Überraschender Effekt: Luftverschmutzung bremste Klimawandel

Die Vegetation leidet nicht nur unter der Luftverschmutzung, sondern profitiert auch von ihr. Gestreutes Sonnenlicht kann indirekt das Wachstum fördern.

Während Politiker weltweit um Tonnagen von Treibhausgasen streiten, die künftig zu reduzieren sind, verdichten sich die Indizien, dass die umstrittenen Zielsetzungen vermutlich zu tief angesetzt sind. Der ETH-Forscher Martin Wild will keine Zahlen nennen. Doch klar sei: «Drastischere Massnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstosses sind unabdingbar, um die Erderwärmung nicht noch weiter zu verstärken».

Wild ist Mitautor einer internationalen Studie, die Erstaunliches zeigt: Pflanzen nahmen aufgrund einer veränderten Sonneneinstrahlung durch die Luftverschmutzung in den Jahren 1960 bis 1999 mehr Kohlendioxid CO2 aus der Atmosphäre auf. So erhöhte sich die Produktivität der globalen Landökosysteme massiv – und Pflanzen und Böden speicherten gut zehn Prozent mehr Kohlenstoff.

Russ und Salze aus den Auspuffen

Die Ursache dieses Phänomens: das Streulicht. Russ und Salze aus den Auspuffen der Autos und den Schornsteinen der Fabriken und Wohnhäuser reichern sich in der Luft als sogenannte Kondensationskerne an. Wolkentröpfchen bilden sich um diese Schmutzteilchen, sprich Aerosole, es entstehen Wolken. Im Gegensatz zur direkten Einstrahlung bei wolkenlosem Himmel erreicht Sonnenlicht, das an Wolken und Aerosolen gestreut wird, von verschiedenen Seiten die Erdoberfläche. Das heisst: Pflanzen können für ihr Wachstum durch Fotosynthese mehr des verfügbaren Lichts in Energie umwandeln, weil weniger Blätter im Schatten sind.

Hätten die Forscher, so die Studie, nur die globale Gesamtstrahlung ohne den Streueffekt berücksichtigt, wäre die globale Kohlenstoffspeicherung auf dem Land um gut 14 Prozent gesunken. Denn zwischen 1960 und 1980 hatte sich die Erde aufgrund der Luftverschmutzung «verdunkelt», die Direktstrahlung war reduziert. Seither gibt es vielerorts eine Trendwende: Die Erde hellt sie sich zumindest auf der Nordhemisphäre wieder auf, vor allem weil der Ausstoss von Schwefeldioxid aus der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe deutlich gesunken ist.

Bisher wurde der Einfluss von diffuser und direkter Einstrahlung auf die Produktivität der terrestrischen Biosphäre nicht untersucht. Die Schätzungen der Forscher beruhen vor allem auf Computermodellen. Das Programm Jules simulierte Prozesse auf der globalen Landoberfläche wie etwa den Kohlenstofffluss für verschiedene Vegetationstypen. Der Computer verarbeitete dabei die üblichen berechneten und gemessenen Klimavariablen wie Temperatur, Feuchtigkeit und Wind im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Die Forscher rekonstruierten für diesen Zeitraum die Leistung der diffusen und direkten Strahlung weltweit.

«Auch wenn es teilweise grössere Abweichungen zwischen Modell und Beobachtung gibt, so scheint die Rekonstruktion über alles gesehen recht realistisch», sagt Martin Wild vom ETH-Institut für Atmosphäre und Klima in Zürich. Wie realistisch die Modelle sind, zeigt der Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen 1991. Die Erdoberfläche kühlte nach der Eruption ab, weil die Aerosole die Atmosphäre verdunkelten. Die Konsequenz: Die Wachstumsrate von CO2 in der Luft verringerte sich, da die Bodenorganismen weniger aktiv waren und die Vegetation durch die erhöhte Streustrahlung mehr Kohlenstoff speicherte.

Massive CO2-Reduktion

Die Forscher haben auch in die Zukunft geschaut und dabei ein umweltfreundliches Szenario des Weltklimarats IPCC bis zum Jahr 2100 verwendet. Dabei nehmen die Schwefel-Aerosole schnell ab und mit ihnen – so die Modelle – die Kohlenstoffspeicherung in der Biosphäre.

Kommt hinzu, dass eine ETH-Studie vor wenigen Jahren belegte, dass in Europa mit dem Fortschritt der Lufthygiene die Gesamtstrahlung wieder zugenommen hat und es entsprechend wärmer geworden ist. «Luftreinhaltemassnahmen sind aus gesundheitlichen Gründen unumgänglich, also braucht es noch drastischere CO2-Reduktionen», sagt Martin Wild. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2009, 21:45 Uhr

9 KOMMENTARE

Ronnie König

24.04.2009, 13:00 Uhr

@Paul Bossert: So so, Sie warten seit 35 Jahren? Wohl am falschen Ort! Typisch für Ignoranten. Vor 30Jahren wurde am Fernsehen demonstriert wie so was funktioniert. Bei MTW SF-DRS! Sie waren wohl beim Jassen.


Paul Bossert

24.04.2009, 11:20 Uhr

Die Schweizerischen und Deutschen Klimaesoteriker sollen erst einmal den experimentellen Nachweis erbringen, dass zwischen CO2 und der Erderwärmung eine Kausalität existiert. Und dann wäre noch der physikalisch-mathematische Ansatz über das instationäre thermodynamische Verhalten der Erde unter Ein- und Abstrahlungsbedingungen beizubringen, auf den ich bereits seit 35 Jahren warte!


Niklaus von-Melchtal

23.04.2009, 11:03 Uhr

Auch die Computer der sogenannten Klimaforscher arbeiten nach der Erkenntnis: "Garbage IN, Garbage OUT ! (Dies ist die sprachlich höfliche Version).


Ronnie König

23.04.2009, 10:26 Uhr

Der Feinstaub dispergiert das Licht und das CO2 erhöht die Temperatur. Gewisse Substanzen neutralisieren das Ozon und andere Gase erhöhen das Wachstum der Bäume. Aber da wir den richtigen Mix sowieso nicht hinbekommen, sollten wir trotzdem die Emission reduzieren! Sonst würde es der Umwelt besser und nicht schlechter gehen. Alles betrachten und nicht nur Ausschnitte!


Fridolin Spaelti

23.04.2009, 08:27 Uhr

Wieder einmal eine widersprüchliche Studie mehr! Die Klimahysterie treibt doch komische Blüten, doch es wird nichts unterlassen um den Leuten Angst einzujagen. Ich empfehle deshalb allen, die noch in der Lage sind, selber zu denken und sich ein Urteil zu bilden, einmal auf www.klimaskeptiker.info zu gehen und sich dann entsprechende Gedanken zu machen...


Emil Roduner

23.04.2009, 05:07 Uhr

Die Sahara und die Wüste Gobi dehnen sich aus, die Malediven und Bangladesh geraten unaufhaltsam unter Wasser - aber Grönland wird zusehends grün und wohnlich. Wir können kaum Einwohner aus Bangladesh nach Grönland verpflanzen, aber wir kommen nicht darum herum, im Zusammenhang mit der Klimaproblematik neben der CO2-Reduktion endlich auch die weltweite Migration zu diskutieren.


Alexej Buergin

23.04.2009, 02:46 Uhr

Was man Herrn Wild haette (hinter-)fragen muessen: Welche Erklaerung hat er dafuer, dass im letzten Jahrzehnt der CO2-Gehalt der Atmosphaere rasch ZUGENOKMMEN, die mittlere Temperatur der Erde aber ABGENOMMEN hat. Nach allen Modellen des IPCC muesste sie eigentlich linear ansteigen. Naturwissenschaftliche Modelle, deren Vorhersagen NICHT eintreffen, werden normalerweise als falsch eingestuft.


Manuel Fischer

22.04.2009, 21:19 Uhr

Also lieber Tagi, bitte bitte gebt euch mehr Mühe bei den Artikeln, es nimmt hier ja schon schlimme Ausmasse an. Seit wann produzieren denn Pflanzen mit Sonnenlicht und CO2 Wasser und Nährstoffe?? Pflanzen wandeln in den Blättern mit Hilfe von Photonen CO2 und H2O in Zucker und O2 um.


Elias Balmer

22.04.2009, 20:00 Uhr

Cool, entweder wir gehen ob der schlechten Luft drauf, oder weil uns die Sonne bratet... Das erinnert mich an die Kinderfrage: "Würdest du lieber erfrieren oder verbrennen?"



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