Zur Kuh gehören Hörner
Von Felix Maise. Aktualisiert am 18.08.2010 9 Kommentare
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Wer Milch trinkt oder Käse isst, sieht auf der Verpackung der Produkte – ob Bio oder nicht – jeweils glückliche Milchkühe mit Hörnern. Denn Kühe tragen natürlicherweise Hörner. In Tat und Wahrheit aber sind Kühe mit Hörnern in der modernen Milchwirtschaft vom Aussterben bedroht. Gerade noch eine von zehn Schweizer Milchkühen trägt heute ihren natürlichen Kopfschmuck. Diese den Konsumenten tunlichst verschwiegene Entwicklung will die Nutztierschutzorganisation KAG Freiland jetzt bremsen. «Horn auf! . . . weil das Horn zur Kuh gehört», heisst die Kampagne, die sie gestern in Zürich startete.
Vorab wirtschaftliche Gründe
Jahr für Jahr werden in der Schweiz 200 000 Kälber unter Betäubung enthornt. Für KAG Freiland ist die heute routinemässig vorgenommene Enthornung nicht zu rechtfertigen. Begründet wird sie offiziell mit der Verletzungsgefahr für Mensch und Tier, die von den Hörnern ausgehe. Vor allem in der modernen Laufstallhaltung der Milchkühe sei das Enthornen nötig, so der Tenor der Branche. Dabei gibt es zahlreiche Bauernhöfe, die Kühe mit Hörnern auch erfolgreich im Laufstall halten. Mit etwas mehr Platz im Stall und dem richtigen Umgang mit den Tieren könne das Unfallrisiko massiv gesenkt werden, so die KAG-Kuh-Fachfrau Denise Marty. Es seien nämlich vorab wirtschaftliche Gründe, die für das Enthornen sprächen: Ohne Hörner kann man mehr Kühe in einen Laufstall sperren und ihr natürliches Sozialverhalten weitgehend ignorieren.
Dass es auch anders geht, schilderte Bauer Peter Brem aus Wolhusen LU, der seit Jahren behornte Kühe im Laufstall hält. «Etwas, das die Natur den Tieren mitgegeben hat, darf man ihnen nicht einfach wegnehmen», findet er. «Und es funktioniert auch im Laufstall, wenn man etwas mehr Zeit investiert und die Tiere gut beobachtet.» Das hat auch eine Studie gezeigt, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) durchgeführt hat.
Unnötige Verstümmelung
KAG Freiland fordert die Landwirtschaftsbranche deshalb auf, die negative Einstellung gegenüber behornten Kühen zu revidieren. Der Bund solle die gesetzlichen Mindestabmessungen für Ställe an die etwas höheren Anforderungen von Kühen mit Hörnern anpassen. Und die Milchwirtschaft und die Produzenten ruft KAG Freiland auf, zusätzlich eine «Hornmilch» zu produzieren und anzubieten.
Missachtet wird durch das Enthornen aber nicht nur das natürliche Verhalten der Kühe, sondern auch das Tierschutzgesetz, stellte Gieri Bolliger, Jurist und Geschäftsführer der Stiftung für das Tier im Recht, fest. Zu diesem Schluss gelangt er aufgrund eines Rechtsgutachtens seiner Stiftung. Die für den Eingriff am Tier gesetzlich vorgeschriebene Verhältnismässigkeitsprüfung zeige nämlich, dass das Enthornen zwar den Tierhaltern entgegenkomme, für die Milchgewinnung aber nicht notwendig sei und damit in der vorgeschriebenen Güterabwägung gegenüber der lebenslangen Verstümmelung der Tiere klar den Kürzeren ziehe. «Weil das Enthornen dazu dient, die Tiere künstlich an ein Haltungssystem anzupassen, liegt eine übermässige Instrumentalisierung vor», so Bolliger.
Darüber, ob Hörner den Rindern nicht auch zur Abwehr von Wölfen dienlich wären, mochte KAG-Fachfrau Denise Marty nicht spekulieren. Dafür gebe es schlicht zu wenig solche Fälle. «Rinder ergreifen aber wohl eher die Flucht, als dass sie sich mit den Hörnern wehren», meint sie. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.08.2010, 10:39 Uhr
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9 Kommentare
So so, Stadtkinder und andere die sich noch nie mit Arbeit die Hände schmutzig gemacht haben, wollen wieder mal besser wissen, wie die Bauern arbeiten sollen. Hörner SIND gefährlich. Das weis jeder, der schon mal im Stall stand. Mit Hörner ginge es auch, nur sind die Kosten klar höher. Das will kein Konsument bezahlen, auch wenn jeder das Gegenteil behauptet. Antworten
Bin dafür dass man jedem Menschen nach Geburt die Ohrmuscheln entfernt,es besteht Verletzungsgefahr durch Verheddern in ipod-Kabeln, beim Helmaufsetzten oder Haareschneiden...... Kurzum, ich empfinde jegliches Entfernen von Körperteilen als abartig,ob Mensch oder Tier. Pervertiertes Denken aus kurzfristigem Gewinnstreben Antworten









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