Was mit dem Aushub am Gotthard geschah

Der Tunnelbau am Gotthard förderte 28 Millionen Tonnen Gestein zutage. Wohin damit? Teil 3 unserer visuellen Serie zum Jahrhundertbauwerk.

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Gestein ist ein wertvoller Rohstoff. Als Bestandteil von Beton oder als Füllmaterial für Aufschüttungen, etwa Dämme. Beim Bau des Gotthard-Basistunnels war es die Vorgabe, so viel wie möglich wiederzuverwerten. Die aus dem Berg geförderten 28,2 Millionen Tonnen Geröll konnten zu rund einem Drittel direkt auf der Baustelle für die Herstellung von Beton gebraucht werden, der den Bedarf im Tunnel deckte. Die restlichen zwei Drittel wurden zu Schüttungsmaterial verarbeitet und zu einem Grossteil exportiert.

Beton ist ein empfindliches chemisches Gemisch. Ob ein Gestein beigemischt werden kann, hängt von seiner mineralischen Zusammensetzung ab: Glimmerreiche, feinschiefrige Gesteine oder solche aus kakiritisierten, also zermürbten, Störzonen galten am Gotthard grundsätzlich als unbrauchbar. Dagegen waren kristalline Gesteine wie Granite und Gneise geeignet. Der Grund: Gewisse Minerale sind in der alkalischen Umgebung des Betons langfristig instabil und beginnen zu reagieren. Dabei dehnt sich der Beton aus, wird rissig und zerfällt langsam. Es lohnt sich daher, das Gestein zunächst ausgiebig auf sein Verhalten zu testen, ehe es für alle Ewigkeit verbaut wird.

Die «Grünen» sind unbrauchbar

Am Gotthard erkannte man, dass vor allem Gesteine aus dem nördlichen Teil potenziell reaktiv sind. Das hat einen erdgeschichtlichen Grund: Vor ungefähr 20 bis 30 Millionen Jahren wurden die Gotthardgesteine von einer enormen Hitzequelle erfasst. Vermutlich ein aus dem Erdinneren aufsteigender Magmenkomplex wandelte die Gesteine um, während der Überlagerungsdruck durch die Alpenfaltung immer noch zunahm. Im Süden wurden die Gesteine bei hohen Temperaturen teilweise komplett rekristallisiert.

Anhand seines Mineralgehalts kann man die maximale Temperatur bestimmen, die ein Gestein erfahren hat. Demnach waren es bei Bodio Temperaturen von bis zu 800 Grad Celsius. Geht man entlang des Tunnels nach Norden, so werden die Gesteine niedriggradiger, man spricht von einem metamorphen Gradienten. Bei Erstfeld dürften es nur noch um die 250 Grad Celsius gewesen sein. Typisch für diese Temperaturen, tritt das grünliche Mineral Chlorit vielfach auf, was dem Altkristallin dort eine grünliche Färbung verlieh. Die Untersuchungen im Betonlabor ergaben, dass besonders diese sogenannt grünschieferfaziellen Gesteine nicht dem Beton beigemischt werden dürfen, da die Stabilität auf lange Sicht nicht gewährleistet werden kann.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.04.2016, 06:42 Uhr

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