweizer Konsumentenschutz habe aber noch nichts dergleichen geplant.

(mch)

Erstellt: 30.11.2016, 18:33 Uhr

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