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Zur Kuh gehören Hörner

90 Prozent der Schweizer Kühe sind heute hornlos. Dabei verstösst das Enthornen gegen den vom Gesetz geforderten Schutz der Würde der Tiere.

Symbolisches Bild: Die Kuh Sybille wird als «letzte Hornkuh der Schweiz» ins Zoologische Museum der Universität Zürich geführt.

Symbolisches Bild: Die Kuh Sybille wird als «letzte Hornkuh der Schweiz» ins Zoologische Museum der Universität Zürich geführt.
Bild: Keystone

Wer Milch trinkt oder Käse isst, sieht auf der Verpackung der Produkte – ob Bio oder nicht – jeweils glückliche Milchkühe mit Hörnern. Denn Kühe tragen natürlicherweise Hörner. In Tat und Wahrheit aber sind Kühe mit Hörnern in der modernen Milchwirtschaft vom Aussterben bedroht. Gerade noch eine von zehn Schweizer Milchkühen trägt heute ihren natürlichen Kopfschmuck. Diese den Konsumenten tunlichst verschwiegene Entwicklung will die Nutztierschutzorganisation KAG Freiland jetzt bremsen. «Horn auf! . . . weil das Horn zur Kuh gehört», heisst die Kampagne, die sie gestern in Zürich startete.

Vorab wirtschaftliche Gründe

Jahr für Jahr werden in der Schweiz 200 000 Kälber unter Betäubung enthornt. Für KAG Freiland ist die heute routinemässig vorgenommene Enthornung nicht zu rechtfertigen. Begründet wird sie offiziell mit der Verletzungsgefahr für Mensch und Tier, die von den Hörnern ausgehe. Vor allem in der modernen Laufstallhaltung der Milchkühe sei das Enthornen nötig, so der Tenor der Branche. Dabei gibt es zahlreiche Bauernhöfe, die Kühe mit Hörnern auch erfolgreich im Laufstall halten. Mit etwas mehr Platz im Stall und dem richtigen Umgang mit den Tieren könne das Unfallrisiko massiv gesenkt werden, so die KAG-Kuh-Fachfrau Denise Marty. Es seien nämlich vorab wirtschaftliche Gründe, die für das Enthornen sprächen: Ohne Hörner kann man mehr Kühe in einen Laufstall sperren und ihr natürliches Sozialverhalten weitgehend ignorieren.

Dass es auch anders geht, schilderte Bauer Peter Brem aus Wolhusen LU, der seit Jahren behornte Kühe im Laufstall hält. «Etwas, das die Natur den Tieren mitgegeben hat, darf man ihnen nicht einfach wegnehmen», findet er. «Und es funktioniert auch im Laufstall, wenn man etwas mehr Zeit investiert und die Tiere gut beobachtet.» Das hat auch eine Studie gezeigt, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) durchgeführt hat.

Unnötige Verstümmelung

KAG Freiland fordert die Landwirtschaftsbranche deshalb auf, die negative Einstellung gegenüber behornten Kühen zu revidieren. Der Bund solle die gesetzlichen Mindestabmessungen für Ställe an die etwas höheren Anforderungen von Kühen mit Hörnern anpassen. Und die Milchwirtschaft und die Produzenten ruft KAG Freiland auf, zusätzlich eine «Hornmilch» zu produzieren und anzubieten.

Missachtet wird durch das Enthornen aber nicht nur das natürliche Verhalten der Kühe, sondern auch das Tierschutzgesetz, stellte Gieri Bolliger, Jurist und Geschäftsführer der Stiftung für das Tier im Recht, fest. Zu diesem Schluss gelangt er aufgrund eines Rechtsgutachtens seiner Stiftung. Die für den Eingriff am Tier gesetzlich vorgeschriebene Verhältnismässigkeitsprüfung zeige nämlich, dass das Enthornen zwar den Tierhaltern entgegenkomme, für die Milchgewinnung aber nicht notwendig sei und damit in der vorgeschriebenen Güterabwägung gegenüber der lebenslangen Verstümmelung der Tiere klar den Kürzeren ziehe. «Weil das Enthornen dazu dient, die Tiere künstlich an ein Haltungssystem anzupassen, liegt eine übermässige Instrumentalisierung vor», so Bolliger.

Darüber, ob Hörner den Rindern nicht auch zur Abwehr von Wölfen dienlich wären, mochte KAG-Fachfrau Denise Marty nicht spekulieren. Dafür gebe es schlicht zu wenig solche Fälle. «Rinder ergreifen aber wohl eher die Flucht, als dass sie sich mit den Hörnern wehren», meint sie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2010, 10:39 Uhr

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9 Kommentare

karl fries

25.08.2010, 13:12 Uhr
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eine schande, diese enthornung. die bauer schauen nur aufs geld, ihnen ist tierliebe oder respekt fremd . aber immer jammern! wie schon vor 100 jahren. bauer bleibt bauer? Antworten


Helena Rupp Grau

24.08.2010, 17:14 Uhr
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Ich kaufe sofort "Hornmilch" und bezahle gern auch etwas mehr dafür. Demeter gibt es leider nicht überall zu kaufen (Demeter-Bauern dürfen ihre Kühe nicht enthornen!). Wenn die Bauern enthornen so für nötig befinden, dann sollen sie doch auch die Walliser Eringer enthornen. So ein Kuhkampf ohne Hörner ist doch viel ungefährlicher... Und die Stierkämpfer in Spanien wären sicher auch dafür... ts ts Antworten


Fritz Nussbaumer

23.08.2010, 08:16 Uhr
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Ich wünche mir als Konsument, dass mir Milch von "naturbelassenen" Kühen mit normalen Eutern offeriert wird. Wenn diese Tiere etwas mehr Platz im Stall benötigen, dann bin ich gerne bereit, für deren Milch auch etwas mehr zu bezahlen. Apropos Hörner als Waffe: Es stimm teinfach nicht, dass Kühe (Stiere eher) ihre Hörner im Normalfall als Waffe einsetzen. Sie brauchen Hörner, um sich zu kratzen. Antworten


Beat Zahnd

18.08.2010, 19:14 Uhr
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@W. Sahli: Subventionen wollen die wenigsten Bauern. Aber solange die EU u.a. noch viel stärker subventionieren und strengerer Vorschriften (Tier-, Umweltschutz) gelten, braucht auch die Schweizer Landwirtschaft Subventionen. Daher lässt sich aus der Subventionierung auch kein Mitspracherecht ableiten. Der Konsument hat über die Produktewahl ein Mitspracherecht und das spricht eine klare Sprache. Antworten


Dommen Karl

18.08.2010, 15:49 Uhr
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Ich betreibe eine Farm in der Dom.Rep und das seit 25 Jahren. Unsere Kühe sind immer auf der Weide. Wir holen sie nur zum Melken. Dei Hörner sind nun einfach jhre Waffen. Aber das sollte nicht sein.Darum enthornen wir auch hier. Was mich eher stöhrt ist in der Schweiz Biomilch von Kühen mit ambutierten Schwänzen. Das sollte nicht sein. Karl Dommen Antworten


Walter Sahli

18.08.2010, 14:19 Uhr
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@B. Zahnd: solange die achso arbeitsscheuen Stadtkinder für die zig Millionen an Subventionen aufkommen, die in die Taschen der Bauern fliessen, haben sie wohl auch ein kleines Bisschen Mitspracherecht, oder? Und solange diese Subventionen fliessen, braucht sich auch kein Bauer wegen höheren Preisen Sorgen zu machen! Antworten


Beat Zahnd

18.08.2010, 12:45 Uhr
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So so, Stadtkinder und andere die sich noch nie mit Arbeit die Hände schmutzig gemacht haben, wollen wieder mal besser wissen, wie die Bauern arbeiten sollen. Hörner SIND gefährlich. Das weis jeder, der schon mal im Stall stand. Mit Hörner ginge es auch, nur sind die Kosten klar höher. Das will kein Konsument bezahlen, auch wenn jeder das Gegenteil behauptet. Antworten


Alexandra Weber

18.08.2010, 11:54 Uhr
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Absolut richtig - der Mensch hat KEIN Recht zur Verstümmelung der Kuh. Die Hörner gehören zur Kuh. Doch Macht und Geldgier hat den Menschen gezwungen der Kuh ihr Kampfutensil und die Würde - die Hörner - schmerzhaft zu entfernen. Zurück zur Natur - die Kuh soll sich auch wehren können ansonsten kommt der WOLF!!!!!!! aw Antworten


michael imhof

18.08.2010, 11:04 Uhr
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Bin dafür dass man jedem Menschen nach Geburt die Ohrmuscheln entfernt,es besteht Verletzungsgefahr durch Verheddern in ipod-Kabeln, beim Helmaufsetzten oder Haareschneiden...... Kurzum, ich empfinde jegliches Entfernen von Körperteilen als abartig,ob Mensch oder Tier. Pervertiertes Denken aus kurzfristigem Gewinnstreben Antworten



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