Was tötet die Bienen?
Schweizweit hätten 18 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt, sagte Peter Neumann vom Zentrum für Bienenforschung der ALP auf Anfrage. Das sind zwar weniger als im vorherigen Winter, als etwa 30 Prozent der Völker starben, aber immer noch doppelt so viel wie normal. In der Schweiz starben auch 2003 besonders viele Bienen.
Die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen sind laut Neumann gross. Schlimm getroffen habe es zum Beispiel den Kanton Freiburg. Dort ging diesen Winter jedes dritte Bienenvolk ein.
«Wintersterben»
Forscher des schweizerischen Zentrums für Bienenforschung haben nun eine Offensive gegen das mysteriöse Bienensterben gestartet. Im Mittelpunkt steht die Hauptverdächtige für das Sterben ganzer Bienenvölker, die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe, wie die Forschungsanstalt ALP am Dienstag in Bern bekannt gab.
Der bei Imkern als «Wintersterben» bekannte Massentod von Bienen während ihrer Winterruhe hat in den letzten Jahren sogar weltweit zu grossen Völkerverlusten geführt.
Blutsaugender Parasit
Heute falle der Hauptverdacht auf die Varroa-Milbe, wie Bienenforscher der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) vor den Medien in Bern sagten. Im Kampf gegen die Milbe sei deshalb am Zentrum für Bienenforschung der ALP und im Rahmen des internationalen Bienenforscher-Netzwerks Coloss eine neue Forschungsoffensive gestartet worden. Ziele sind, festzustellen, ob der blutsaugende Parasit tatsächlich die Hauptursache für das Bienensterben ist sowie die Verbesserung der Bekämpfungsmethoden.
Kurzfristig wollen die Forscher alternative Methoden zum Schutz der Bienen verbessern, darunter ätherische Öle im Bienenhaus. Langfristig sollen Methoden zur nachhaltigen biologischen Bekämpfung der Milbe entwickelt werden, wie Bienenforscher Jochen Pflugfelder sagte. Dazu gehört die Entwicklung von Organismen, die auf die Milbe giftig wirken oder von Sexuallockstoffen, die die Milbe von der Biene weglocken. Weiter könnten Bienen mit höherer Varroa-Toleranz gezüchtet werden.
Ohne Bienen kein Obst
Ein Rückgang der Bienenpopulation hätte laut ALP gravierende wirtschaftliche und ökologische Folgen. Laut einer Schätzung der Forschungsanstalt von 2002 beträgt der Gesamtwert der Frucht- und Beerenernte in der Schweiz jährlich 335 Millionen Franken. 80 Prozent davon gehen auf das Konto der Bestäubung durch Honigbienen. Der volkswirtschaftliche Nutzen eines Bienenvolkes - durch Produkte aus dem Bienenstock sowie die Bestäubung von Früchten und Beeren - liege bei 1500 Franken pro Jahr. Zähle man die Bestäubung von Feldkulturen wie etwa Raps, von Saatgut oder von Gemüse mit ein, liege dieser Wert noch höher. Indem die Biene auch Wildpflanzen bestäube, erhalte sie auch Flora und Fauna, Schönheit der Landschaft und Bodenqualität.
Das «Wintersterben» manifestiert sich durch das Symptom des Colony Collapse Disorder: Die Arbeiterinnen des Bienenvolkes verschwinden über Winter auf geheimnisvolle Weise und lassen Königin, Brut und Nahrung zurück. 2006 wurde das Projekt Coloss (Prevention of Honeybee Colony Loss) lanciert, das heute laut ALP rund 130 Forscher aus 35 Ländern unter der Leitung des Zentrums für Bienenforschung vernetzt.
Kein Mittel gefunden
Die aus Asien stammende Milbe varroa destructor fand 1984 den Weg in die Schweiz. Zunächst wurden synthetische Akarizide gegen sie eingesetzt. Mitte der 90-er Jahre aufkommende Resistenzen machten diese Methode unwirksam. Das ALP entwickelte darauf zusammen mit internationalen Experten organische Säuren und ätherische Öle als Alternativmethoden. Das «Wintersterben» in Europa, China und den USA ging dennoch weiter. (sam/ap)
Erstellt: 31.03.2009, 13:23 Uhr









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